Proteste gegen "Schnöggersburg" : Mit Sitzblockaden und Sprechchören gegen die Bundeswehr
In der Colbitz-Letzlinger Heide haben etwa 100 Militärgegner gegen den Ausbau des Truppenübungsplatzes demonstriert. In verschiedenen Aktionen äußerten sie lautstark ihren Protest. Auf Plakaten forderten sie unter anderem die Abschaffung der Bundeswehr. Die Aktivisten protestierten dagegen, dass auf dem Bundeswehrübungsgelände Soldaten auf Kriegseinsätze vorbereitet werden.
"Frieden Schaffen ohne Waffen"
Wie die Polizei mitteilte, hatten etwa 60 Demonstranten von Letzlingen aus vorübergehend die B 71 blockiert. In Sprechchören riefen sie "Frieden schaffen ohne Waffen". Eine andere Gruppe versperrte die Zufahrt zum Gefechtsübungszentrum mit Sitzblockaden. In einigen Fällen gelang es den Demonstranten, auf das Bundeswehr-Gelände in der Colbitz-Letzlinger Heide vorzudringen. Einem Sprecher der Aktivisten zufolge sollen sie einen Panzer mit Farbbeuteln beworfen haben. Zudem sei am Mittag vorübergehend ein Feuerwehrturm in der vom Gericht angeordneten Sperrzone besetzt worden.
Bundeswehr und Polizei teilten am Abend mit, der Übungsbetrieb auf dem Gelände sei durch die Proteste nicht gestört worden. Die Aktionen seien weitgehend friedlich verlaufen.
Katz- und Maus-Spiel mit 1.000 Polizisten
Rings um das riesige Waldgebiet hatten im Laufe des Tages immer wieder Aktivisten die Sperrzone verletzt. Die Polizei sprach von einem Katz- und Maus-Spiel. Gegen einige Aktivisten wurden Platzverweise ausgesprochen. Die Polizei war mit einem Großaufgebot und Pferdestaffeln im Einsatz, um eine Störung des Bundeswehrbetriebes zu verhindern.
Demonstration seit Freitag legal
Die Kundgebung war Ende der Woche vom Oberverwaltungsgericht unter Auflagen genehmigt worden. Ursprünglich hatte der Altmarkkreis Salzwedel alle Proteste rund um das Gefechtsübungszentrum untersagt. Das Oberverwaltungsgericht Magdeburg hob das Verbot in Teilen wieder auf. Zur Begründung hieß es, es sei nicht ersichtlich, warum die Polizei etwaige Versuche von Demonstranten, auf das Bundeswehrgelände zu kommen, nicht verhindern könne. Zugleich verhängte das Gericht aber strenge Auflagen. So durften sich die Demonstranten dem Sperrgebiet höchstens auf 100 Meter nähern. Zudem musste der Protest um 18 Uhr beendet sein.
Protestcamp gegen Bundeswehr-Standort
Die Demonstration war Höhepunkt einer Aktionswoche gegen den Truppenübungsplatz. Unter dem Motto "War starts here" beteiligten sich bis Samstag rund 200 Menschen an einem Protestcamp. Der Truppenübungsplatz in der Colbitz-Letzlinger Heide ist mit rund 23.000 Hektar einer der größten in Europa. Zuletzt war er in die Schlagzeilen geraten, weil die Bundeswehr dort eine komplette Übungsstadt errichten will.
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Truppenübungsplatz Altmark
Die Geschichte des Truppenübungsplatzes Altmark reicht bis in das Jahr 1934 zurück. Damals begann die Wehrmacht damit, das Gelände für eine militärische Nutzung zu erschließen. Zwei Jahre später wurden drei Dörfer abgerissen. An ihrer Stelle entstand eine 30 Kilometer lange Artillerieschießbahn. Bis Kriegsende war das Gelände eine Erprobungsstelle für Artillerie- und Panzerabwehrwaffen. Danach übernahm die Rote Armee das Gebiet. Bis 1994 waren auf dem Truppenübungsplatz im Norden Sachsen-Anhalts zeitweise bis zu 20.000 sowjetische Soldaten stationiert. Nach dem Abzug der Sowjets begann die Bundeswehr damit, den Truppenübungsplatz von Altmunition zu beräumen und für eigene Zwecke nutzbar zu machen. So wurde in Letzlingen die heutige Altmark-Kaserne errichtet und das Gefechtsübungszentrum des Heeres aufgebaut.





