Dessau-Roßlau
Fortgang im Jalloh-Prozess offen
Im Prozess um den Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh in einer Polizeizelle ist der Fortgang des Verfahrens offen. Das ursprünglich angekündigte Plädoyer der Staatsanwaltschaft am Landgericht Dessau-Roßlau fiel am Dienstag überraschend aus.
Wie eine Gerichtssprecherin mitteilte, sei der Abschluss des Verfahrens noch nicht ausreichend vorbereitet. Das habe ein Gespräch aller Prozessbeteiligten am Vormittag ergeben. Nähere Angaben wurden wegen der vereinbarten Vertraulichkeit nicht gemacht. Der für Freitag geplante nächste Verhandlungstermin solle stattfinden, könne aber auch kurzfristig aufgehoben werden, sagte die Sprecherin. Dann sollten nach ursprünglichen Planungen die Plädoyers der Verteidigung gehalten werden. Für den kommenden Montag (8. Dezember) wurde das Urteil angekündigt.
Angeklagte bestreiten Vorwürfe
In dem seit März 2007 laufenden Prozess müssen sich zwei Polizisten verantworten. Einem ehemaligen Dienstgruppenleiter wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen, dem anderen Polizisten fahrlässige Tötung - in beiden Fällen durch Unterlassen. Sie sollen eine Mitschuld am Tod des 23-jährigen Ouri Jalloh tragen. Laut Obduktion war der Afrikaner am 7. Januar 2005 an einem Hitzeschock infolge der extrem heißen Brandgase bei dem Feuer gestorben. Dem Ex-Dienstgruppenleiter wird vorgeworfen, den Brandmelder aus der Gewahrsamszelle im Keller des Polizeireviers Dessau ignoriert und Jalloh nicht rechtzeitig geholfen zu haben. Zuvor soll der andere Polizist bei der Durchsuchung des Asylbewerbers aus Sierra Leone ein Feuerzeug übersehen haben. Beide Angeklagte bestreiten die Vorwürfe im Wesentlichen.
Weitere Proteste angekündigt
Das Gericht geht davon aus, dass Jalloh - obwohl er an Händen und Füßen gefesselt war - den Brand in der gekachelten Zelle selbst gelegt hat. Dazu soll er die Matratze, auf der er lag, angezündet haben. Richter Manfred Steinhoff hat während der 22 Monate dauernden Verhandlung zahlreiche Zeugen teils mehrfach befragt, darunter Polizisten wegen des Verdachts der Falschaussage. Von Seiten der Initiative zum Gedenken an Jalloh sowie von Menschenrechtlern wurde im Laufe des Prozesses mehrfach Kritik an den "schleppenden und unzureichenden Ermittlungen der Justiz" geäußert. Weitere Proteste sind angekündigt.
Brand mehrfach nachgestellt
Im Institut der Feuerwehr Sachsen-Anhalt wurde der Brand in der Zelle mehrfach von einem Gutachter nachgestellt und analysiert. Der Prozess selbst musste aufgrund der Erkrankung eines Angeklagten und eines Schöffen teilweise unterbrochen werden. Jalloh war damals festgenommen worden, weil er in Dessau mehrere Frauen bei ihrer Arbeit belästigt und Widerstand gegen die Polizei geleistet haben soll.
Zuletzt aktualisiert: 02. Dezember 2008, 18:15 Uhr
