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Dessau-Roßlau

Erneut Termin im Jalloh-Prozess abgesagt

Das Landgericht Dessau-Roßlau hat bereits zum zweiten Mal in dieser Woche einen Termin im Prozess um den Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh abgesagt.

Nach Angaben einer Sprecherin findet der für Freitag angekündigte Verhandlungstermin nicht statt. Dennoch soll das seit gut eineinhalb Jahren laufende Verfahren am Montag abgeschlossen werden. Weitere Details nannte sie nicht. Es wäre möglich, dass Staatsanwaltschaft, mehrere Nebenkläger und die
Verteidiger der zwei angeklagten Polizisten am Montag ihre Plädoyers halten und das Gericht dann sein Urteil verkündet. Andererseits könnte das Verfahren aber auch gänzlich oder teilweise eingestellt und - im letzteren Fall - nur gegen einen Polizisten ein Urteil gefällt werden.

Angeklagte bestreiten Vorwürfe

Zwei Polizisten sind wegen Körperverletzung mit Todesfolge sowie fahrlässiger Tötung, jeweils durch Unterlassen, angeklagt. Sie sollen eine Mitschuld am Tod des 23-jährigen Asylbewerbers aus Sierra Leona tragen, der im Januar 2005 bei einem Brand in einer Zelle im Polizeirevier Dessau ums Leben gekommen war. Der Diensthabende soll den Feueralarm der Zelle ignoriert, der zweite angeklagte Polizist zuvor ein Feuerzeug bei der Durchsuchung Jallohs übersehen haben. Die 48 und 45 Jahre alten Männer bestreiten die Vorwürfe im Wesentlichen.

Vertrauliches Gespräch könnte Grund sein

Nach Angaben der Nebenklage ist ein Grund für die Verschiebung des Verhandlungstages ein Gespräch beim Vorsitzenden Richter, an dem am Dienstag Vertreter von Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage teilnahmen. Nun müsse die Familie Jallohs über den vertraulichen Inhalt des Gesprächs informiert werden. Wie Nebenklagevertreterin Regina Götz mitteilte, sei es jedoch nicht leicht, die Familie zu erreichen. Die Mutter lebe in Guinea. Bereits am Dienstag war ein Prozesstermin abgesagt worden, an dem eigentlich das Plädoyer der Staatsanwaltschaft gehalten werden sollte.

Jalloh starb an Hitzeschock

Der Anwalt eines der angeklagten Polizisten, Sven Tamoschus, rechnet damit, dass er am Montag sein Plädoyer halten und auch ein Urteil gesprochen wird. Götz, die die Mutter des Opfers vertritt, äußerte sich ähnlich.

Laut Obduktion starb Jalloh bei dem Feuer in der Gewahrsamszelle an einem Hitzeschock. Trotz Fesselung an Händen und Füßen soll er den Brand in dem gekachelten Raum mit einem Feuerzeug selbst entfacht haben, indem er die Matratze angezündet haben soll. Jalloh war festgenommen worden, weil er Frauen belästigt und Widerstand gegen die Polizei geleistet haben soll.

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2008, 16:03 Uhr

 

 
 
 
 
 
 

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