Region Dessau

"SCHWARZWEISS" : Theaterstück zu Oury Jalloh in Dessau gestartet

Das Anhaltische Theater Dessau setzt sich seit Freitag mit dem Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle auseinander. Am Abend hatte das Stück "Schwarzweiß" Premiere. Inszeniert wird die theatrale Stadtbegehung zwischen Stadtpark und altem Theater von Nina Gühlstorff. Das Anhaltische Theater will nach eigenen Angaben mit dem Stück den Fall und die unterschiedlichen Meinungen dazu in der Bevölkerung thematisieren.

Panorama der Meinungen

Die Besucher werden während der Aufführung von den Akteuren - Schauspieler und Bürger - an besonders kritische Punkte von Dessau wie etwa Stadtpark, Moschee, Telecafé und Dönerstand geführt. Dort werden Texte vorgetragen, deren Grundlage Interviews zum Fall Oury Jalloh sind. Wie eine Sprecherin mitteilte, haben Gühlstorff und ihre Mitarbeiter dafür in den vergangenen Monaten rund 50 Flüchtlinge, Polizisten, Freunde des Toten und alteingesessene Dessauer Bürger interviewt. Ziel sei es gewesen, ein Panorama der in der Stadt verbreiteten Meinungen und Deutungen zu dem Fall zu entwerfen.

Nach Auskunft der Regisseurin will das Ensemble jedoch eine eigene Bewertung vermeiden. Die Zuschauer sollten sich selbst ein Urteil bilden. Gühlstorff räumte ein, dass es in der Stadt Vorbehalte gegen das Projekt des Anhaltischen Theaters gegeben habe. Die meisten Anwohner würden aber noch immer nur ungern über den Fall Jalloh sprechen. Ihrer Meinung nach müsse sich Theater jedoch auch mit verdrängten und umstrittenen Themen auseinandersetzen.

Tod in der Ausnüchterungszelle

Der aus Sierra Leone stammende Jalloh war am 7. Januar 2005 bei einem Brand in seiner Ausnüchterungszelle an den Folgen eines Hitzeschocks gestorben. Nach Ansicht der Ermittler hatte der Afrikaner das Feuer in seiner Zelle selbst gelegt, obwohl er an Händen und Füßen gefesselt war. Jalloh war zuvor in Gewahrsam genommen worden, weil er unter Drogen- und Alkoholeinfluss stehend, mehrere Frauen belästigt und Widerstand gegen die herbeieilenden Beamten geleistet hatte. Zwei Polizeibeamte, denen eine Mitschuld am Tod des Afrikaners gegeben wurde, waren in einem ersten Verfahren freigesprochen worden. Der Bundesgerichtshof hob den Freispruch für den damaligen Dienstgruppenleiter jedoch wieder auf. Der Mann steht seit Januar erneut vor Gericht.

Zuletzt aktualisiert: 10. Juni 2011, 22:27 Uhr

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