Frosch
"Manchmal finden wir in einem Behälter bis zu 70 Kröten", erzählt Biologe Marcel Seyring. Bildrechte: MDR/ Martin Krause

Naturschutz an der B6n Die Krötensammler von Köthen

Wo bald ein Zubringer zur A9 eröffnet wird, wandern jährlich Tausende Kröten in ihr Winterquartier. Fangzäune sollen verhindern, dass die Tiere auf die Straße hüpfen. Eingesammelt werden die Tiere anschließend von so genannten Krötenhelfern. Sie gehen derzeit täglich kilometerweit durch das Köthener Umland, um die Kröten auf die andere Straßenseite zu bringen.

von Martin Krause, MDR SACHSEN-ANHALT

Frosch
"Manchmal finden wir in einem Behälter bis zu 70 Kröten", erzählt Biologe Marcel Seyring. Bildrechte: MDR/ Martin Krause

"Hier haben wir doch schon eine", sagt Marcel Seyring und nimmt die kleine Erdkröte vorsichtig in die Hand. "Das ist fast noch ein Baby. Die Kröte ist in diesem Jahr aus dem Wasser herausgekommen und macht ihre erste Wanderung in ihr Winterquartier", erzählt der Diplombiologe.

Seit dem Sonnenaufgang stapft der 35-Jährige mit Gummistiefeln durch die Felder zwischen Meilendorf und Körnitz unweit von Köthen. Er kontrolliert die Fangeimer. Im nächsten Eimer entdeckt Seyring eine streng geschützte Knoblauchkröte. Aber auch Wechselkröten, Laub- und Moorfrösche finden sich zuhauf in den Eimern. Der Diplombiologe notiert jeden Fund akribisch.

Fast 25 Kilometer pro Tag

Mann schaut in Eimer
Die Kröten landen in Fangeimern und können dann umgesetzt werden. Bildrechte: MDR/ Martin Krause

Dann geht es weiter immer entlang des Fangzauns. "Der Zaun verhindert, dass die Kröten in das Baustellengebiet hinein hüpfen und dort durch die schweren Maschinen vielleicht zu Schaden kommen. Die Tiere wandern nun am Zaun entlang – alle paar Meter haben wir einen Fangeimer eingegraben, dort landen die Kröten dann". Und die Amphibien fallen weich. Denn die Eimer sind mit einem Schwamm und Grünzeug gut ausgepolstert.

Jeden Morgen sind die Kröten-Sammler um Marcel Seyring derzeit unterwegs, um die Eimer zu kontrollieren. "Die Kröten werden dann gezählt und auf der anderen Seite der Baustelle wieder ausgesetzt, dann können sie unbeschadet weiter wandern", erklärt Seyring sein "Froschtaxi“. Ein Riesenaufwand.

Er und seine vier Kollegen müssen täglich bei Wind und Wetter den fast 25 Kilometer langen Zaun ablaufen und hunderte Fangeimer überprüfen. "Manchmal finden wir in einem Behälter bis zu 70 Kröten", erzählt Seyring. Dort wo bald Autos über die neue Trasse der B6n rasen, leben sehr seltene und geschützte Arten: "Das hier ist ein echtes Krötenparadies. Wir wissen aus dem Vorjahr, dass hier bis zu 95.000 Kröten durchwandern – mehrfach im Jahresverlauf", so Seyring, "damit ist es die größte Population landesweit."

Am Fangzaun der B6n-Baustelle Ein Eimer voller Kröten

Wenn der Zubringer zur A9 erst einmal gebaut ist, werden Tauende Kröten durch kleine Tunnel unter der Straße wandern können. Bis halten Fangzäune und -eimer sie davon ab, in die Baustelle zu hüpfen.

Mann hockt am Wegesrand
Wo bald ein Zubringer der B6n zur A9 eröffnet wird... Bildrechte: MDR/ Martin Krause
Mann hockt am Wegesrand
Wo bald ein Zubringer der B6n zur A9 eröffnet wird... Bildrechte: MDR/ Martin Krause
Frausch auf der Hand eines Mannes
...wandern jährlich Tausende Kröten in ihr Winterquartier. Bildrechte: MDR/ Martin Krause
Frösche in Eimer
Fangzäune und Fangeimer sollen verhindern, dass die Tiere in die Baustelle hüpfen. Bildrechte: MDR/ Martin Krause
Mann schaut in Eimer
Biologe Marcel Seyring und seine Kollegen sind derzeit täglich am Fangzaun unterwegs. Bildrechte: MDR/ Martin Krause
Mann mit Eimer auf Feld
Sie sammeln die seltenen Tiere ein und setzen sie auf der anderen Straßenseite wieder aus. Bildrechte: MDR/ Martin Krause
Frosch
"Manchmal finden wir in einem Behälter bis zu 70 Kröten", erzählt Seyring. Bildrechte: MDR/ Martin Krause
Mann schreibt in Notizbuch
Er notiert jeden Fund akribisch. Wenn die Straße fertig ist, werden kleine Tunneln den Kröten helfen, die Straße zu unterwandern.

Quelle: MDR/as
Bildrechte: MDR/ Martin Krause
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Tunnel sollen helfen

Es sei sehr wichtig, die Amphibien zu schützen, sagt der Diplombiologe. Einige Arten seien stark bedroht, manche gar vom Aussterben. "Und so eine Baustelle kann da viel Schaden anrichten. Wenn wir den Kröten nicht helfen, wird es sehr leise an den Teichen in nächster Zeit." Seyring und seine Kollegen sorgen dafür, dass das nicht passiert. Sie werden weiterhin regelmäßig die wandernden Kröten und Frösche mit Eimern auf die andere Seite der Baustelle bringen.

Bis die neue 15 Kilometer Trasse zwischen Köthen und Thurland 2018 steht. Dann ist die Gefahr für die seltenen Amphibien gebannt. Mehr als 100 kleine Tunnel unter der Fahrbahn sorgen dafür, dass die Kröten die dreispurige Schnellstraße unversehrt unterwandern können.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29.09.2017 | 07:10 Uhr

Quelle: MDR/olei/as

Zuletzt aktualisiert: 28. September 2017, 06:19 Uhr

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