Gedenken an Oury Jalloh in Dessau-Rosslau.
Der Verbrennungstod des Asylbewerbers Oury Jalloh hat für Aufsehen gesorgt. Bildrechte: dpa

Ermittlungen zu Oury Jalloh eingestellt Wo kein Kläger, da kein Richter

Die Staatsanwaltschaft Halle hat die Ermittlungen zum Verbrennungstod des Asylbewerbers Oury Jalloh eingestellt. Wurde der Fall damit endgültig zu den Akten gelegt? MDR SACHSEN-ANHALT beantwortet die wichtigsten Fragen.

von André Damm, MDR SACHSEN-ANHALT

Gedenken an Oury Jalloh in Dessau-Rosslau.
Der Verbrennungstod des Asylbewerbers Oury Jalloh hat für Aufsehen gesorgt. Bildrechte: dpa

Ist mit dem Einstellen der Ermittlungen das letzte Wort in dem Fall gesprochen?

Offiziell ja. Denn wo kein Kläger ist, da ist auch kein Richter. Und wenn nicht ermittelt wird, wird der Fall nicht wieder aufgerollt. Die Begründung der Staatsanwaltschaft Halle zu diesem Schritt ist aber durchaus nachvollziehbar. Die Strafverfolger haben argumentiert, dass es inzwischen zahlreiche Gutachten gibt, die aber nicht eindeutig sind. Folglich könne es keine handfesten Antworten zu zentralen Fragen geben, was den Ausbruch und Verlauf des Brandes angeht.

Fest steht für die Ermittler nur, dass Jalloh beim Zellenbrand gelebt hat und somit theoretisch das Feuer auch selbst gelegt haben kann – da stützt sich die Staatsanwaltschaft auf die Aussagen von zwei Rechtsmedizinern. Eine Beteiligung Dritter konnte nicht nachgewiesen werden.

Unterm Strich lautet somit die Botschaft: Eine weitere Aufklärung des Geschehens in der Dessauer Polizeizelle ist kaum noch möglich.

Können weitere Rechtsmittel eingelegt werden?

Rechtsmittel direkt nicht, aber es können neue Strafanzeigen gestellt werden. Denn der schreckliche Tod Jallohs in Polizeigewahrsam steckt weiterhin voller Rätsel: Angefangen beim Feuerzeug, das beim Durchsuchen des Afrikaners übersehen wurde, über die defekte feuerdichte Matratze bis hin zum Umstand, ob der gefesselte Jalloh überhaupt in der Lage war, sich anzuzünden.

Allerdings sind nun neue Beweise erforderlich, um Staatsanwälte zu überzeugen, neue Ermittlungen einzuleiten. Das dürfte jedoch mit jedem Jahr schwieriger werden, denn Jalloh starb im Januar 2005.

Geben sich diejenigen, die sich für die Aufklärung des Falles stark gemacht haben, damit zufrieden?

Ich denke, die Einstellung der Ermittlungen wird Proteste nach sich ziehen. Denn viele Vertreter der Jalloh-Initiative sprechen immer noch von einem Mord-Komplott, auch von rassistischen Motiven ist die Rede. Und sie werden Probleme damit haben, wenn dieser weithin ungeklärte Todesfall in einem Archivschrank verschwindet. Sie hatten gehofft, dass die Staatsanwaltschaft Halle zu neuen Erkenntnissen kommt und dass es am Ende für einen neuen Prozess reicht.

Im Gegensatz dazu dürften viele Einwohner in Dessau-Roßlau es stillschweigend hinnehmen, dass der Fall zu den Akten gelegt wird. Etliche fühlten sich genervt von den Demonstrationen und der großen medialen Berichterstattung.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 12.10.2017 | 17:00 Uhr

Quelle: MDR/mh

Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2017, 05:38 Uhr

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4 Kommentare

13.10.2017 22:39 Toni 4

Auch ein besoffener Pöbler hat das Recht auf körperliche Unversertheit und Leben. Das unterscheidet einen Rechtsstaat von Willkür.

Hier wird mit Verunglimpfungen versucht den tragischen Tod eines Menschen kleinzureden.

13.10.2017 16:39 ups 3

@1 Wer in seinen Namen den Begriff Hooligan verwendet, der sollte zum Thema Gewalt besser schweigen. Was ist eigentlich das Gegenstück zum Nazi, ich glaub Stalinist. Beide Seiten haben viel Blut an ihren Händen.

13.10.2017 12:15 Blumenfreund 2

Haben die Linken keine anderen Sorgen? Der Asylbewerber Oury Jalloh hat vor seiner Festnahme Frauen belästigt und randaliert. Außerdem war er sturz betrunken. Würden die Grünen und Linken auch so ein Theater machen, wenn es sich um einen deutschen Staatsbürger handelte? Wohl kaum.

13.10.2017 09:35 Hippiehooligan 1

Eins von vielen Urteilen, mit dem Fehlverhalten von Polizisten vertuscht und gleichzeitig der braune Mob bestärkt werden soll. Deutschland ist wieder ein Traumland für jeden Rechtsextremisten und Rassisten geworden...