Portrait von MDR-Reporterin Isabell Hartung
Bildrechte: MDR/Kan Nozawa

MDR-Reporterin gibt Antworten Warum dauert der Mordprozess so lang?

21 Verhandlungstage sind mittlerweile vergangen beim Prozess um den Mord an einer chinesischen Studentin. Doch das Landgericht Dessau-Roßlau hat bereits neue Termine bis Ende Mai vergeben. Warum dauert die Beweisaufnahme so lang? Antworten von MDR-Prozessbeobachterin Isabell Hartung, die jeden Verhandlungstag in Dessau-Roßlau begleitet hat.

Portrait von MDR-Reporterin Isabell Hartung
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Der Prozess dauert mittlerweile schon länger als ein Vierteljahr. Und das, obwohl es kaum noch Zeugen gibt und die Angeklagten auch nichts neues sagen. Warum zieht sich das so hin?

Das wirkt vielleicht von außen so. Aber man darf ja auch nicht vergessen, dass es sich um einen Indizienprozess handelt, also es keine direkten Tatzeugen gibt. Was passiert ist, wissen nur die beiden Tatverdächtigen. Deshalb hatte das Gericht von vornherein Termine bis Ende Mai eingeplant. Der Sprecher am Landgericht Dessau-Roßlau, Frank Straube, sagte mir, dass diese Verfahrensdauer "nicht unüblich" sei. Die Beweisaufnahme nehme in derartigen Fällen erfahrungsgemäß breiteren Raum ein – denn die Angeklagten äußern sich ja nicht oder nur teilweise zum Tatvorwurf. Der Gerichtssprecher sagte aber auch, dass es grundsätzlich denkbar ist, dass nicht alle geplanten Hauptverhandlungstermine benötigt werden. Dann könnte die Beweisaufnahme schon vor dem 30. Mai 2017 abgeschlossen werden.

Immer wieder war ja auch von Ermittlungspannen der Polizei die Rede. Hat sich dadurch die Beweisaufnahme verlängert?

Nein. Die Pannen haben maximal dazu geführt, dass die Ermittlungen nach dem Fund der Leiche im Mai 2016 länger gedauert haben. Denn hätten die Beamten an mancher Stelle damals gleich genauer nachgesehen, wären die beiden heute Angeklagten möglicherweise auch schneller gefunden worden. Da ging es ja zum Beispiel um Blutspuren. Oder wenn nicht nur ein Teil des Materials von Überwachungskameras am Tathaus ausgewertet worden wäre, sondern alles. Dann wären die Ermittlungen möglicherweise schneller gegangen. Direkten Einfluss auf den Prozess und die Dauer des Verfahrens haben diese Dinge aber eben nicht.

Und das Teilgeständnis der Angeklagten Xenia I.? Konnte das die Prozessdauer nicht verkürzen?

Nein, ganz im Gegenteil. Denn sie hatte im Januar Dinge ausgesagt, die erst überprüft werden mussten. Die Richterin und die Staatsanwaltschaft haben also Nachermittlungen angeordnet. Zum Beispiel wurden die Mülltonnen aus dem Tathaus untersucht. Die 21-Jährige hatte ausgesagt, dass das Opfer in einer der Tonnen aus dem Haus geschafft worden sei. Nachdem die Nachermittlungen abgeschlossen waren, mussten Polizisten als Zeugen dazu vor Gericht aussagen. Auch so etwas wurde in die zusätzlichen Verhandlungstage mit eingerechnet. Man weiß halt nie, was passiert in einem solchen Prozess.

Heute, am 13. März, dauerte der Prozess aber nur 40 Minuten. Woran lag das?

Diesmal hatte das organisatorische Gründe. Am Landgericht Dessau-Roßlau laufen ja neben dem Mordprozess auch noch ganz viele andere Verfahren. Und die Richterin ist nicht nur in diesem Prozess die Vorsitzende. Es gab Überschneidungen. Die wurden vorher angekündigt. Aber nicht alle Verhandlungstage sind so kurz. Wenn zum Beispiel mehrere Zeugen aussagen, dauert das mitunter Stunden. Das ist auch so, wenn Gutachten vorgestellt werden. Ich erinnere mich an das DNA-Gutachten einer Expertin vom Landeskriminalamt. Dieses vorzustellen hat fast fünf Stunden in Anspruch genommen.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13.03.2017 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2017, 16:45 Uhr