Mehrere Menschen in überwiegend schwarzer Kleidung sitzen und stehen hinter einem langen Tisch. Zwei Personen halten Aktenordner vors Gesicht.
Bildrechte: MDR/Isabell Hartung

Kommentar zum Urteil "Ein grausames Verbrechen hinterlässt nur Verlierer"

Monatelang würdigte die Strafkammer Beweismittel und hörte Zeugenaussagen. Nun fällte das Gericht sein Urteil: Lebenslänglich für Sebastian F. Ein durchaus mutiges Urteil, findet MDR-SACHSEN-ANHALT-Reporter André Damm.

von André Damm, MDR SACHSEN-ANHALT

Mehrere Menschen in überwiegend schwarzer Kleidung sitzen und stehen hinter einem langen Tisch. Zwei Personen halten Aktenordner vors Gesicht.
Bildrechte: MDR/Isabell Hartung

Die Strafkammer des Dessauer Landgerichtes hat sich für die Höchststrafe entschieden. Sebastian F. muss wegen Mordes eine lebenslange Freiheitstrafe absitzen, die mindestens 15, wahrscheinlich aber 20 oder 25 Jahre beträgt. Denn das Gericht hat auch die besondere Schwere der Schuld festgestellt.

Das war durchaus ein mutiger Richterspruch. Nicht, weil Fragen zum Tathergang offen blieben, sondern weil der 21-jährige Dessauer streng genommen die Tötung der Chinesin nicht vollendet hat. Er hat die junge Frau misshandelt, brutal vergewaltigt und er hat auf bestialische Weise versucht, sie zu töten, aber: Er hat es nicht geschafft. Stattdessen entsorgte er sein sterbendes Opfer wie Müll.

Ist das Mord? Ja, sagt die Richterin und verweist auf die Tötungsabsicht, um die vorausgegangene Vergewaltigung zu verdecken. Nein, sagen die Verteidiger und beziehen sich darauf, dass es zur finalen Tat nicht gekommen ist. Aufgrund dieser Gemengelage gehe ich fest davon aus, dass die Verteidigung Revision einlegen und den Bundesgerichtshof anrufen wird.

"Wie in einem billigen, schmierigen Film"

Unabhängig davon wird das grausame Verbrechen an der chinesischen Studentin nur Verlierer zurücklassen. Die Eltern des Opfers haben ihr einziges Kind verloren, ein unbeschreiblich schmerzhafter Verlust, der sich durch nichts ersetzen lässt. Dann die Mitangeklagte – selbst Mutter zweier kleiner Kinder. Sie wandert für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis.

Denken wir an die Eltern des Angeklagten, die bei der Polizei einflussreiche Posten einnehmen und um ihren Ruf fürchten. Und die mit dem Fakt umgehen müssen, als Eltern eines Mörders eine Menge falsch gemacht zu haben. Nicht zuletzt gehört auch die Dessauer Polizei zu den Verlierern des Falls. Immer wieder ließen die Beamten durch Ermittlungspannen aufhorchen. Nichts gelernt aus Fehlern der Vergangenheit, könnte man meinen.

Die zentrale Frage ist aber: Warum ist das Ganze passiert? Wie konnte es geschehen, dass ein junges Paar solch eine abscheuliche Straftat verübt. Die Antwort ist so banal wie traurig: Weil ein Paar extreme Sexphantasien hatte, sich mit Internet-Pornos stimulierte und an einer Unschuldigen verging. Triebbefriedigung wie in einem billigen, schmierigen Film. Eine fremde Welt, mitten in Dessau.

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Das Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04.08.2017 | 10:00 Uhr

Quelle: MDR/mg

Zuletzt aktualisiert: 04. August 2017, 17:19 Uhr

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4 Kommentare

06.08.2017 09:52 Barbara D. 4

Herr Lorenz sie haben vollkommen Recht , Der armen Täter -Verlierer. Die Eltern haben ihr einziges Kind verloren . Haben viel investiert , damit sie diese Ausbildung machen kann und wird reden hier von Verlierer.Ich schreibe das was mir mehrere ,ich betone mehrere Personen gesagt haben . Ausliefern nach China , da wäre das Problem schon lange erledigt und er wird uns als Steuerzahler nicht auf die Tasche liegen . Ob sie das nun freigeben ist mir so was von egal . Wenn ich das noch lese , er geht in die Berufung ,das kann ich nur spucken !!! Der soll die Beine stillhalten , es findet sich immer jemand der den ersten Stein schmeißt .

05.08.2017 09:53 eiermeiner 3

@ Sachsen-Anhalter ... wenn nur irgend etwas von dem wirklich bewiesen wäre, da hilft uns die Phrase "Nicht, weil Fragen zum Tathergang offen blieben" herzlich wenig.

05.08.2017 08:22 Christian Lorenz 2

Werter Herr Damm, wenn ich Ihren Kommentar lese, wird mir bange! Da wird schon wieder an all die armen Verlierer gedacht. Verloren haben nur die chinesische Studentin und Ihre Eltern, die so etwas jetzt lesen müssen! Der Rest, wurde Gott sei Dank, hart bestraft. Endlich mal ein nachvollziehbares Urteil. Wer während dann noch die Frechheit besitzt, in dieser Zeit ein Gartenlokal zu eröffnen, braucht sich wohl um seinen Ruf nicht zu sorgen! Über Konsequenzen bei staatlichen Behörden lohnt es sich eh nicht zu schreiben, da ja bekanntlich " eine Krähe der Anderen kein Auge aushackt ".Alles in allem, wäre es für mich nicht nachvollziehbar, wenn das Urteil kassiert und es eine mildere Strafe geben würde. Wer einem anderen Menschen so etwas antut, muss dann auch mit dem Urteil Leben. Wie gesagt, verloren haben nur die chinesische Studentin und Ihre Eltern!

04.08.2017 18:25 Sachsen-Anhalter 1

Auch wenn ich nur ein juristischer Laie bin: Die Argumentation der Verteidigung, dass der Täter die Tötung des Opfers nicht gleich geschafft hat und es dadurch kein Mord ist, finde ich abenteuerlich. Dass er sein Opfer damit noch lange hat leiden lassen, beweist eher eine besonders grausame Begehung der Tat - und das ist ein ganz klares Mordmerkmal, ebenso wie die eindeutige Absicht des Mordes zur Verdeckung einer anderen Straftat. Ich hoffe inständig, dass die Revision keinen Erfolg hat.