Ein Rentner trägt einen wilden Schwan
Frank Emmrich hat ein Händchen für Tiere. Auch kranke Wildtiere vertrauen ihm. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Welttierschutztag Leben für kranke Tiere

Das Ehepaar Hansi und Frank Emmrich betreibt seit mehr als 30 Jahren ehrenamtlich einen Gnadenhof in Bad Schmiedeberg. Die Rentner nehmen sich allem an, was Pfoten, Hufe oder Flügel hat. Doch das wird immer schwieriger für sie.

Ein Rentner trägt einen wilden Schwan
Frank Emmrich hat ein Händchen für Tiere. Auch kranke Wildtiere vertrauen ihm. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Jocki hatte einen Schlaganfall. Der grau-rote Papagei hält sich mit seinem Schnabel am Gitter fest und scheint nicht so recht zu wissen, wie er wieder auf den Boden kommen soll. Fliegen war einmal, auch sprechen klappt nicht mehr. Frank Emmrich, 78 Jahre, ist nur ein paar Jahre älter als der Papagei, den er jetzt vorsichtig vom Gitter auf seine Hand nimmt. "Er kann nicht mehr pfeifen", sagt der Rentner bedauernd. "Aber wir hätten eigentlich nicht gedacht, dass er wieder einigermaßen wird." Vorsichtig setzt er ihn auf den Boden zum Wassernapf.

Hinter jedem Tier steckt eine andere Geschichte.

Hansi Emmrich
Ein älterer Mann tätschelt einen Papageien
Papagei Jocki hatte einen Schlaganfall. Bei den Emmrichs kann er seinen Lebensabend verbringen. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Frank und Hansi Emmrich betreiben in Bad Schmiedeberg seit mehr als 30 Jahren einen Gnadenhof. Noch vor der Wende waren sie aus Leipzig hierher gezogen, damit sie sich um noch mehr Tiere kümmern können. "Es gibt viel Elend", sagt Hansi Emmrich. Die 68-Jährige und ihr Mann widmen ihre ganze Zeit und Kraft Tieren, die von ihren Besitzern ausgesetzt oder misshandelt wurden. "Hinter jedem Tier steckt eine andere Geschichte", erzählt Hansi Emmrich. Sie kennt jede einzelne. Die, von der verstorbenen Tierfreundin, deren vier Katzen bei ihnen Unterschlupf gefunden haben oder die der vernachlässigten Schildkröte, in deren Bauch sich schon dutzende Maden gefressen hatten.

Eine Schildkröte genießt die Sonne
Immer wieder werden bei den Emmrichs Schildkröten ausgesetzt. Die beiden Rentner nehmen sie auf und pflegen sie gesund. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Auf dem Grundstück der Emmrichs stehen große Käfige, Körbchen, Hütten und vieles mehr. Es ist ein wahres Tierparadies. Doch das wissen auch Leute, die ihr Tier nicht mehr wollen: Sie werfen es nachts über den Zaun oder binden es an. Die Emmrichs kümmern sich dann. Tierleid können sie nicht ertragen. "Jetzt sagte jemand zu mir: 'Du kannst nicht so großzügig sein, die nehmen dich aus'", erzählt Frank Emmrich. "Aber ich weiß auch nicht, meine Frau ist genauso, wir sind nun mal so und können nicht anders."

Bildergalerie Der Gnadenhof der Emmrichs

Ehepaar Emmrich betreibt in Bad Schmiedeberg einen Gnadenhof. Die Rentner kümmern sich rührend und dabei kompetent um alte bzw. ausgesetzte Tiere. Sie selbst bleiben dabei manchmal auf der Strecke.

Buntes Schild mit der Aufschrift 'Gnadenhof Emmrich'
Der Gnadenhof der Emmrichs befindet sich auf ihrem Grundstück in Bad Schmiedeberg. Um und in ihrem Haus leben viele Tiere, die keiner mehr will. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Buntes Schild mit der Aufschrift 'Gnadenhof Emmrich'
Der Gnadenhof der Emmrichs befindet sich auf ihrem Grundstück in Bad Schmiedeberg. Um und in ihrem Haus leben viele Tiere, die keiner mehr will. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Ein Mann und eine Frau kümmern sich um einen Hund
Hansi Emmrich lindert die Schmerzen dieses blinden Hundes mit Augensalbe. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Katzen in einem gemütlichen Außengehege
Das Ehepaar hat für Katzen ein wahres Paradies geschaffen. Die Samtpfoten sind Hansi Emmrich ein besonderes Anliegen. Sie wünscht sich, dass jeder sein Tier kastrieren lässt, damit weniger wildlebende Katzen geboren werden und es nicht mehr so viel Leid unter ihnen gibt. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Eine struppige, alte Katze liegt in der Sonne
Dieser alten Katze wollte schon mehrfach jemand ein neues Zuhause geben. Doch das Tier will nicht mehr weg von den Emmrichs: Es versteckte sich jedes Mal so lange, bis die Besucher gegangen waren. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Viele Schildkröten in einem kleinen Haus
Die Stromrechnung für die Tiere ist enorm, auch wegen der wärmeliebenden Schildkröten. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Ein Tierarzt steht in seiner Praxis
Außerdem geben die Emmrichs viel Geld für Tierarztrechnungen aus, mehrere tausend Euro im Monat. Zum Tierarzt ihres Vertrauens, Dr. Falko Pötzsch, fahren sie schon seit Jahren. Er sagt beeindruckt: "Es ist schon ein sehr intensives Engagement, was sie an den Tag legen." Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Ein älterer Mann mit Brille
Viel Zeit für Schlaf bleibt da nicht. "Ich habe das Glück, ich bin ein Kurzschläfer", sagt Frank Emmrich. "Ich schlafe höchstens fünf Stunden." Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Ein weißes Häuschen mit einem Stall
So kann er auf diesem Grundstück, nicht weit von ihrem zu Hause entfernt, für noch mehr Tiere sorgen. Pferde, Esel, Hunde und Katzen leben hier. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Ein altes Pony
Pony Mary bekommt von dem Rentner immer eine Sonderbehandlung. Sie ist 44 Jahre alt und hat keine Zähne mehr. Deshalb darf sie Müsli fressen. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Toastbrot in einer Kiste
Vom nahen Netto-Markt holt Frank Emmrich oft Brot, das sich dem Verfallsdatum nähert. Die Spende kann er an die Tiere verfüttern. Die Tafel wolle das Brot nicht, da sie für zu wenig Brot zu weit fahren müsste. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Eine Tür mit Katzenklappe
Die Emmrichs gehen auch mit der Zeit: Durch diese Katzenklappe kommen nur ihre gechipten Tiere ins Haus. Ein Dachs oder gar ein Fuchs hat so keine Chance. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Eine Frau zeigt auf eine Katze
Die meisten Katzen leben aber im Freien – und hinter jeder steckt ein Schicksal. Der Besitzer dieser Katze hat sich erhangen. Sie ist noch nicht alt und wartet auf einen Tierfreund, der sie mit zu sich nach Hause nimmt. Denn jeden Platz, der frei wird, können die Emmrichs mit einem anderen bedürftigen Tier füllen. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
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7.000 Euro für den Tierarzt

Zu DDR-Zeiten waren sie als Artisten erfolgreich, hatten auch Auftritte in den USA. "Da haben wir sehr gut verdient", sagt Frank Emmrich. Geld, das sie in den Tierschutz stecken konnten. Doch in den 90er-Jahren funktionierte das nicht mehr, sie mussten eine andere Lösung finden und gründeten einen Verein. Der lebt von ihrem ehrenamtlichen Engagement und von Spenden. Allein die Stromrechnung für die Tiere beträgt heute mehr als 1.000 Euro im Monat. Dazu kommen Tierarztkosten, teilweise von 5.000 bis 7.000 Euro. Um Geld einzusammeln, ist der 78-Jährige Frank Emmrich als Clown, Weihnachtsmann oder DJ unterwegs. "Ich kann auch zaubern, ich jongliere, ich kann stundenlang erzählen", versichert er lachend. Das alles sei auch wichtig, da die Leute ihr Geld immer mehr zusammen halten würden. So viel wie früher würde nicht mehr gespendet, dabei komme jeder Euro ausschließlich den Tieren zu Gute.

Eine Frau hat einen Hund auf dem Arm
Hansi Emmrich liebt Tiere und kann es nicht ertragen, wenn eines leidet. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla

Die Emmrichs werden dazu auch nicht jünger. Spätestens am Abend merkt Frank Emmrich, dass er keine 50 mehr ist. "Manchmal, da wanke ich, wenn ich die Wassereimer für die Pferde schleppe. Und dann denke ich: 'Meine Güte'." Denn beim Nachbarn sei um die Zeit nur noch im Schlafzimmer Licht. "Und unsereiner würscht noch ehrenamtlich durch die Gegend." Doch er nimmt es sportlich, sieht jedes Säubern der Katzentoiletten oder Tragen von Futter als Training für Muskeln und Knochen. Wie lange das Ehepaar noch von früh bis spät für kranke Tiere sorgen kann, weiß es nicht. "Das weiß der liebe Gott. Ich hoffe, so lange wie möglich", sagt Hansi Emmrich. "Bis wir 105 sind", wirft ihr Mann ein. "Und selbst wenn wir kriechen, irgendwas geht immer", ergänzt seine Frau, "muss ja".

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Dieses Thema im Programm: MDR UM 4 | 02.10.2017 | 16:00 Uhr

Quelle: MDR/lk

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2017, 08:45 Uhr

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6 Kommentare

05.10.2017 11:33 Nicole Frost 6

Es müsste viel viel mehr solche Menschen geben ganz großen Respekt an die zwei schade das es nicht in der Nähe bei mir ist würde ihnen gern miz zur Hand gehen.

05.10.2017 06:57 Jan 5

Toll, dass sich Menschen so um die Tiere kümmern.
Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg, Kraft und viele Unterstützer

04.10.2017 17:11 Maria Klampäckel 4

Lese gerade, dass in einem Kommentar nach der Spenden-Möglichkeit gefragt wird: Im Text wird vom Verein informiert und verlinkt zur Seite des Vereins Gnadenhof Emmirch e.V.


Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT: Leider müssen wir Fremdlinks löschen.

04.10.2017 14:41 Hannchen 3

Alle Achtung und im Namen Ihrer Tiere dickes Dankeschön.

04.10.2017 11:23 sanne 2

1001 Danke an Herr und Frau Emmrich, sie Zwei müssten einen Verdienstorden bekommen für so viel Tierschutzengagement...meine Hochachtung. Ich habe selbst 2 Katzen und ich kann mir nicht annährend vorstellen, was sie jeden Tag leisten um die Tiere zu versorgen. Ich hoffe, der liebe Gott schenkt Ihnen noch lange und viel Gesundheit, dass sie Ihre aufgabe fürs Leben weiter durchführen können. Ich finde es großartig, wenn sich Menschen so hilflosen, kranken, ausgesetzten Tieren annimmt. Wo kann man für sie spenden?mit lieben Grüßen und alles Gute für Ihr Projekt...

04.10.2017 10:50 Magdeburger 1

Mein Respekt und Anerkennung! Auf noch viele Jahre dem Tierschutz zu Liebe!