Erneutes Ansiedeln 20.000 Lachse für die Nuthe

Um die Population von Lachsen zu erhalten, wurden am Mittwoch 20.000 junge Fische in die Nuthe bei Zerbst ausgesetzt. Die Lachse werden im kommenden Frühjahr bis nach Grönland schwimmen, um dann im besten Fall wieder zurück nach Sachsen-Anhalt zu kommen. Die Aktion läuft bereits seit 2009 und zeigt erste Erfolge.

von Martin Krause, MDR SACHSEN-ANHALT

Vorsichtig setzt Gerhard Wurche einen Kescher voller kleiner Lachse in die Nuthe. Doch die Fische machen sich nicht sofort auf und davon: "Die brauchen erst mal eine halbe Stunde zur Akklimatisierung. Dann kommen die Gange und verteilen sich hier", erklärt der erfahrene Angler. Heute geht es für ihn und seine Vereinskameraden vom Zerbster Anglerverein aber nicht darum, Fische aus der Nuthe zu holen, sondern umgekehrt: 20.000 kleine Lachse setzen die Angler unter Anleitung des Landesfischereiverbandes aus.

Die Fische werden mit einem LKW aus Dänemark angeliefert.  "Die dänischen Kollegen befassen sich schon seit gut 30 Jahren mit der Lachszucht", sagt Steffen Zahn, der das Wiederansiedlungsprojekt leitet und für das Institut für Binnenfischerei in Potsdam arbeitet. Die Jungfische müssen so aufwändig mit dem Laster heran geschafft werden, denn "der ursprüngliche Elblachs ist schon vor gut 100 Jahren ausgestorben", sagt er.

Wiederansiedlungsprojekt Lachse werden in der Nuthe ausgesetzt

Um die Population von Lachsen zu erhalten, wurden am Mittwoch 20.000 junge Fische in die Nuthe bei Zerbst ausgesetzt. Die Aktion der Wiederansiedelung läuft bereits seit 2009 und zeigt erste Erfolge.

Ein Mann transportiert Fische in einem Kescher zu einem Fluss.
In Zerbst im Kreis Anhalt-Bitterfeld sind am Mittwochmorgen 20.000 Junglachse in die Nuthe eingesetzt worden. In dem Fluss sollen sie sich wieder ansiedeln. Bildrechte: MDR/Martin Krause
Ein Mann transportiert Fische in einem Kescher zu einem Fluss.
In Zerbst im Kreis Anhalt-Bitterfeld sind am Mittwochmorgen 20.000 Junglachse in die Nuthe eingesetzt worden. In dem Fluss sollen sie sich wieder ansiedeln. Bildrechte: MDR/Martin Krause
Junge Lachse in einem Netz.
In den kommenden Monaten bleiben sie in der Nuthe und überwintern dort. Danach schwimmen sie über die Elbe in Richtung Norden bis nach Grönland. Im Idealfall kehren sie wieder nach Sachsen-Anhalt zurück. Bildrechte: MDR/Martin Krause
Ein Mann steht auf einem LKW, welcher mit weißen Boxen beladen ist.
Die Lachse stammen aus Dänemark und wurden mit dem LKW nach Zerbst transportiert. Bildrechte: MDR/Martin Krause
Eine Box voller Fische.
Die Fische sind ein halbes Jahr alt und zwischen sechs und zwölf Zentimeter groß. Bildrechte: MDR/Martin Krause
Ein Mann schaut in eine Box, in der kleine, schwarze Fische schwimmen.
Seit 2009 setzt der Landesfischereiverband zweimal im Jahr Lachse aus - und das mit Erfolg. In den vergangenen Jahren wurden bereits ausgewachsene Lachse in der Nuthe gesehen. Bildrechte: MDR/Martin Krause
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Die Lachse stammen also aus Dänemark, sind ein halbes Jahr alt und zwischen sechs und zwölf Zentimeter groß. Alle hoffen, dass sich die Fische in der Nuthe wieder ansiedeln. Den Winter zumindest werden sie sicher in dem kleinen Fluss verbringen: Erst im Frühjahr werden die Fische, von ihrem Instinkt getrieben, flussabwärts ziehen. Steffen Zahn schildert: "Um richtig groß und schwer zu werden, müssen sie im Meer auf Jagd gehen und dort den Heringen nachjagen."

Bis nach Grönland werden einige der Tiere wandern – und dabei vor allen Dingen Futter jagen, aber auch selbst gejagt werden. Im Idealfall kommt ein kleiner Teil zurück in die Nuthe, um hier zu laichen. "Dann drücken wir die Daumen, dass fünf Prozent durchkommen", meint Angler Gerhard Wurche.

Systematische Wiederansiedelung

Seit 2009 setzt der Landesfischereiverband zweimal im Jahr Lachse aus. Inzwischen gibt es erste Erfolge: In den vergangenen Jahren wurden bereits ausgewachsene Lachse in der Nuthe bei Zerbst gesehen. Steffen Zahn freut sich darüber sehr: "Der Lachs gehört hier in unseren Naturraum."

Ein Mann transportiert Fische in einem Kescher zu einem Fluss.
Einsetzen statt rausfischen: Der Zerbster Anglerverein unterstützt das Projekt. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Der Elblachs sei vor einem Jahrhundert durch das Verhalten des Menschen ausgestorben, durch die Begradigung der Flüsse und den Bau von Wehren, meint Zahn. Nun seien die Minilachse ein Sinnbild dafür, "dass wir aus unseren Fehlern gelernt haben."

Wenn die Fische ausgewachsen sind und die Nuthe wieder hinauf schwimmen, dann werden auch die Angler versuchen, den einen oder anderen zu fangen. Gerhard Wurche erzählt, er habe im vergangenen Jahr bei einem Probefischen schon einen 95 Zentimeter langen Lachs erwischt. Bis die jungen Fische so groß seien werden, werden sie aber noch weit, weit schwimmen.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04.10.2017 | 12:30 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT Heute | 04.10.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/rj

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2017, 16:55 Uhr

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