Teilnehmer des Gerichtsprozesses sitzen, teils mit Ordnern vor den Gesichtern, im Gerichtssaal
Die Urteile gegen die beiden Angeklagten sind vergangenen Freitag am Landgericht Dessau gefällt worden. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Staatsanwaltschaft Revision im Dessauer Mordprozess eingelegt

Die Staatsanwaltschaft ficht das am Freitag gefällte Urteil im Dessauer Mordprozess um den grausamen Tod der chinesischen Studentin Yangjie Li an. Auch andere Verfahrensbeteiligte haben angekündigt, Revision einzulegen. Der Hauptangeklagte war zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Seine mitangeklagte Ex-Partnerin erhielt eine Jugendstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten.

Teilnehmer des Gerichtsprozesses sitzen, teils mit Ordnern vor den Gesichtern, im Gerichtssaal
Die Urteile gegen die beiden Angeklagten sind vergangenen Freitag am Landgericht Dessau gefällt worden. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Im Fall der getöteten Studentin Yangjie Li in Dessau wollen mehrere Verfahrensbeteiligte die Urteile anfechten. Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau hat formal Revision eingelegt und wird nun innerhalb eines Monats darüber entscheiden, ob sie diese beim Bundesgerichtshof durchführt. Das teilte die Generalstaatsanwaltschaft am Dienstag mit. Zunächst werde die schriftliche Urteilsbegründung des Dessauer Landgerichts abgewartet.

Auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT teilte auch der Anwalt der Eltern des Opfers, Sven Peitzner, mit, Revision einlegen zu wollen. Peitzner sagte, er strebe bei der Angeklagten eine Verurteilung wegen mittäterschaftlichen Mordes an. Auch die Verteidiger des Hauptangeklagten wollen das Urteil anfechten, wie sie im Anschluss an die Urteilsverkündung mitteilten.

Lebenslange Haftstrafe für Hauptangeklagten

Das Landgericht Dessau-Roßlau hatte am Freitag in dem neun Monate andauernden Prozess die Urteile gesprochen. Der Haupttäter – ein 21-jähriger Dessauer – wurde wegen Vergewaltigung und Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht stellte bei ihm auch die besondere Schwere der Schuld fest. Damit kann er nicht nach 15 Jahren auf Bewährung entlassen werden, sondern muss weiter im Gefängnis bleiben. Über die weitere Dauer seiner Haft wird dann entschieden.

Seine mitangeklagte 21 Jahre alte Ex-Freundin bekam wegen sexueller Nötigung eine Jugendstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten. Die Staatsanwaltschaft hatte acht Jahre Haft gefordert. Außerdem müssen beide Schmerzensgeld an die Eltern des Opfers zahlen.

Das Paar hatte die Studentin aus China im Mai 2016 während einer Joggingrunde in Dessau abgefangen und in ein Wohnhaus gelockt. Dort wurde das Opfer vergewaltigt, schwer misshandelt und getötet.

Mehr zum Thema:

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 08.08.2017 | ab 11:00 Uhr

Quelle: MDR/cw

Zuletzt aktualisiert: 08. August 2017, 12:33 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

4 Kommentare

08.08.2017 22:19 otternase 4

@3/Kommentar des MDR

es ist eine "gefühlte Mehrheit". Ob diese "gefühlte Mehrheit" eine echte Mehrheit oder Minderheit darstellt, könnte man nur herausfinden, wenn eine ehrliche, ergebnisoffene Debatte in Politik und Medien über das Rechtssystem angestossen würde und im Zuge einer nicht parteipolitisch gebundenen Volksabstimmung die tatsächlichen Mehrheiten bestimmt würden.
Leider jedoch ist keine Partei der Mitte derzeit bereit, eine solche Debatte für eine Reform des Rechtssystems zu ermöglichen, keine Partei der Mitte ist bereit, mehr direkte Demokratie und direkte Abstimmungen auf Bundesebene zuzulassen!
Und daher werden wir nie genau rausfinden, wo die Mehrheit steht. Fakt ist jedoch, dass bestimmte Aspekte der Rechtsprechung, beispielsweise die Tatsache, dass die Anwendung von Jugendstrafrecht bei 18-21 jährigen nicht die absolute Ausnahme für spezielle Spätentwickler, sondern eher die Regel darstellt, bei sehr vielen Menschen auf Unverständnis stossen...

08.08.2017 19:19 konstanze 3

es ist nicht hinzunehmen, dass im namen des volkes recht gesprochen wird, das von der mehrheit des volkes nicht als recht empfunden wird. den ewigen relativierer sei gesagt: es gibt in keinem gesetz einen paragraphen, der vorschreibt, dass das gesetz nicht geändert werden kann. man muss alles nur wollen. herrn peitzner wünsche ich viel erfolg.

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Wie haben Sie diese Mehrheit bestimmt?

08.08.2017 16:02 mattotaupa 2

@#1: die namensnennung ist eine ehrerbietung. so ist es eben nicht "irgendeine chinesische studentin", sondern yangjie li. für die täter finde ich aber das konzept der ächtung per damnatio memoriae interessant. niemand sollte namen von mördern oder attentätern jemals wieder aussprechen oder schreiben. opfer ehren, der tat gedenken aber täter ächten (und nicht bauchpinseln).

08.08.2017 14:49 Insider 1

Warum wird in diesem Artikel (wie leider auch in einigen anderen zum gleichen Thema) das Mordopfer bei vollem Namen genannt? Wie steht es mit der Wahrung der Persönlichkeitsrechte? Oder gilt dieser Anspruch für ausländische Mitbürger nicht?

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT: Zu Beginn des Prozesses haben wir den Namen des Opfers nicht genannt. Das wir ihn jetzt vollständig nennen, geschieht auf ausdrücklichen Wunsch der Eltern.