Ein Foto und Blumen liegen zum Gedenken an Oury Jalloh am Donnerstag (07.01.2010) vor einer Polizeistation in Dessau-Roßlau.
Der Mann aus Sierra Leone verbrannte 2005 in einer Dessauer Polizeizelle. Bildrechte: dpa

Feuertod in Dessauer Polizeizelle Neue Details im Fall Oury Jalloh

Aus den Ermittlungsakten im Fall des verstorbenen Asylbewerbers Oury Jalloh sind neue Einzelheiten veröffentlicht worden. Nach Informationen der Mitteldeutschen Zeitung hält der frühere leitende Oberstaatsanwalt Bittmann eine Vertuschungstat durch Polizisten für möglich. Das geht aus einem Aktenvermerk aus dem April 2017 hervor. Diese Akten dürfen nun auch Landtagsabgeordnete einsehen. Im Oktober wurden die Ermittlungen zu dem Fall eingestellt.

Ein Foto und Blumen liegen zum Gedenken an Oury Jalloh am Donnerstag (07.01.2010) vor einer Polizeistation in Dessau-Roßlau.
Der Mann aus Sierra Leone verbrannte 2005 in einer Dessauer Polizeizelle. Bildrechte: dpa

Im Fall des verbrannten Asylbewerbers Oury Jalloh sind neue Details aus den Ermittlungsakten bekannt geworden. Die "Mitteldeutsche Zeitung" berichtet über einen Aktenvermerk vom April 2017, wonach der Dessauer Oberstaatsanwalt Folker Bittmann eine Vertuschungstat von Polizisten für möglich hält. So könnten Beamte den Häftling angezündet haben, um zuvor zugefügte Verletzungen zu vertuschen. Ebenfalls hätten Ermittlungen zu zwei früheren Todesfällen im Umfeld der Dessauer Polizei verhindert werden sollen, heißt es in dem Bericht weiter.

Auch politisch soll der Fall neu aufgerollt werden. Am Mittwoch gab Regierungssprecher Matthias Schuppe bekannt, dass Landtagsabgeordnete die Ermittlungsakten einsehen dürfen. Aus Sicht der Fraktion "Die Linke" war nach einem Bericht des ARD-Magazin "Monitor" eine erneute Debatte nötig geworden. Die Nachricht, wonach der langjährige leitende Dessauer Staatsanwalt Bittmann im April einen Mord an Jalloh für wahrscheinlich hielt, sei für die Öffentlichkeit neu gewesen. Ende November hatte das Parlament nach einer langen Debatte die Akteneinsicht gefordert.

Auch mehr als 12 Jahre nach dem Tod des Mannes aus Sierra Leone ist weiterhin unklar, was genau in der Dessauer Polizeizelle geschah. Im Oktober hatte die Staatsanwaltschaft Halle die Ermittlungen zum Verbrennungstod des Asylbewerbers Oury Jalloh eingestellt. Zur Begründung hieß es, dass es keine ausreichenden Anhaltspunkte für eine Beteiligung Dritter beim Ausbruch des Feuers gebe. Oberstaatsanwältin Heike Geyer sagte, eine weitere Aufklärung sei nicht zu erwarten.

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Quelle: MDR/sp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07. Dezember 2017 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2017, 10:02 Uhr

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61 Kommentare

09.12.2017 14:33 augu 61

Nur wenn mit nahezu 100% Wahrscheinlichkeit durch neue Begutachtung ausgeschlossen werden kann, dass O.Jalloh sich selbst angezündet hat, wird das Gerichtsverfahren neu aufgenommen. Besteht aber eine sehr kleine Wahrscheinlichkeit, dass er sich tatsächlich selbst angezündet hat, gibt es keinen Strafprozess gegen die beteiligten Polizeibeamten, weil dieser keine Aussicht auf Erfolg hätte, denn es heißt" im Zweifel für den Angeklagten".
Im Klartext: wenn einmal über den Fall entschieden , reicht es nicht, wenn es viele Indizien gibt ,dass sich der Vorfall anders abgespielt hat, als im alten Prozess angenommen. Eine damals angenommene entscheidende Tatsache muss durch neue Begutachtung sich als "unmöglich" erweisen, sonst gibt es kein Neubefassen eines Gerichts mit dem Vorfall.
Grundsätzlich ist diese hohe Hürde gegen die Wiederaufnahme eines Gerichtsverfahren vielleicht berechtigt, im vorliegendem Fall habe ich damit aber arge Bauchschmerzen.

09.12.2017 12:16 Kritischer Bürger 60

@58: Nun nehme man noch dazu; wie tief und verwurzelt der Glaube bei solchen Menschen eines anderen Kontinentes ist. Vergleiche es mit der heutigen Zeit und der Stellenwert des Glaubens in unserem Land D dann kommt man sicherlich auch selbst darauf was so manche "anstellen" um sich religiös nicht zu schaden! War in Europa im Mittelalter wohl gang und gebe wo NUR DIE KIRCHE das zu sagen hatte was die Menschen dieser Zeit befolgen sollten. In einigen Kontinenten ist eine solche Glaubensbefolgung heute noch wichtiger als Schule und Alphabet zu lernen! Würde jetzt noch auf Beschränktheit von Menschen mit entsprechenden Voraussetzungen im Vergleich zu hiesigen (in D) gut gebildeten Großteil mit anführen, doch das würde zu weit gehen!

09.12.2017 09:16 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 59

Zitat 58:
***Wie wäre es mit dem Glauben selbst im Rausch: Habe zwei Frauen belästigt. Bin daher in eine Zelle verwahrt worden was ja nun meinem Stolz als Mensch auf das schlimmste verletzt und daher ist ein "Freitot" (so würde man es als Deutscher sagen) zum Einen =Sühne=, zum Anderen eine =Erlösung= da man ja damit rechnen musste nach solcher (nur mal Alkohol) Abhängigkeit in der Heimat als Aussetziger angesehen wird.***

Da müßte man als 'Deutscher' schon fast "Chapeau!" sagen! Wenn ich sage: "Mensch, gestern wieder ordentlich einen gebrannt und dann saßen da zwei schnuckelige Häschen...", wird man doch enttäuscht als 'Loser' abgestempelt, wenn man den Satz mit einem "... und dann bin ich halt (allein!) nach Hause gegangen und habe mich schlafen gelegt, weil ich ja heute früh wieder pünktlich auf Arbeit erscheinen wollte." abschließt.

Ein 'lustiges Anquatschen' auf 2 Promille kann von der Gegenseite durchaus als 'Belästigung' wahrgenommen werden.

08.12.2017 20:30 Kritischer Bürger 58

@Glaub Würdig 57: Kann aber auch anders ausgelegt werden. Wie wäre es mit dem Glauben selbst im Rausch: Habe zwei Frauen belästigt. Bin daher in eine Zelle verwahrt worden was ja nun meinem Stolz als Mensch auf das schlimmste verletzt und daher ist ein "Freitot" (so würde man es als Deutscher sagen) zum Einen =Sühne=, zum Anderen eine =Erlösung= da man ja damit rechnen musste nach solcher (nur mal Alkohol) Abhängigkeit in der Heimat als Aussetziger angesehen wird. Wie wäre es damit? Kann sein muss jedoch nicht!

08.12.2017 12:57 Glaub Würdig 57

Ich hatte in den letzten Tagen 20 Bekannte gefragt, was sie machen würden, wenn sie in einen Polizeiarrest gesteckt werden.

Ohne Ausnahme haben alle genau das Gleiche erzählt:

Zuerst würden Sie sich selbst mehrere schwerste Frakturen im Gesicht zufügen. Danach würde man sich, nunmehr im völlig handlungsunfähigen, bewußtlosen und gefesselten Zustand befindlich mit einem brandresistenten, spurenabweisenden Feuerzeug (zum Glück wurde es bei allen Arrestierten bei der körperlichen Durchsuchung nicht entdeckt) versuchen, selbst anzuzünden. Es klingt ja auch vollkommen logisch und ist der beste Gedanke, wenn man eingeliefert wird.

Oder bringe ich da jetzt etwas durcheinander?

08.12.2017 12:00 Kritischer Bürger 56

+...Der 7. Januar 2005

Oury Jalloh wird in Dessau von der Polizei in Gewahrsam genommen. Vorher soll er Frauen belästigt haben. Außerdem hat er offenbar getrunken und Drogen konsumiert. ...+ Also wer nun hier von Dealer schreibt kennt wohl den Unterschied zwischen (Drogen) Händler und (Drogen) Abhängigen/konsumierenden nicht. Was ist also aus dieser VERMUTUNG (Drogen & Alkohol) GEWORDEN? Was ist aus dem Widerstand gegen Polizei bei der Festnahme geworden? War es so oder war es nicht so? Wenn es so war dann kann man solchen Menschen noch mehr zutrauen im betreffenden (Drogen) Wahn.

08.12.2017 11:41 Kritischer Bürger 55

+...4. September 2014 – Magdeburger Urteil ist rechtskräftig

Der Bundesgerichtshof (BGH) verwirft die Revision. Das Magdeburger Urteil vom 13. Dezember 2012 ist damit rechtskräftig....+ Also was wollen die Initiatoren? ** Was ist eigendlich aus den sgn. Unbekannten Brandstifter gegen das Polizeirevier Dessau geworden? (18.Jan.2012) Haben die Initiatoren da Hilfe geleistet das diese Unbekannten gefasst wurden? ** Hat der Demonstrant, welcher lt. Video auf einen Polizisten einschlug eine Strafe bekommen? *+..Stahlknecht: Vorwurf nicht bestätigt
Stahlknecht versprach zugleich, Vorwürfen nachzugehen, ein Polizist mit Helm habe einen Demonstranten mit einem Stoß gegen den Kopf verletzt. Das werde lückenlos aufgeklärt, sagte der Minister. Er habe sich die Videoaufzeichnungen dazu bereits angesehen. Diese würden den Vorwurf allerdings nicht bestätigten. Sie zeigten vielmehr, wie der betreffende Demonstrant versuche, mit der Faust auf Beamte einzuschlagen. ...+

08.12.2017 10:44 Arne 54

wonach der Dessauer Oberstaatsanwalt Folker Bittmann eine Vertuschungstat von Polizisten für möglich hält. So könnten Beamte den Häftling angezündet haben, um zuvor zugefügte Verletzungen zu vertuschen.

Was den nun "für möglich halten" oder "für wahrscheinlich halten"?
Dass die Linke Hand in Hand mit den linken vom Staatsfunk hier ihre Verschwörungstheorien backen ist nichts Neues

08.12.2017 09:22 klaus 53

Eine Posse sondergleichen...
Unglaublich wie lange hier schon ermittelt wird, ohne Ergebnis. Woran das wohl liegen mag?
Ein Tod, der für jeden Außenstehenden und Laien nach einem Verbrechen schreit ist dennoch nicht zu beweisen und versickert im Sumpf der Justiz. Ein düsteres Bild.

08.12.2017 09:19 Sebastian Buchwald 52

@51
Ob es Ihnen gefällt oder nicht, in einem Rechtsstaat - und ich unterstelle mal wohlwollend, dass sich die Bundesrepublik Deutschland noch als solcher versteht - haben selbst Drogendealer Rechte. Dazu gehört zum Beispiel das Recht, nicht auf einer Gefängnisliege fixiert angezündet zu werden. Gibt es Hinweise, die darauf hindeuten, dass dieses Recht eventuell gebrochen wurde, muss der Rechtsstaat für eine entsprechende Überprüfung sorgen. Ein Demokratieverständnis, das Drogendealern/Migranten/Linken/Rechten/Obdachlosen/etc. derart grundlegende Recht abspricht, halte ich für menschenverachtend und brandgefährlich. Vielleicht sollte man Menschen, mit einem derartigen Verständnis ihrerseits das Wahlrecht absprechen. Aber das wäre natürlich ebenso undemokratisch. Die Kommentarspalten der Medienlandschaft zeigen jedenfalls, dass sich die Kultusministerien endlich mal intensiver mit dem Thema politische Bildung auseinandersetzen sollten. Riesige Defizite werden da deutlich...

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