Vorreiterrolle : Dessau-Roßlau hebt Radwege-Pflicht auf
Die Stadt Dessau-Roßlau will Radfahrern mehr Freiheiten im Straßenverkehr geben. Wie die "Mitteldeutsche Zeitung" berichtet, soll die Pflicht zur Radwege-Benutzung in weiten Teilen des Stadtgebietes wegfallen. Radler dürfen dann trotz eines vorhandenen Radweges auch auf der Straße fahren. Ein Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) sagte der Zeitung, eine solche Regelung werde auch für Halle und Magdeburg angestrebt.
Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts
Grundlage der Dessauer Entscheidung ist ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (BVG) aus dem Jahr 2010. Demnach dürfen Radfahrer nur dann zur Benutzung von Radwegen verpflichtet werden, wenn eine Fahrt auf der Straße besonders gefährlich ist. Nach Ansicht des ADFC sollte jeder Radfahrer selbst entscheiden können, wo er fährt. Man sei nicht grundsätzlich gegen Radwege, jedoch wiesen diese häufig Sicherheitsmängel auf. Zudem werde Radfahrern suggeriert, dass sie auf gesonderten Wegen besonders sicher seien. Tatsächlich führe die räumliche Abtrennung von der Straße aber oft dazu, dass sie von den Autofahrern übersehen würden. Auch Radfahrstreifen auf der Fahrbahn bieten nach Ansicht des ADFC nicht genug Sicherheit, da sich Autofahrer häufig nicht an den nötigen Sicherheitsabstand hielten.
Dessau-Roßlau will jedenfalls bis zum Frühjahr 80 Prozent seines Straßennetzes für Radler freigeben. Die blauen Radwegeschilder, die Radfahrer zur Benutzung dieser Wege verpflichten, sollen dann an den betreffenden Stellen abmontiert werden.
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