Sechs junge Menschen lachen in die Kamera. Sie halten Biergläser in den Händen.
Geschafft und glücklich – sechs Volontäre waren auf dem Weg nach Wittenberg Bildrechte: MDR/Wiebke Schindler

Volo-Blog "Die jungen Pilger" So war die Pilgerreise

Man nehme Zelt, Wanderstiefel und Campingkocher und füge Kamera, Handy, Mikrofon und Ladegerät hinzu. Was dabei rauskommt? Ganz einfach: ein journalistischer Pilgerrucksack. Doch was wäre der ohne motivierte Pilger? Sechs Volontäre waren tagelang auf dem Lutherweg unterwegs.

Sechs junge Menschen lachen in die Kamera. Sie halten Biergläser in den Händen.
Geschafft und glücklich – sechs Volontäre waren auf dem Weg nach Wittenberg Bildrechte: MDR/Wiebke Schindler

Von einer Lutherstadt in die andere

Jana und Martin: "'Pilgern fängt da an, wo guter Sex aufhört.' Das hat uns Pilgerprofi Renate in Halle erzählt und von dem Flow berichtet, den sie beim Pilgern so liebt. Ganz so ekstatisch war unser Pilgern nicht. Das lag sicher auch daran, dass wir eben gerade nicht frei von Terminen waren und es selbst am Lagerfeuer nicht lassen könnten, über das Erlebte zu bloggen. Trotzdem hatten wir Wanderlust-Momente zuhauf: Liebliche Landschaft zwischen Mansfelder Land und Elbauen, hilfsbereite Menschen, die uns oft ein Stück begleiteten, um uns den Weg zu zeigen. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, morgens den Kopf aus dem Zelt zu stecken und in den glitzernden See zu springen.

Zwei junge Menschen vor einer Lutherstatue
Martin und Jana pilgerten von Eisleben nach Wittenberg. Bildrechte: MDR/Jana Münkel

Für fünf Tage waren wir Exoten: kleine, außerirdische Packesel, die Schritt für Schritt durch Sachsen-Anhalt stolperten. Und immer wieder ungläubige Blicke auf sich zogen: 'Von Eisleben? Nach Wittenberg? Zu Fuß?' Pilgern heißt auch, keinen Plan zu haben, was als nächstes passiert. Wir haben uns dieser Idee zwar angenähert, aber eher unfreiwillig: Mehr als einmal mussten wir den Geduldsfaden unserer Interviewpartner strapazieren, sei es, weil wir auf der Suche nach dem verlorenen Internet waren oder überraschende Begegnungen unseren Plan über den Haufen warfen. Gut, dass die Menschen Verständnis hatten, als sie merkten, dass wir unser Ministudio und uns zu Fuß durch Sachsen-Anhalt transportieren. Fazit: Keine Blasen, nur eine Zecke und den Mini-Martin gut von Lutherstadt zu Lutherstadt gebracht. Lag das vielleicht nicht nur an den guten Wünschen der vielen Menschen, sondern auch an dem Pilgersegen, den uns ein Pfarrer – direkt vor'm Altar! – mit auf den Weg gegeben hat?"

Aus Erfurt Richtung Norden

Sabine und Simon: "Raus aus dem Alltag und rein in das Pilgerabenteuer. Ohne Erwartungen sind wir am Mittwoch in Erfurt gestartet. Wir hatten nur leichtes Gepäck dabei, kein Proviant, nur eine Flasche Wasser. Kleinigkeiten haben während des Pilgerns an Bedeutung gewonnen. Wir haben uns sehr gefreut, als uns Obst geschenkt wurde oder unsere Wasserflaschen aufgefüllt wurden.

Im Bildvordergrund ist eine lächelnde blonde Frau zu sehen im Bildhintergrund ein Mann mit Brille. Sie sitzen in einem Boot in einem Fluss. Am Flussrand stehen große grüne Bäume. Die Sonne scheint.
Den weitesten Weg legten Sabine und Simon zurück – sie starteten in Erfurt. Bildrechte: MDR/Sabine Cygan

Wir haben eine Zugfahrt von acht Minuten mehr geschätzt, weil wir zu Fuß für die Strecke zwei Stunden gebraucht hätten. Und weil wir zu Fuß viel langsamer unterwegs waren, hatten wir auch mehr Zeit, unsere Umwelt wahrzunehmen.

Es fiel uns auch leichter, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Wir mussten einfach nur stehen bleiben. Wir haben uns über geschlossene Dorfkneipen unterhalten, über das Pflanzen von Puffbohnen und natürlich auch über das Pilgern. Die  Ankunft in Wittenberg war nach dieser aufregenden Zeit auf dem Weg gar nicht mehr so spektakulär. Würden wir uns noch mal auf die Strecke machen? Ja, auf jeden Fall. Aber beim nächsten Mal lassen wir die Smartphones zu Hause."

Entlang der Elbe von Roßlau nach Wittenberg

Romy und Wiebke: "Vier Tage Pilgern sind vorbei. Atheistinnen sind wir immer noch. Unsportlich auch (obwohl auch ein bisschen stolz darauf, dass wir pilgern auch bei diesen Temperaturen durchgezogen haben). Erleuchtungen gab es auf unserem Weg keine. Blasen an den Füßen schon, aber die waren eher unspektakulär, deswegen verzichten wir an dieser Stelle auf Beweisbilder.

Zwei Frauen lächeln die die Kamera.
Wiebke und Romy machten sich von Magdeburg auf den Weg. Bildrechte: MDR/Wiebke Schindler

Was bleibt also von unserer Reise? Wir haben erlebt, wie offen und hilfsbereit Menschen uns gegenüber waren – und zwar unabhängig von Glaube und Religion. In Dessau waren wir beim 'Anhalt-Mahl', bei dem wir an einer 500 Meter langen Tafel zum Essen und Verweilen bei Einheimischen eingeladen wurden. Übernachten durften wir in Dessau - einfach so und ohne Gegenleistung – bei Familie Peter. Den Crashkurs in Meditation gab es inklusive.

Bei den kleinen und großen Problemen auf Pilgerschaft gab es immer mindestens eine Person, die uns weiterhelfen konnte. Sei es die Frage nach dem Weg, eine leere Wasserflasche, die man uns wieder aufgefüllt hat oder ein freundlicher Autofahrer, der uns die letzten Kilometer der Strecke kurzerhand mitgenommen hat. Und abgesehen von den vielen Menschen, die wir kennenlernt haben und die Geschichten, die uns erzählt wurden, lernt man sich definitiv noch mal völlig neu als Arbeitskollegen kennen, wenn man nicht im Büro, sondern in Wanderschuhen steckt. Großen Dank in die Welt für die wunderbaren Pilgertage!"

Das Volo-Blog zum Nachlesen:

Quelle: MDR/sp, mb

Zuletzt aktualisiert: 29. Mai 2017, 08:35 Uhr

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