Besucher des 36. Evangelischen Kirchentages versammeln zum Festgottesdienst.
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Fazit zum Festwochenende Es war eine gelassene und fröhliche Invasion

"Das war eine Invasion für die Lutherstadt Wittenberg", sagt MDR-Religionsredakteurin Mechthild Baus. Sie zieht ein überaus positives Fazit vom Festwochenende. Nur das Wetter und die langen Wege machten zu schaffen.

Besucher des 36. Evangelischen Kirchentages versammeln zum Festgottesdienst.
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Das Festwochenende in Wittenberg ist Geschichte. Wie ist Dein persönliches Fazit?

Mechthild Baus: Es war ein tolles Wochenende. Es herrschte eine wahnsinnig gute Stimmung. Ich war völlig perplex, wie es die Leute bei der Hitze auf der riesigen Elbwiese ausgehalten haben. Besonders große Bewunderung habe ich für die Blechbläser, die da schon morgens auf der Tribüne saßen und geprobt haben. Am Nachmittag fand ich die Stimmung zauberhaft – auch nach dem Gottesdienst. Das war eine so friedvolle, gelassene, fröhliche Atmosphäre.

Im Vorfeld wurde wild über die zu erwartende Zuschauerzahl spekuliert. Am Ende waren etwa 120.000 Menschen auf der Festwiese. Was sagst du zu der Zahl? Hat dich das überrascht?

Ich war ein bisschen überrascht, dass es mehr als 100.000 Menschen waren. Ich hatte in den Tagen zuvor gezittert, dass die Leute so auf den "Kirchentagen auf dem Weg" beschäftigt sind, dass sie den Weg nach Wittenberg nicht finden. Dass die Leute, die in Berlin waren, sagen, die Hauptstadt reicht uns. Von daher, war es schön, dass es mehr waren.

Ich finde aber auch, die Zahlenspielereien sind nicht alles. Die Zahlen sagen nämlich nicht viel darüber, was die Leute dort erfahren haben. Ich habe dort in sehr viele entspannte und begeisterte Gesichter geblickt. Das ist das wesentliche, was zählt.

Viele Besucher haben direkt nach dem Gottesdienst das Gelände wieder verlassen, sodass am Abend bei den Konzerten die Wiese schon fast leer war. Voran hat das gelegen?

Mechthild Baus
Für MDR-Religionsredakteurin Mechthild Baus hat das heiße Wetter eine große Rolle auf dem Festwochenende gespielt. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Das war ganz klar die Hitze. Der Abfluss der Leute, die von der Wiese wieder runter wollten, setzte schon während der Grußworte auf der Bühne ein. Es wurde zwar Wasser verteilt, ab so etwas schützt dann einfach auch nicht mehr. Schattensegel oder dergleichen spannen, hätte da auch nicht geholfen, denn 120.000 Menschen kann man einfach nicht gegen die Sonne abschirmen. Anderseits hat das tolle Maiwetter natürlich auch dazu beigetragen, dass der Tag so eine tolle Atmosphäre hatte.

Was hat dich besonders beeindruckt?

Interessanterweise hat mich der noch relativ neue Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sehr beeindruckt. Er ist dem Kirchentag ja schon sehr lange verbunden, ist im Krichentagspräsidium. Steinmeier ist evangelischer Christ.

Er hat auf so eine selbstverständliche und ruhige Art über sein Christsein gesprochen. Er hat auch betont, dass es toll ist, dass in diesem Reformationsjahr nicht nur evangelische Christen feiern, sondern auch Katholiken und Orthodoxe dabei sind. Also ein Miteinander der unterschiedlichen Kirchen, was vor 50 Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Das ist ein großer Fortschritt, der der Gesellschaft gut tut.

Kirchentag Reformations-Jubiläum in Bildern

Mit einem Festgottesdient endete in Wittenberg der fünftägige Kirchentag. Zuvor hatte es Kirchentage auf dem Weg in Halle, Magdeburg, Dessau und Eisleben gegeben. Ein Rückblick in Bildern.

Das Anhaltmahl zum Kirchentag auf dem Weg in der Zerbster Straße in Dessau Roßlau
Bildrechte: Evangelische Landeskirche Anhalts
Das Anhaltmahl zum Kirchentag auf dem Weg in der Zerbster Straße in Dessau Roßlau
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Domkantor Gerhard Nötzel leitet seinen Spontanchor.
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Eine Frau sitzt an Bord eines Bootes und hält eine Fackel in die Luft. Hinter ihr folgen mehrere andere Sportboote.
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Transparent mit der Aufschrift - I'like Luthers Thesen -
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Besucher laufen Richtung Ausgang.
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Jugendliche spielen auf einer Wiese mit dem Volleyball
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Zuschauer sitzen vor der Bühne bei der NAcht der Lichter des Kirchentags in Wittenberg
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Auf der Elbwiese in Wittenberg sitzen hunderte Menschen und verfolgen die Nacht der Lichter beim Kirchentag in Wittenberg
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Teilnehmer des 36. Evangelischen Kirchentags versammeln in Wittenberg auf dem Festgelände zum Gottesdienst Nacht der Lichter
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Wittenbergs Superintendent Beuchel auf der Festwiesen-Bühne in Wittenberg
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Brüder von Taizé auf einer Bühne beim Kirchentag in Wittenberg
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Ein Teilnehmer des 36. Evangelischen Kirchentags in Wittenberg betet auf dem Festgelände zum Gottesdienst Nacht der Lichter
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Ein Licht wird an einer Kerze angezündet.
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Eine Bühne leuchtet nacht in rotem Licht.
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Ein Mann und ein Junge sitzen auf einer Decke. Im Hintergrund stehen Dixi-Toiletten.
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Was war nicht so, wie du es dir vorgestellt hast?

Aus Berlin kommend, waren viele Menschen mit Behinderung unterwegs und viele Ältere, die nicht mehr so gut zu Fuß unterwegs sind. Für diese Leute war es sehr schwierig die Wiese zu erreichen. Die Wege waren sehr, sehr lang. Da wäre es besser gewesen, es hätte einen Shuttle-Service gegeben, der sich noch viel intensiver auf diese Personengruppen einstellt.

Im Vorfeld gab es auch Kritik aus der Bevölkerung an der Dimension der Veranstaltung. Auch über die Nachhaltigkeit machten sich viele Gedanken. Kannst du diese Kritik nachvollziehen?

Ich glaube, dieser Gottesdienst ist die beste Image-Kampagne für Sachsen-Anhalt – auch für Wittenberg – die man sich vorstellen kann. Die Stadt hat sich ein ganzes Wochenende als friedlich und unglaublich gastfreundlich präsentiert. Das bedeutet nämlich etwas für eine Stadt, die keine 50.000 Einwohner hat, plötzlich 120.000 Menschen aufzunehmen. In gewisser Weise war das eine Invasion. Da freundlich und gelassen zu bleiben, das hat wunderbar geklappt.

Und all die Leute, die jetzt hier waren, nehmen ein fantastisches Erlebnis mit nachhause. Ich glaube, da kommen auch ganz viele gerne wieder. Abgesehen davon sind in ganz Deutschland diese Bilder eines fröhlichen Glaubensfestes gesehen worden. Das ist etwas, jenseits dessen, was man mit Geld kaufen kann, womit Wittenberg jetzt unglaublich punkten kann.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 29.05.2017 | 05:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 29.05.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/ff

Zuletzt aktualisiert: 29. Mai 2017, 20:53 Uhr

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