Ein Holzkreuz steht auf einem Altar.
Die Gäste in Wittenberg feierten ein großes Fest. Bildrechte: dpa

500 Jahre Reformation Wittenberg erinnert, feiert und schwitzt

Wittenberg war am Sonntag Schauplatz eines der bislang größten Gottesdienste unter freiem Himmel. 120.000 Menschen feierten den Beginn der Reformation vor 500 Jahren. In dem Gottesdienst ging es um die Themen Gerechtigkeit, Frieden und Kampf gegen die Armut. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nannte den Kirchentag einen großen Erfolg.

Ein Holzkreuz steht auf einem Altar.
Die Gäste in Wittenberg feierten ein großes Fest. Bildrechte: dpa

Mit einem großen Gottesdienst unter freiem Himmel hat Wittenberg am Sonntag den Beginn der Reformation vor 500 Jahren gefeiert. 120.000 Menschen versammelten sich auf dem Gelände an der Elbe. Aus ganz Deutschland waren die Gläubigen nach Sachsen-Anhalt gereist.

Mit dem stimmungsvollen Gottesdienst ging auch der fünftägige evangelische Kirchentag zu Ende, der am Mittwoch in Berlin begonnen hatte.

Die Predigt in Wittenberg hielt der südafrikanische Bischof Thabo Makgoba, der Erzbischof von Kapstadt ist. Der Bischof zog eine Linie von Martin Luther über Martin Luther King bis zur Gegenwart. Er rief die Gäste des Kirchentages und vor allem die Jugend zum Kampf für eine bessere Welt auf.

"I have a dream!"

Der Bischof meinte, er habe wie Martin Luther King den Traum, dass eine bessere Welt möglich sei. Von Luther gehe noch immer die Botschaft aus, dass Veränderung möglich sei. Das verstünden in Afrika Millionen Menschen. Die Reformation habe das Zeug dazu, auch die nächsten 500 Jahre als spirituelle Richtschnur zu dienen.

Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au sagte, der Kirchentag habe die Menschen in Bewegung gesetzt. Das solle sich auch auf die Gesellschaft als Ganze auswirken: "Wir sind gegen die Angst vor der Veränderung!"

Steinmeier wirbt für Zusammenarbeit der Konfessionen

Zu den Gästen in Wittenberg gehörte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. In einem Grußwort nannte er den Kirchentag einen großen Erfolg. Er rief zur Zusammenarbeit der Konfessionen auf.

 Reiner Haseloff und Frank-Walter Steinmeier
Haseloff und Steinmeier Bildrechte: dpa

Steinmeier sagte, als Präsident dieses Landes wolle er der Ökumene weiterhin viel Erfolg und gutes Gelingen wünschen, denn der lebendige ökumenische Austausch zwischen den Konfessionen und die enge Zusammenarbeit der Christen tue dem ganzen Land gut.

Ministerpräsident Reiner Haseloff sagte in seinem Grußwort, er freue sich, dass die Wiedervereinigung solch einen Kirchentag in Wittenberg möglich mache. Er dankte den Organisatoren und Helfern für ihren Einsatz.

Luther war nie in Berlin, aber in Wittenberg

Ministerpräsident Reiner Haseloff

Tausende Gäste des Kirchentages hatten die Nacht im Freien auf dem Festgelände verbracht. In Schlafsäcke gehüllt schliefen sie auf dem Gelände. Am frühen Morgen fand eine Andacht statt, mit der die Gäste geweckt wurden.

Publikum sitzt vor Bühne
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aus Berlin trafen am Sonntag fast im Minutentakt Züge ein. Die Deutsche Bahn hatte etwa 100 Sonderzüge eingesetzt. Als die Besucher in Wittenberg eintrafen, mussten sie sich zu Fuß auf den Weg zum Festgelände machen. Dafür benötigten sie bei großer Hitze etwa 45 Minuten. Außerdem trafen in Wittenberg 500 Busse ein.

Die Gläubigen konnten eine extra aufgebaute Pontonbrücke über die Elbe nutzen. Sie wurde am Morgen von der Bundeswehr aufgebaut und in Betrieb genommen.  

3.000 Polizisten sind in Wittenberg im Einsatz. Sie sichern das Festgelände, auch Zufahrtswege in die Altstadt sind abgesperrt. Es handelt sich um den größten Polizeieinsatz in Sachsen-Anhalt in diesem Jahr.

Das Festwochenende war auch der Auftakt zum Reformationssommer, mit dem ebenfalls an den Thesenanschlag Luthers vor 500 Jahren erinnert werden soll. Dazu sind in den kommenden Monaten zahlreiche Veranstaltungen in Wittenberg und anderen Städten geplant.

In Wittenberg hatte Martin Luther im Jahr 1517 seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht, die er der Überlieferung nach am 31. Oktober an die Tür der Schlosskirche nagelte. Der Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der Reformation.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 28.05.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR, dpa/ru

Zuletzt aktualisiert: 28. Mai 2017, 15:20 Uhr

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2 Kommentare

28.05.2017 20:47 konstanze 2

st. entstehung des christentums gab es immer die gegenpole von weltlicher und kirchlicher macht. man bekriegte sich und benutzte einander, bevor man sich im zuge der aufklärung getrennte bereiche zuwies und dies respektierte. und 2017 fängt man wieder an, politikern plattformen auf einem kirchentag zu geben oder selbst politisch einfluss zu nehmen. benutzt man sich jetzt wieder und haben wir die aufklärung hinter uns gelassen ? der dialog zwischen den Religionen ist sehr zu begrüßen. zumal auf diesem kirchentag, wie noch nie zuvor in dieser scharfen form, missstände im Islam angeprangert worden. "Ein kollektives Verdrängen" sei es, zu "behaupten, der Islam habe nichts mit Gewalt zu tun" und in deutschen Moscheen werde gegenüber Kindern und Jugendlichen eine "Pädagogik der Unterwerfung" praktiziert, die der "Vorradikalisierung" diene. (Abdel-Hakam Ourghi) (quelle Welt 26.05.17)

28.05.2017 17:44 Dämon 1

Und endlich geht wieder ein sinnloses "MEGA-EVENT" zu Ende. Luther würde sich im Grabe umdrehen.