Mechthild Baus
Mechthild Baus sagt, das Festwochenende in Wittenberg soll vor allem das Zusammengehörigkeitsgefühl der Protestanten stärken. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

MDR-Religionsexpertin "Es soll ein Fest für alle werden"

Das Festwochenende in Wittenberg steht vor der Tür. Davor werden noch die "Kirchentage auf dem Weg" gefeiert. MDR-Religionsredakteurin Mechthild Baus erwartet ein internationales weltoffenes aber auch politisches Fest. Glaube und Politik – das war auch für Martin Luther persönlich eine enge Verbindung, die ihm nutzte.

von Mechthild Baus, MDR-Religionsredakteurin

Mechthild Baus
Mechthild Baus sagt, das Festwochenende in Wittenberg soll vor allem das Zusammengehörigkeitsgefühl der Protestanten stärken. Bildrechte: MDR/Fabian Frenzel

Es ist das größte Event eines mit Feierlichkeiten ohnehin reich gefüllten Reformationsjahres: zum Festgottesdienst am 28. Mai auf den Wittenberger Elbwiesen werden bis zu 200.000 Besucher erwartet. So viele Menschen wie sonst nie in diesem Jubiläumsjahr 2017 werden sich versammeln, um gemeinsam Luthers Thesenanschlag vor 500 Jahren zu feiern und zugleich einen hoffentlich strahlenden Abschluss des Deutschen Evangelischen Kirchentags in Berlin und Wittenberg sowie der sechs "Kirchentage auf dem Weg" zu erleben.

Doch wenn Martin Luther im 19. und frühen 20. Jahrhundert als deutscher Nationalheld gefeiert wurde, so ist dieses Reformationsfest nun eindeutig international ausgerichtet. So wird beim Abschlussgottesdienst auf den Wittenberger Elbwiesen der südafrikanische Bischof Thabo Makgoba aus Kapstadt predigen. Und zum Auftakt des Kirchentags in Berlin kommt der US-amerikanische Ex-Präsident Barack Obama, um gemeinsam mit Angela Merkel auf einem Podium zu diskutieren. Wahlkampfhilfe für die Bundeskanzlerin, sagen dazu die Kritiker. Glaube und Politik, weltliche Obrigkeit und lutherische Kirchen waren allerdings schon zu Beginn der Reformation eng aufeinander bezogen. Denn die Ideen des rebellischen Wittenberger Mönches konnten nur dank der Unterstützung durch die Landesfürsten ihre weltverändernde Kraft entfalten.

Regionale Kirchentage als Tradition

Evangelische Christen setzten aber auch starke Signale gegen den Staat, etwa im Lutherjahr 1983. Aus Protest gegen die Aufrüstungspolitik wurde damals auf dem Wittenberger Kirchentag ein Schwert zu einer Pflugschar umgeschmiedet. An die Tradition dieser regionalen Kirchentage zu DDR-Zeiten knüpfen nun die "Kirchentage auf dem Weg" an, die vom 25. bis 27. Mai zeitgleich in acht mitteldeutschen Städten stattfinden: in Leipzig, Magdeburg, Erfurt, Jena/Weimar, Halle/Eisleben und Dessau-Roßlau.

Mitteldeutschland als Ursprungsland der Reformation lässt sich hier ebenso erleben wie kulturellen Folgewirkungen der Reformation. So knüpft der "Kirchentag auf dem Weg" in Magdeburg, der sich mit der Digitalen Revolution beschäftigt, an den Ehrentitel der Elbestadt als "des Herrgotts Kanzlei" an: zahlreiche reformatorische Schriften wurden einst in Magdeburg gedruckt und von hier aus verbreitet. Der Leipziger "Kirchentag auf dem Weg" bezieht sich auf die reiche kirchenmusikalische Tradition der Stadt von Thomaskantor Johann Sebastian Bach. Hier finden zahlreiche Konzerte, aber auch das Bläsertreffen zum Reformationsfest statt. Und in Erfurt, wo Martin Luther einst ins Kloster eintrat, wird der Akzent auf Spiritualität und das Gespräch zwischen den Religionen gelegt.

Gemeinschaft stärken und andere einladen

Gerade weil die evangelischen Christen im Ursprungsland der Reformation aber längst zur Minderheit geworden sind, wird in Erfurt auch gefragt, was sie der säkularen Gesellschaft heute zu sagen haben. So soll das große Reformationsfest Ende Mai das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den Protestanten stärken – und gleichzeitig einladend wirken auf andere. Deshalb wird die "Nacht der Lichter" am 27. Mai auf den Wittenberger Elbwiesen auch im ökumenischen Geist gefeiert – mit den Brüdern der Gemeinschaft von Taizé. Und das Konzert zum Abschluss des Elbwiesen-Wochenendes möchte mit Interpreten wie City, Konstantin Wecker oder Bell, Book and Candle auch ein Publikum ansprechen, das sonst nicht so leicht den Weg zur Kirche findet. Ein Fest für alle soll es werden – und zugleich der Auftakt für einen großen Reformationssommer in Wittenberg.

Quelle: MDR/ff

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2017, 13:32 Uhr

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