Richter und Anwälte sitzen hinter einem langen Pult in einem Gerichtssaal
Am Dienstag machten Rechtsmediziner Aussagen zum Tod von Y. Li. Ihre Erkenntnisse sorgten für betroffene Stille im Gerichtssaal. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Reportage zu Mordprozess Dessau Gerichtsmediziner: "Ein langer, sehr qualvoller Tod"

Im Prozess um den gewaltsamen Tod der Chinesin Y. Li in Dessau haben Rechtsmediziner am Dienstag ihr Gutachten vorgelegt. Demnach wurde die 25-Jährige schwer misshandelt, ihr Körper war mit Verletzungen übersät. Martin Krause berichtet aus dem Landgericht.

von Martin Krause, MDR SACHSEN-ANHALT

Richter und Anwälte sitzen hinter einem langen Pult in einem Gerichtssaal
Am Dienstag machten Rechtsmediziner Aussagen zum Tod von Y. Li. Ihre Erkenntnisse sorgten für betroffene Stille im Gerichtssaal. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Eisiges Schweigen in Saal 118 des Dessauer Landgerichts: Mehr als eine halbe Stunde dauern schon die Ausführungen der Rechtsmedizinerin. Sie listet die Verletzungen an der Leiche auf. Die junge Chinesin muss in der Tatnacht Fürchterliches durchgemacht haben. Sie wurde massiv geschlagen, minutenlang gewürgt, gebissen, misshandelt und vergewaltigt.

Die Studentin hatte den Angaben zufolge zehn Rippenbrüche, schlimme Verletzungen am Schädel, Quetschwunden, Kratzer, Hautabschürfungen, blaue Flecken am ganzen Körper und im Intimbereich. Die Haare des Opfers waren dick mit Blut verklebt, das Gesicht durch massive Gewalt entstellt.

Gestorben ist die 25-Jährige letztlich an Herzversagen, nachdem Fett-Tröpfchen in die Lunge geraten waren. Die Rechtsmedizinerin spricht von einem "langen, sehr qualvollen Tod" – Stille im diesmal nur halbvollen Gerichtssaal. Die Schilderungen lösen große Betroffenheit aus. Derweil verfolgen die beiden Angeklagten die Ausführungen der Rechtsmedizinerin gewohnt desinteressiert. Er hält wie immer die Arme verschränkt, sie blickt die meiste Zeit regungslos nach unten.

Blutspuren in zwei Metern Höhe

Anwälte und Angeklagte sitzen hinter einem Pult. Die Angeklagten halten sich Hefter vor die Gesichter. Dahinter stehen Polizisten.
Die Angeklagten wirkten auch am 22. Verhandlungstag desinteressiert. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Bereits zuvor hatte ein weiterer Rechtsmediziner dem Gericht das Blutverteilungsmuster erläutert. In dem Gutachten ist die Rede von mehr als 300 Blutspuren am Tatort. An den Wänden sind Blutflecken sogar in mehr als zwei Metern Höhe entdeckt worden. Das sei nur mit grober Gewalteinwirkung möglich, so der Rechtsmediziner. Den Zuschauern im Gerichtssaal stockt der Atem.

Auch an der Feuerwehrhose sowie an den Schuhen des 21-jährigen Angeklagten ist Blut gefunden worden. Spuren, die auf ein mögliches Tatwerkzeug hindeuten, gibt es allerdings nicht. Als die Richterin den heutigen Prozesstag beendet, leert sich der Saal – schnell und beinah geräuschlos.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 14.03.2017 | 16 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 14.03.2017 | 19 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2017, 19:20 Uhr

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9 Kommentare

15.03.2017 17:27 Beobachter 9

Auch ich vermute anhand des emotionslosen Verhaltens der weiblichen Angeklagten, dass sie tiefer in die Tat verstrickt ist, als sie es in ihrer Aussage glauben machen wollte. Vermutlich hat sie auch deshalb ihr Geständnis so abrupt beendet, als die Rückfragen zur Tatnacht kamen... Und auch die akustischen Tests im Haus sprechen gegen sie.

15.03.2017 17:11 Nach wie vor... 8

... steht die Frage nach der Sozialisierung, der Begriff "Erziehung" verbietet sich hier von selbst, im Raum.
Niemand entwickelt von "allein" eine Persönlichkeitstruktur, wie sie in der bestialischen Tatbegehung zum Ausdruck kommt. Und da der Fall von vorneherein in ein ganz bestimmtes Milieu hineinreicht und durchaus brisanten politischen Kontext hat, hätte ich gerne mehr Täter-Hintergrund. Wir werden ja sehen.

15.03.2017 14:27 mattotaupa 7

@#3: "Feige und gefühllos sind sie auch. Wie Tiere." tiere können durchaus gefühle haben. feigheit ist übrigens angstbestimmtes handeln. angst wiederum ist ein gefühl. achja, erklären sie nem bären mal wie feige er ist. alternativ können sie auch nah ans löwengehege gehen und es mit dem löwen ausdiskutieren. kurzum, sie tun den tieren unrecht.

15.03.2017 12:09 Babara D. 6

Tiere haben Gefühl und auch eine Seele , diese Menschen nicht . Sie zeigen keine Regung - den Ablauf kennen sie doch schon . Sie haben auch Kinder 3 an der Zahl , was soll aus diesen werden ? Wenn ich jeden Tag die Berichte lese könnte ich laut aufschreien . Schade das unser Rechtssystem nicht härter ist , dann wäre sicher schon alles vorbei . Immer wieder sind es die Opfer die leiden und die mit der Situation fertig werden müssen!

15.03.2017 09:17 otternase 5

Persönlich für ausgesprochen bemerkenswert halte ich die Reaktion der weiblichen Angeklagten, insbesondere den Vergleich zwischen Montag und Dienstag (jeweils dem MDR-Artikel entnommen):

als das Video vom erzwungenen Sex zwischen den Angeklagten dem Gericht vorgelegt wurde:

Beide Angeklagte reagieren auch unterschiedlich auf die gezeigten Sexszenen: Xenia I. legt den Kopf auf den Tisch und hält sich die Ohren zu. Der angeklagte 21-Jährige dagegen zeigt überhaupt keine Regung.

als der Obduktionsbericht zu den tödlichen Verletzungen des Opfers verlesen wird:

Derweil verfolgen die beiden Angeklagten die Ausführungen der Rechtsmedizinerin gewohnt desinteressiert. Er hält wie immer die Arme verschränkt, sie blickt die meiste Zeit regungslos nach unten.

Sie scheint wohl doch deutlich mehr Mitleid mit sich selbst als dem ermordeten Opfer zu haben!

15.03.2017 07:47 Oma Gitte 4

Beim Lesen wird mir schlecht. Grausam, was Menschen sich gegenseitig antun. Und noch dazu einer unschuldigen netten Studentin aus einem fernen Land. Was für eine Strafe wäre gerecht? Eigentlich dasselbe Märtyrium. Damit sie begreifen, was sie getan haben.

14.03.2017 21:06 Moppi 3

Solche Täter und Täterinnen haben die Vorlage zur Legende des Werwolfs gegeben. Vertierte Menschen.
Feige und gefühllos sind sie auch. Wie Tiere.

14.03.2017 21:05 MiSt 2

Für so völlig entmenscht agierende Individuen ist eine lebenslange Sicherungsverwahrung nach der Haft die einzig akzeptable Zukunft. Der Schutz der Gesellschaft, das Gemeinwohl, muss oberste Priorität haben. Das Einzelwohl (des überführten Täters) muss dahinter zurücktreten. Die Position weit außerhalb des kleinsten gemeinsamen Nenners der menschlichen Gemeinschaft - die Achtung vor dem Leben - ist frei selbst gewählt und auf bestialistische Art und Weise demonstriert. Jeder Resozialisierungsversuch mit dem Ziel einer Wiedereingliederung in die menschliche Gemeinschaft wäre perspektivisch nur Beihilfe zu weiteren Verbrechen.

14.03.2017 20:26 Mediator 1

Da gibt es nichts schönzureden: Eine bestialische Tat!