Einschussloch
Ein Einschussloch in einem der Fenster des einstigen Bürogebäudes, das Flüchtlingsunterkunft werden soll. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Gräfenhainichen Schüsse auf geplantes Flüchtlingsheim

Einschussloch
Ein Einschussloch in einem der Fenster des einstigen Bürogebäudes, das Flüchtlingsunterkunft werden soll. Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk

Unbekannte haben in der Nacht zu Sonnabend Schüsse auf das geplante Flüchtlingsheim in Gräfenhainichen abgegeben. Das teilte die Polizei mit. Mehrere Fensterscheiben in dem leerstehenden früheren Bürogebäude gingen zu Bruch. Polizeihauptkommissar Ralf Moritz sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es handele sich um eine neue Qualität. So etwas habe er noch nie erlebt.

Noch sei unklar, ob mit einer Pistole oder einem Gewehr geschossen wurde. Die Polizei ermittelt nun wegen Verdachts auf versuchte Tötung, weil sich zur Tatzeit der Wachdienst in dem Gebäude aufgehalten hat. Für das Wachpersonal hat dem Sprecher zufolge Lebensgefahr bestanden. Verletzt wurde niemand. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot aus, auch das Landeskriminalamt untersucht den Tatort nach Spuren. Die Fahndung läuft. Die Polizei sucht Zeugen. Ein Spürhund habe eine Fährte aufnehmen können, jedoch führte das bisher nicht zu einem Erfolg.

Stahlknecht: "Alles daran setzen, Täter zu ermitteln"

Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) bezeichnete die Attacke am Sonnabend als "feigen und hinterhältigen Anschlag". "Wir werden alles daran setzen, den oder die Täter zu ermitteln." Auf schnelle Ergebnisse hofft auch Enrico Schilling (CDU), Bürgermeister von Gräfenhainichen. Schilling sagte, das Geschehen mache ihn sprachlos, das sei nicht Gräfenhainichen. Für Polizei und Staatsanwaltschaft spricht aus diesem Angriff "die zunehmende Hemmungslosigkeit von Ausländerfeinden, denen Staat und Gesellschaft gemeinsam entgegentreten müssen".

Die Grünen Landtagsabgeordneten Claudia Dalbert und Sebastian Striegel zeigten sich entsetzt. Dalbert sagte, die Täter hätten die Gefährdung des Wachschutzes billigend in Kauf genommen. Striegel fordert den Landkreis auf zu überdenken, ob in diesem Gebäude tatsächlich Flüchtlinge untergebracht werden sollten. "Der inzwischen siebte Anschlag auf die geplante Unterkunft zeigt eine weitere Eskalation der Gewalt."

Erst Flutung, dann Steine, nun Schüsse

Immer wieder hat es in den vergangenen Monaten Attacken auf das leerstehende ehemalige Bürogebäude gegeben. Erst am vergangenen Wochenende haben Unbekannte Steine geworfen. Glasscheiben und eine Werbetafel gingen zu Bruch. Im Dezember wurde das Haus unter Wasser gesetzt und ist seitdem unbewohnbar. Der Sachschaden betrug 80.000 Euro.

Schon Ende vorigen Jahres sollten eigentlich 80 Asylsuchende in das Heim einziehen. Nach dem Anschlag vor einer Woche hatte ein Sprecher des Landratsamtes betont, dass sich an den Plänen, Schutzsuchende dort unterzubringen, nichts geändert habe.

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2016, 17:47 Uhr

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118 Kommentare

29.02.2016 18:44 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 118

@ Ottje83: Zitat "Hier in Texas regt man sich aber nicht so auf, wie es einige Deutsche tun. Die Beschießung des geplanten Heims würde hier nicht tagelang diskutiert, i.e. andere Länder, andere Sitten." Niemand zwingt Sie, sich wie ein Deutscher aufzuregen. Ist ja auch nicht notwendig, wenn Sie in Texas wohnen. Allerdings haben wir hier in Deutschland etwas andere Waffengesetze, wodurch wir so ein 'Rumgeballer' eigentlich nicht gewöhnt sind. Mir persönlich wäre es auch lieber, wenn es dabei bleibt, daß man nicht bei jedem Gegenüber mit einer Waffe rechnen muß. Nach 7 Anschlägen wird diese Unterkunft schon zum Politikum. Deswegen möchte ich Striegel auch widersprechen: man kann diesen fremdenfeindlichen Terroristen nicht auch noch Recht geben, indem man diese Unterkunft nach dieser Historie aufgibt.

29.02.2016 09:37 Mediator an Ottje83 117

Was bitte hat ein Master Abschluß damit zu tun, dass Sie einen Sachverhalt völlig falsch beurteilen und daraus ebenso falsche Schlüsse ziehen? Von ihren 8 Jahren bei der Bundeswehr scheint auch nicht mehr viel hängen geblieben zu sein, wenn ich mir ihre Einstellung zum Thema Schießsicherheit ansehe. Das reine abfeuern einer scharfen Waffe bringt schon Risiken mit sich, den das Geschoß fällt nicht nach 10 m ohne Energie zu Boden, sondern kann im ungünstigsten Fall sehr weit fliegen und Schaden anrichten. Neben dieser rein physikalischen Gefahr bleibt immer noch der politische Aspekt, den sie völlig ausblenden. Was will uns jemand sagen / androhen, der auf eine Flüchtlingsunterkunft schießt? Häuser zu beschießen ist keine Kleinigkeit und hätten Sie dies bei der Bundeswehr aus Jux und Tollerei getan, dann hätte man Sie aus der Truppe entfernt! Was in Texas üblich ist interessiert in Deutschland niemanden. 30 tsd Tote / Jahr durch Schußwaffen wie in den USA braucht niemand hier!

29.02.2016 08:58 Ekkehard Kohfeld 116

@ 112 Mediator.Herr lass Hirn vom Himmel regnen.##Wenn sie damit Glück haben sollten,aber bitte mal den Schirm zumachen damit auch mal was ankommt.

29.02.2016 06:53 Kritischer Bürger 115

@Ottje83 114: Also nach Stand der Ausführungen im obrigen sowie im am Ende des Kommentares angeführten Lokalbericht / Artikel handelt es sich nicht um Luftdruckwaffen, denn die werfen keinerlei Patronen aus. Also aus dem benannten Artikel kann schon einmal entnommen werden, das es mindestens Waffen mit Patronenauswurf (also ab Kleinkaliber aufwärts) da ja wohl 13 Patronenhülsen gefunden wurden, laut lokaler Berichterstattung aus Dessau unter Artikel: +...Gräfenhainichen = SOKO soll Schüsse auf Flüchtlingsheim aufklären ...+ Dann bleibt immer noch die Frage offen, ist es eine registrierte Waffe. Obwohl ich mit vielen Ausführungen des Herrn Striegel nicht einverstanden bin/bisher war, aber man sollte überdenken was er hier im oben lesbaren Artikel anregt. Aber da wird es wieder welche geben die eine solche Sicherheitsentscheidung ganz anders sehen: =Als einknicken vor dem Terror= nur was könnte das noch für einen "Preis haben?"

28.02.2016 22:22 Ottje83 114

@Mediator: es ist schon verwunderlich, dass gleich mein Intellekt angegriffen wird, wenn einem nichts anderes einfällt. Ich habe einen Master Abschluss und bezweifle, dass Sie mehr Hirn haben als ich. Ich verstehe auch vollkommen, dass die Tat nicht nur nicht rechtenst, sondern als rechtswidrige Form von Drohung gegen die Aufnahme von Flüchtlingen gedacht ist. Von Ballistik brauchen Sie mir auch nichts erklären. Ich habe acht Jahre bei der Bundeswehr gedient und auch danach 9 mm und größere Kaliber Waffen bedient. In meinem Haus befinden sich zudem zwei Einschusslöcher. Allerdings durchschlugen die Projektile nicht die Fenster, weil sie von wohl einem Luftgewehr abgefeuert wurden. Natürlich hätte ich die Polizei eingeschaltet, wenn die Kugeln in die Zimmer eingedrungen wären. Hier in Texas regt man sich aber nicht so auf, wie es einige Deutsche tun. Die Beschießung des geplanten Heims würde hier nicht tagelang diskutiert, i.e. andere Länder, andere Sitten.

28.02.2016 21:42 Hanno Kuhrt 113

Ich kenne mindestens 10 Verkehrsschilder, die mehr als ein Einschussloch aufweisen-sind die Verursacher dann auch Terroristen? Im übrigen erst mal die Untersuchungen abwarten. Möglicherweise konkurrieren hier ja wieder die Wachdienste um die lukrativen Aufträge (siehe Handgranate Stuttgart).

28.02.2016 20:52 Mediator an Ottje83 112

Herr lass Hirn vom Himmel regnen. Wenn man den Beitrag von Ottje83 so liest, dann fragt man sich, ob es da noch ein gesundes Rechts- und Gefährdungsempfinden gibt. Hier beschießt jemand mit einer erlaubnispflichtigen Waffe ein Gebäude. Warum tut diese Person das wohl? Das ist eine Drohung! Das soll Angst erzeugen! Das soll Entscheider zwingen anders zu entscheiden. So etwas hat kaum etwas mit Kleinkriminalität sondern schon eher mit Terrorismus zu tun. Machen Sie sich mal mit den ballistischen und kinetischen Eigenschaften eines Geschoßes vertraut. So etwas in der Öffentlichkeit abzufeuern ist gemeingefährlich! Zu Ihrem dämlichen Rathausbeispiel eine Gegenfrage. Wie würden Sie sich fühlen wenn bei Ihnen im Wohnzimmerfenster Einschußlöcher zu finden sind? Zitat Ottje83:"Die Tat ist die eines Kleinkriminellen. ...In meiner Stadt fanden sich ein paar Einschusslöcher im Rathausgebäude. Da niemand zu Schaden gekommen war, wurde diese Nachricht nur ganz am Rande erwähnt. ..das war es dann."

28.02.2016 20:31 Faltungshall 111

Btr. KT108: Hysterie wäre beim Abgleich der Kommentare mit den heutigen BL-Ergebnissen angebracht. Die Erfolgswelle einiger Nichtsdafürkönner grenzt schon an physikalischer Unsportlichkeit.

28.02.2016 20:18 LifeGoesOn 110

@ traum68: Wer mit Schusswaffen die öffentliche Sicherheit gefährdet, gehört erst mal weg von der Straße. Dabei ist es zweitrangig, ob jemand verletzt wurde. Es geht schließlich auch um Vorbeugung. Oder wollen Sie warten, bis tatsächlich jemand getötet wird und dann laut schreien, warum niemand was getan hat, obwohl der Hang zur Gewalttätigkeit bei dem/den Täter/n bekannt war? ***** Helfen könnte in jedem Fall eine weitreichende Kameraüberwachung an öffentlichen Plätzen und gefährdeten Gebäuden. Letzteres sind Flüchtlingsunterkünfte ja derzeit ohne Frage. So kann und darf es jedenfalls nicht weitergehen. Es muss daher alles getan werden, um die Täter künftig einfacher zu ermitteln und zu überführen!

28.02.2016 19:47 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 109

@ 108. Ottje83: Wir sind hier aber nicht in Mexiko und haben glücklicherweise keine mexikanischen Verhältnisse. Wenn in manche Bundesstaaten von Mexiko keine Maschinenpistolen an die Polizeikräfte verkauft werden können, weil es dort zumind. Bedenken wegen möglicher Menschenrechtsverletzungen gibt, dann schätzt man ein Einschußloch in einem Gebäudefenster doch anders ein.