Luftaufnahme eines Sees mit Einfamilienhäusern an einem Ufer.
Der sogenannte "Silbersee", ehemaliger Tagebau Grube Johannes, ist heute kaum wiederzuerkennen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Chemiepark Bitterfeld-Wolfen Altlastensanierung bleibt Aufgabe für Generationen

Die Region Bitterfeld-Wolfen hat sich gemausert: Von braunkohle-geschwängerter Luft ist nichts mehr zu spüren. Die Sanierung des Grundwassers bleibt aber eine Mammutaufgabe.

Luftaufnahme eines Sees mit Einfamilienhäusern an einem Ufer.
Der sogenannte "Silbersee", ehemaliger Tagebau Grube Johannes, ist heute kaum wiederzuerkennen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Fred Walkow erinnert sich, als sei es gestern gewesen – an den Zustand des Wassers rund um den Chemiepark Bitterfeld-Wolfen. "Es sah dunkelbraun bis schwarz aus, es stank, es gab Schaum und es verbreitete natürlich die Schadstoffe." Walkow hat bis 1990 als Chemiker in der Filmfabrik Wolfen gearbeitet hat.

Ein Mann mit Bart gibt ein Interview.
Fred Walkow arbeitete als Chemiker in Wolfen. Ab 1990 leitete er das Kreisumweltamt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mitte der Woche besuchte Umweltministerin Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen) die Region. Es war ein Arbeitsbesuch, um sich zum Stand der Altlastensanierung ins Bild zu setzen. Denn die ist ein wahres Großprojekt. Zwar seien marode Anlagen und Deponien verschwunden oder saniert, wie Claudia Dalbert feststellte. Doch die Sicherung und Sanierung des Grundwassers werde noch Jahrzehnte dauern.

Die Situation: Es geht insgesamt um rund 100 Millionen Kubikmeter kontaminiertes Wasser. Pumpen müssen das Grundwasser bis heute niedrig halten, in dem Experten Tausende chemische Verbindungen festgestellt haben. Oberstes Ziel ist zu verhindern, dass sich das verunreinigte Wasser weiter ausbreite. Gleichzeitig wird es gereinigt: erst abgepumpt, dann zur Vorbehandlung ins Klärwerk geschickt und am Ende in die Gemeinschaftskläranlage. 35 von 100 Millionen Kubikmeter Wasser konnten so bisher gereinigt werden. Die Kosten pro Jahr belaufen sich auf elf bis zwölf Millionen Euro.

Arbeit für Generationen

Über einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren wurden die chemischen Abfälle sorglos rund um Bitterfeld und Wolfen entsorgt. Fred Walkow leitete später von 1990 bis 2015 das Kreisumweltamt und weiß: "Die Schadstoffe lassen sich mit speziellen Methoden bis in die Nordsee hinein nachweisen." Besonders der "Silbersee" stehe wie kein zweiter für die Umweltverschmutzungen. "Das war schon so was wie das Tor zur Hölle", sagt Fred Walkow. Denn es roch penetrant nach Schwefel.

Eine große Kläranlage.
Das Gemeinschaftsklärwerk Bitterfeld-Wolfen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Seit 1994 sorgt zumindest das Gemeinschaftsklärwerk dafür, dass die chemischen und kommunalen Abwässer gereinigt werden. Im geklärten Wasser ist keine Spur mehr von Schaum oder unnatürlicher Farbe zu erkennen. Doch die Deponien wie die Gruben Greppin, Antonie oder Freiheit III werden den Umweltsanierern noch Arbeit für Generationen bereiten.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 17.05.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/lk

Zuletzt aktualisiert: 18. Mai 2017, 05:25 Uhr

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2 Kommentare

18.05.2017 19:51 Renate 2

Man schämt sich in Grund und Boden für diese
ehemalige DDR und deren Genossen, deren Machenschaften bzw. Umweltschutz.
Damals wurden sogenannte Umweltschützer, welche gegen die verseuchten, versifften Bäche, Flüsse, Seen sich einsetzten, als Feinde des Sozialismus behandelt.
#Oma Gitte, das war auch mein erster Gedanke!
Aber diese Wendehälse findet man auf der ganzen Linie.
Unsere 1989er Demo hat sie zu anderen Ufern gespült.
z.K.

18.05.2017 17:35 Oma Gitte 1

Damals hat er dort sein gutes Geld verdient und heute will er sich eine "goldene Nase " verdienen. Passt das zusammen?