Margarine auf Förderband
In Pratau werden die Marken Lätta, Sanella, Becel, Rama und Homa Gold produziert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Lätta, Sanella, Rama & Co. Margarinewerk Pratau soll verkauft werden

Seit hundert Jahren wird im Unilever-Werk Pratau Margarine produziert. Nun steht der Standort vor einem möglichen Aus. Der niederländisch-britische Lebensmittelkonzern will sein Geschäft umstrukturieren und sich von seiner Margarine-Sparte trennen.

Margarine auf Förderband
In Pratau werden die Marken Lätta, Sanella, Becel, Rama und Homa Gold produziert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es ist nicht das erste Mal, dass die Mitarbeiter des Unilever-Margarinewerks in Pratau um ihre Arbeitsplätze zittern müssen. Bereits seit vier Jahren gibt es immer wieder Gerüchte, dass der Standort aufgrund rückläufiger Absatzzahlen geschlossen werden könnte. Nun scheint das Horroszenario für die Mitarbeiter Realität zu werden.

Der niederländisch-britische Lebensmittelkonzern strukturiert derzeit sein Geschäft kräftig um. Im Zuge dessen will sich Unilever auch von seiner Margarine-Herstellung trennen. Im Gespräch sei deshalb ein Verkauf des Pratauer Werks an den US-amerikanischen Lebensmittelriesen Heinz Kraft.

Margarinewerk mit Tradition

Den Mitarbeitern in Pratau bereitet dieses Vorhaben Bauchschmerzen. Denn weder sie, noch die Betriebsräte oder die Gewerkschafter können Einfluss auf den anstehenden Verkauf nehmen. Sie appelieren deshalb an das Verantwortungsbewusstsein der Konzernführung. Der Vorsitzende des Europa-Betriebsrates bei Unilever, Hermann Soggeberg, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, zentrale Forderung sei, dass Unilever das Geschäft in Pratau an einen nachhaltig interessierten Investor abgebe. Dieser müsste alle Beschäftigten übernehmen und den Betrieb weiter fortführen wollen.

Jörg Most, Regional-Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, ergänzte: "Wir hoffen ja, dass sie es nicht an eine Heuschrecke verkaufen, so wie es überall passiert, und die auf den Gedanken kommen, die Werke vielleicht zu filetieren und Betriebsstätten zu schließen, Menschen zu entlassen und die Aktionäre zu bedienen."

Gute Voraussetzungen als Ganzes erhalten zu bleiben, erfüllt der Standort in Pratau jedoch durchaus. Mit seiner mehr als einhundertjährigen Tradition zählt das Margarinewerk zu einem der ältesten in Deutschland. 1903 von Emil Krüger gegründet, ging es 1930 in den Besitz von Unilever über. Sogar zu DDR-Zeiten war es im Grundbuch als Unilever-Betrieb eingetragen. Von den insgesamt 1.000 Beschäftigen in Europa gehören 200 zum Pratauer Werk. Auch ist das Geschäft mit der Margarine durchaus lukrativ. Unilever verzeichnet allein in dieser Sparte einen Jahresumsatz von rund zwei Milliarden Euro.

Unilever lässt Entscheidung offen

Ob es demnächst zu einem Verkauf des Pratauer Werks kommen wird, und vor allem an wen, lässt der Lebensmittelkonzern jedoch vorerst offen. Unilever teilte MDR SACHSEN-ANHALT lediglich schriftlich mit, dass sicher sei, dass Unternehmen die nächsten Schritte mit hoher Verantwortung und in Einklang mit unseren Unternehmenswerten gehen werde. Dies würde auch einen offenen und konstruktiven Dialog mit der Arbeitnehmervertretung, sowohl auf nationaler wie auch auf europäischer Ebene, beinhalten.

Dieses Thema im Programm MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07.06.2017 | 14:30 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 07.06,2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/mkl

Zuletzt aktualisiert: 07. Juni 2017, 15:14 Uhr

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4 Kommentare

07.06.2017 22:20 H.E 4

Der Mutterkonzern UNILEVER will das Heilbronner Entwicklungszentrum (Baden-Württ.) für Trockenprodukte (Suppen etc.), also KNORR auch schließen. 220 Beschäftigte sind davon betroffen. Es soll alles in die Niederlande verlegt werden.

07.06.2017 21:51 BOSSI 3

Erst Norda dann Dextro Energy, Livio und Iglo, Bifi in Ansbach (die Minisalami), Werke in Bahrenfeld, Chemnitz, Mannheim, Kleve usw. Der glorreiche Konsumgüterkonzern Unilever treibt den Ausverkauf seiner traditionsreichen, lokalen Marken voran. Statt den Verkauf von Margarine voranzutreiben, sollte Unilever lieber nachhaltige Strategien zur Erhaltung und zum Ausbau der Marke und des Standortes erarbeiten. Für viele Mitarbeiter im Pratauer Werk kommt der Schritt des Konsumgüterkonzerns allerdings nicht überraschend. Denn Unilever ist schon seit mehr als zehn Jahren dabei, das eigene Markenportfolio zu bereinigen. Dabei stehen all jene Marken auf dem Prüfstand, die wie Bifi nur im deutschsprachigen Raum oder europaweit, nicht aber weltweit funktionieren. Einen regelrechten Kahlschlag erlebten wir Mitarbeiter vom Jahr 2000 an, als Unilever beschloss, seine bis dahin 1600 Marken auf nur noch 400 zu konzentrieren und alle Kraft auf deren Wachstum zu setzen.

07.06.2017 18:40 Oma Gitte 2

@ Nachfrage. 2003 war 100 Jähriges im Werk.


ANMERKUNG SACHSEN-ANHALT:

Das stimmt; wir haben es im Artikel klargestellt.

07.06.2017 15:40 Nachfrage 1

Zwei ich nicht deckungsgleiche Sätze: Seit hundert Jahren produziert Unilever in Pratau Margarine; seit einhundert Jahren wird im Unileverwerk in Pratau Margarine produziert. Ich denke zu DDR-Zeiten war das Werk nicht im Besitz von Unilever. Wenn ich diese Produktionszeit mit einbeziehe, müsste das Werk seit dem Jahre 1877 Margarine produzieren? Das wäre erstaunlich.