Pressekonferenz Dessau
Oberstaatsanwalt Folker Bittmann und Sebastian Opitz, Pressesprecher der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost, informieren über den Fall. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Getötete Chinesin in Dessau Ermittler verhaften Pärchen wegen Mordverdachts

Pressekonferenz Dessau
Oberstaatsanwalt Folker Bittmann und Sebastian Opitz, Pressesprecher der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost, informieren über den Fall. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Fall der getöteten chinesischen Studentin hat die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau zwei Haftbefehle wegen Mordes erlassen. Wie Oberstaatsanwalt Folker Bittmann am Dienstag mitteilte, kam ein junges Paar nach seiner Festnahme nun in Untersuchungshaft. Dabei handele es sich um Deutsche, die aus Dessau stammen. Der Mann sei Sohn einer Polizistin und polizeibekannt - allerdings nicht wegen eines Sexualdelikts.

Den Angaben zufolge gibt es von den beiden 20-Jährigen zwar kein Geständnis, aber die Aussage, dass sich die Chinesin einen Tag vor der Tat einvernehmlich mit den beiden zum Sex getroffen habe. Laut Bittmann begab sich der männliche Tatverdächtige am Montag zur Polizei und gab an, dass die an der getöteten Studentin gefundene DNA-Spur von ihm stammen könne.

Spuren führen zum Tatort

Fundort der getöteten chinesischen Studentin und möglicher Tatort liegen nah beieinander.
Blick auf den Tatort Bildrechte: MDR/Maria Selchow

Daraufhin seien Wohnungen der Tatverdächtigen untersucht worden. Die Ermittler hätten dabei Blutspuren und andere Anhaftungen gesichert, die den Tatort identifizieren. Parallel sei die Lebensgefährtin zunächst als Zeugin, dann allerdings als Tatverdächtige vernommen worden. Bittmann zufolge besteht die Möglichkeit, dass die Leiche nach der Tat aus dem Fenster geworfen wurde.

Keine Belege für vorherigen Kontakt

Zeugenbefragungen und auch der Lebenswandel der Chinesin hätten ergeben, dass es für einen vorherigen freiwilligen sexuellen Kontakt zwischen den dreien keine Belege gebe. Allerdings wäre es leichtsinnig auszuschließen, dass ein dritter Täter daran beteiligt wäre. Dazu könne man aber keine Aussagen treffen. Aus Bittmanns Sicht handelt es sich um eine Tat, die überall auf der Welt so hätte stattfinden können.

Vom Joggen nicht zurückgekehrt

Am 13. Mai war die entstellte Leiche der 25-Jährigen in Dessau gefunden worden, keine 100 Meter entfernt von dem Haus, in dem sie in einer Wohngemeinschaft lebte. Sie war zwei Tage zuvor nicht vom Joggen zurückgekehrt. Wie die Obduktion ergab, wurde die Frau sexuell missbraucht. Sie starb an schweren Kopfverletzungen.

Bei der Obduktion der Leiche war fremde DNA ermittelt worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war ein erster Abgleich des Erbguts mit der Datenbank am Freitag erfolgt. Außerdem seien gesuchte Kleidungsstücke, die womöglich der Studentin gehört haben, bei der Durchsuchung von 50 Tonnen Müll entdeckt worden.

Gedenken in Dessau

In der letzten Woche hatten hunderte Menschen in Dessau an Y. Li erinnert. Am Donnerstag gab es auf dem Seminarplatz der Hochschule Anhalt eine Gedenkfeier. Am Mittwochabend hatten Mitstudenten einen Gedenklauf durch die Innenstadt von Dessau organisiert. Rund 200 Teilnehmer liefen genau die Strecke ab, die auch die getötete Studentin immer gelaufen war, wenn sie joggte.

Zuletzt aktualisiert: 24. Mai 2016, 20:00 Uhr

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79 Kommentare

25.05.2016 20:57 Mediator an Unsinn(77) 79

Sorry, aber selbstverständlich hat ein Journalist sich Gedanken zu machen, welche Wirkung er mit seiner Nachricht erzielen will und vor allem welche nicht. Wenn ich über einen Taschendiebstahl berichte, dann ist es irrelevant, dass es sich beim Opfer um <eine 20 jährige drogenabhängige Gelegenheitsprostituierte mit modischem Strickpulli> handelt. Wird das Sicherheitsempfinden der Bürger durch Parteien und Akteure mit fremdenfeindlichen und rassistischen Motiven bewusst erschüttert, dann ist es natürlich notwendig, dass ich bei einem Kapitalverbrechen die deutsche Nationalität eines Tatverdächtigen nenne, wenn ich nicht diesen Leuten Unterstützung leisten will. Es ist naiv, wenn sie so tun, als wäre eine Nachricht irgendein Neutrum ohne eigene Botschaft. Alleine die Auswahl, welche Nachricht man veröffentlicht bedeutet schon sehr viel. Geht man auf rechte Blogs, dann kann man meinen, nur Ausländer begehen Straftaten. Dass Deutsche genauso kriminell sind, das unterschlägt man natürlich.

25.05.2016 16:52 Mediator an Tobias G(75) 78

Wenn Sie dem MDR „Zensur pur“ unterstellen, dann frage ich mich, was Sie gerne hier in den Kommentaren veröffentlicht sehen möchten? Es werden hier so viele widerlichen, pauschal verleumdenden und hasserfüllte Kommentare freigeschaltet, dass man hier dem MDR nur unterstellen kann, dass er damit eine abschreckende Wirkung auf normale Bürger erzielen möchte. Wenn Sie hier aber im Stil der <Perlen aus Freital> unzensierte Hasskommentare und Aufrufe zu Straftaten wünschen, dann sind Sie zu bedauern. Schlagen Sie bitte einmal in einem Lexikon nach, was man unter Zensur versteht und wo der Unterschied zur Moderation einer Diskussion liegt.

25.05.2016 14:10 Unsinn 77

@25.05.2016 08:03 Mediator an Was soll das? ((61) 66 Dabei ist der MDR sehr liberal eingestellt, was er noch als Kommentar durchgehen lässt und was nicht.) - Ein Nachrichtenredakteur hat keinen Zweck beim Abfassen einer Meldung zu verfolgen, einen erzieherischen und/oder moralistischen schon gar nicht; er hat sich nicht gemein zu machen mit welcher Interpretation auch immer - er hat einzig alle aufzählbaren und beschreibenden Informationen zu liefern, um das Wer-was-wann-wo mit Fakten zu füllen. Das Interpretieren erledige ich selbst, gemütlich bin ich mit Karl Kraus auch selbst und da ich ein wenig auf diesem Globus herumgekommen bin, (nein, nicht als "Tourist") lege ich auf political correctness (ohnehin nur ein schlichter Euphemismus für den Begriff Lüge) nicht den allergeringsten Wert - auf correctness dagegen schon. Der MDR ist auch nicht "liberal eingestellt", sondern hat in den vergangenen Monaten scharfen Gegenwind bekommen und darauf reagiert. Mehr nicht.

25.05.2016 13:54 Schwachsinn im Quadrat 76

@25.05.2016 06:34 unwichtig (65 Wenn der Fahndungsdruck sehr hoch ist, müssen oft Ersatztäter her. Das wäre nicht das erste und das letzte Mal.) Ihr Nick qualifiziert diesen Kommentar zwar ohnehin präzise, aber dennoch frage ich mich rein interessehalber, wie man in ein solch geschlossenes quasi wahnhaftes Weltbild geraten kann. Warum sollte irgendjemand "Ersatztäter" präsentieren müssen? Weil Dessauer solche Taten prinzipiell nicht begehen? In Dessau haben schon ganz anders kalibrierte Verbrechen stattgefunden. Aber das müßten die NPD bzw. die ihr nahestehenden Volksgenossen doch eigentlich wissen.

25.05.2016 12:56 Tobias G. 75

25.05.2016 08:03 Mediator an Was soll das?(61)
Wo ist denn der MDR moderat eingestellt, er ist die Zensur pur? Ihre Meinung dürften Sie exclusiv haben!

25.05.2016 12:53 Kopfschüttler 74

25.05.2016 09:58 mattotaupa
Genau und aus diesem Grund werden 99% an den rechten Rand gedrückt und in die rechte Ecke gestellt.

25.05.2016 12:08 Anita Langner 73

Der Staatsanwalt machte in der Pressekonferenz den Eindruck, dass er befangen ist. Soll da jemand geschützt werden? Die mutmaßlichen Täter werden betont als Heranwachsende benannt, obwohl seine Rede ansonsten mehr als holprig war. Und die sogenannte "Verabredung zum Sex" war eigenartigerweise recht flüssig vorgetragen und nahm einen breiten Raum ein. Hier muss man sich wohl fragen, ob der Täterschutz zu betont war. Das Opfer wurde nicht so geschützt, im Gegenteil, es muss sich noch üble Nachrede gefallen lassen. Da kann man nur den Kopf schütteln und sich seine Meinung bilden!

25.05.2016 12:02 Schwachsinn im Quadrat 72

@25.05.2016 06:34 unwichtig (65 Wenn der Fahndungsdruck sehr hoch ist, müssen oft Ersatztäter her. Das wäre nicht das erste und das letzte Mal.) Ihr Nick qualifiziert diesen Kommentar zwar ohnehin präzise, aber dennoch frage ich mich rein interessehalber, wie man in ein solch geschlossenes quasi wahnhaftes Weltbild geraten kann. Warum sollte irgendjemand "Ersatztäter" präsentieren müssen? Weil Dessauer solche Taten prinzipiell nicht begehen? In Dessau haben schon ganz anders kalibrierte Verbrechen stattgefunden. Aber das müßten die NPD bzw. die ihr nahestehenden Volksgenossen doch eigentlich wissen.

25.05.2016 11:16 Bernd 71

@65 ( et al ) bei Ihrer " Auslassung kann man den Eindruck gewinnen, das Sie die letzten mehr als 20 Jahre der wissenschaftlichen Forensiker verpasst haben, den Artikel nicht gelesen haben oder/ und nur einfach Ihrer verschwörerische Hetze verbreiten wollen. Die DNA welche beim Opfer gefunden wurde stimmt mit der des mutmaßlichen Täters überein ( mutmaßlich solange bis ein Gerichtsurteil gefällt wurde - so funktioniert der Rechtsstaat, wird Ihnen zwar nicht gefallen, ist aber so ) Wenn Sie wollen, das Beweise im Sinne der Rechten hingebogen werden, können Sie ja eine Zeitreise in die Jahre 1933-1945 machen, das würde einigen Ihrer Gesinnungsgenossen gefallen

25.05.2016 10:01 mattotaupa 70

@#11: "Keine Beschreibung der Tatverdächtigen? Wir können inzwischen zwischen den Zeilen lesen wie damals in der DDR und wissen was dies bedeutet." und was haben sie zwischen den zeilen gelesen? mal wieder nur andeutungen vom rechten rand, damit man möglichst nicht festgenagelt werden kann. blöderweise sind die deutschen keine besseren oder gesetzestreueren menschen, sondern nur menschen, so ganz ohne höherstellungsmerkmal.