Bevölkerung : DGB warnt vor wachsender Armut in Sachsen-Anhalt
Der Deutsche Gewerkschaftsbund befürchtet eine zunehmende Armut in Sachsen-Anhalt. DGB-Landeschef Udo Gebhardt sagte: "Bereits jetzt lebt jeder fünfte Erwachsene und jedes dritte Kind hierzulande in Armut." Die Tendenz sei steigend. Als Grund führte Gebhardt vor allem Arbeitslosigkeit an. Zudem würden 150.000 Frauen und Männer im Land in schlecht bezahlten Teilzeitjobs arbeiten, was sich auch negativ auf die spätere Rente auswirke.
Mini-Jobber, Befristete und Leiharbeiter besonders gefährdet
Von Armut bedroht sind laut Gebhardt auch die etwa 200.000 Mini-Jobber im Land. Das gleiche gelte für die 65.000 befristet Beschäftigten und 25.000 Leiharbeiter. Außerdem sei Sachsen-Anhalt mit 71.000 Betroffenen das Land mit den meisten Langzeit-Hartz-IV-Empfängern. Das sei immerhin fast ein Drittel der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten. Bedenklich sei, dass mehr als die Hälfte dieser Menschen gar nicht arbeitslos seien, sondern zum größten Teil so wenig verdienten, das ihr monatliches Einkommen durch Hartz IV aufgestockt werden müsste.
Gebhardt warnt vor wachsender Altersarmut
Gebhardt warnte zugleich vor der Gefahr einer wachsenden Altersarmut im Land. Bereits heute seien 21.000 Sachsen-Anhalter auf eine Grundsicherung im Alter angewiesen. Die Rente mit 67 verschärfe die Situation zusätzlich. So seien gegenwärtig nur 24 Prozent der 60- bis 64-Jährigen Sachsen-Anhalter sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Jeder Siebente scheide aus gesundheitlichen Gründen früher aus dem Arbeitsleben aus, womit hohe Abschläge verbunden seien. Als bestes Mittel gegen drohende Altersarmut nannte Gebhardt angemessene Arbeitsentgelte.
Als von Armut bedroht gilt in Deutschland ein Alleinerziehender, wenn er weniger als rund 850 Euro im Monat zur Verfügung hat. Familien mit zwei Kindern gelten als armutsgefährdet, wenn ihr jährliches Einkommen unter 21.000 Euro liegt.
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