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Netz-Referentin Antje Buschschulte im Interview "Digitaler Wandel ist mehr als nur Computer"

Am Reformationstag hat die Landesregierung 108 Thesen präsentiert, wie die digitale Zukunft Sachsen-Anhalts aussehen kann. Seitdem stehen sie für eine Debatte im Netz. MDR SACHSEN-ANHALT hatte das Portal getestet. Fazit war, es macht einen komplizierten Eindruck und die Fülle der Thesen wirkt manchmal sogar überfordernd. Darüber sprach MDR SACHSEN-ANHALT nun mit Antje Buschschulte, früher Weltklasse-Schwimmerin, heute Referentin für die digitale Agenda in der Staatskanzlei.

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Sie haben 108 Thesen auf einer Website zur Diskussion gestellt. MDR SACHSEN-ANHALT hat nach einem Test starke Kritik an dieser Seite geübt. Sie ist kompliziert aufgebaut. Wie sind Sie mit der Kritik umgegangen?

Mir war klar, dass nicht alles positiv sein wird, was dieses Portal angeht. Es war keine inhaltliche Kritik, das hat mich gefreut. Ich warte auf die ersten inhaltlichen Kritiken. Was die Nutzerfreundlichkeit angeht, sind wir hier in der Staatskanzlei noch Lernende.

Antje Buschschulte, Referentin in der Staatskanzlei
Antje Buschschulte ist die zuständige Referentin für Digitales in der Staatskanzlei. Bildrechte: MDR/Harrabi

Wir haben uns das gleich angeschaut und versucht, es zu verbessern. Wir konnten nur das Landesportal mit seinen Grenzen nutzen und nicht etwas völlig Neues kreieren oder einen Programmierer bestellen, der uns eine komplett neue Homepage baut. Das ging nicht. Wir haben versucht, dieses große Thema "digitaler Wandel" herunterzubrechen. Aber dass man da zwei-, dreimal klicken muss, lässt sich nicht vermeiden. Normalerweise arbeitet die Politik lange im stillen Kämmerlein und gibt dann irgendetwas raus. Meist erst dann, wenn es sowieso beschlossen ist. In diesem Fall ist das anders, und wir sind so früh an die Öffentlichkeit gegangen, dass diese Homepage vielleicht nicht von Anfang an perfekt war. Aber man muss anfangen, man kann nicht warten, bis alles perfekt ist. Gerade bei diesem Thema.

Das Portal ist am 30. Oktober online gegangen. Wie ist denn bisher die Resonanz ausgefallen?

Ich muss ehrlich sagen, dass wir noch nicht so viele Kommentare bekommen haben. Ich glaube aber, dass sich einige Leute einfach ein bisschen Zeit lassen und die Seite auch noch nicht genügend bekannt ist. Es wird kein Chat werden können. Zum einen liegt das an den Datenschutzrichtlinien, an die wir uns als Land halten müssen. Zum anderen müssen wir das auch redaktionell kontrollieren. Wir können das nicht in Echtzeit moderieren, dafür fehlt uns das Personal. Aber für Verwaltungsverhältnisse ist das schon relativ interaktiv. Die Kommentare erscheinen meistens innerhalb von 24 Stunden auf der Seite, und man kann auf sie reagieren. Das ist natürlich nicht wie in einem Gespräch, denn man kann erst am nächsten Tag reagieren. Aber man kann, und das ist neu.

Die Seite soll für alle ein Forum bieten, mitzudiskutieren. Was erhoffen Sie sich von der Bürgerbeteiligung?

Sehr viele Leute haben einen Bezug zu dem Thema und können sagen, was funktioniert und was nicht. "Digitaler Wandel" ist ein Thema, das sich nicht einfach auf Schlagworte runterbrechen lässt. Noch hinzu kommt, dass wir so etwas in Sachsen-Anhalt zum ersten Mal machen. Wenn wir das dauernd machen würden, wüssten die Leute sicher, wozu sie aufgefordert sind.

Die Thesen sind aber teilweise für einen Durchschnittsmenschen schon recht komplex. Warum?

Wir haben ein Glossar, in dem viele Begriffe erklärt werden, die mit dem Thema "Digitalisierung" zu tun haben. Also was ist "Fiber to the Curb" zum Beispiel. Das sind Begriffe, die auch ich vorher nicht kannte. Sie werden erklärt und wenn man wirklich interessiert ist und wissen will, was dahinter steckt, dann ist das auch zu finden. Für diejenigen, für die das - ich nehme mal den Merkel-Ausdruck - "Neuland" ist, ist es sowieso schwer, sich da zu orientieren. Ich glaube aber, dass es das wirklich wert ist. Digitaler Wandel ist mehr als nur Computer. Es geht darum, wie wir in Zukunft leben werden. Wir leben in einer wahnsinnig spannenden Zeit und Sachsen-Anhalt sollte nicht unter den allerletzten Bundesländern sein, die sich etwas Neuem öffnen. Die Hürden sind sicher hoch, aber man muss die Bürger nicht wie Kinder ansprechen. Ich glaube, manch einem kann man das schon zumuten.

Sie wollen die Erkenntnisse aus der Diskussion Anfang 2016 präsentieren, kurz darauf sind Landtagswahlen. Was soll danach mit diesen Ergebnissen passieren?

Die Erkenntnisse liefern die Grundlage für eine digitale Agenda, die sicherlich jede Landesregierung in nächster Zeit machen würde. Man muss auch ehrlich sagen, dass es klar war, dass es in dieser Legislaturperiode nicht mehr klappt, eine digitale Agenda abzustimmen. Aber das ist kein Thema, dass man jetzt noch ewig aufschieben kann. Und eigentlich eignet es sich ganz gut, das jetzt in der Öffentlichkeit zu diskutieren und Ideen zu sammeln.

Einige befürchten aber, dass das Thema im anstehenden Wahlkampf untergeht.

Es gibt momentan sowieso Themen, wie die Flüchtlingssituation, die gerade alles bestimmen. Aber es ist so ein wichtiges Thema, dass man es einfach versuchen muss. Wenn man es erst in der nächsten Legislaturperiode aufruft, dann sind wieder andere Dinge da. Es ist ja auch nicht mit dem Thesenanschlag getan. Das Thema bleibt.

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2015, 21:22 Uhr