Ein verlassener und zum Kauf stehender Bauerhof.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sachsen-Anhalt 2050 Abwanderung, Leerstand, Überalterung?

Der demografische Wandel prägt schon jetzt Sachsen-Anhalt. Wie wird es erst im Jahr 2050 hier aussehen? Wenn sich nicht bald etwas ändert, so Politiker und Demografen, kann das Szenario - das Land Sachsen-Anhalt überaltert und leer - zur Wirklichkeit werden.

Ein verlassener und zum Kauf stehender Bauerhof.
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In Altenzaun im Landkreis Stendal sind bereits viele Menschen abgewandert, das Dorf stirbt langsam. Das sei normal, sagt der ehemalige Stiftung Bauhaus-Direktor Philipp Oswalt, und er betont, dass sich dringend etwas ändern müsse.

Bevölkerung um ein Fünftel geschrumpft

Sachsen-Anhalt kämpft bereits seit einigen Jahren mit dem demografischen Wandel: Es sterben mehr alte Menschen und gleichzeitig gibt es weniger Geburten; dazu verlassen mehr Menschen das Land, als neue Menschen nach Sachsen-Anhalt ziehen. Zwischen 1990 und 2011 ist die Bevölkerung um knapp ein Fünftel geschrumpft. Und weil es immer weniger Junge gibt, überaltert die Gesellschaft und wird künftig zu den "am stärksten schrumpfenden Regionen nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa gehören", wie es der Demografie-Bericht Sachsen-Anhalts vorhersagt.

Dörfer, die aufgegeben werden

Auch Philipp Oswalt, der ehemalige Direktor der Stiftung Bauhaus in Dessau, beschäftigt sich seit Längerem mit den Auswirkungen. Er meint: "Natürlich wird es immer wieder – das gab es auch in der Geschichte – Dörfer geben, die aufgegeben werden."

In Altenzaun bei Stendal beispielsweise ist die Einwohnerzahl in den vergangenen zehn Jahren um die Hälfte geschrumpft. Nur die Dorfkirche bietet den Altenzaunern noch einen Treffpunkt. Der Kindergarten, eine Einkaufsmöglichkeit und die Gaststätte wurden längst geschlossen. Auch Bernd Waesche, ein Bewohner von Altenzaun sieht: "Das schläft hier langsam ein."

Das ist kein Einzelfall: Viele Ortschaften Sachsen-Anhalts verfallen nach und nach. Und wenn nicht alle Teile der Politik und der Gesellschaft dagegen steuern, wird dieser Verfall nicht aufzuhalten sein.

Zuletzt aktualisiert: 07. April 2015, 17:25 Uhr

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21 Kommentare

08.04.2015 13:34 Michael Möller 21

mal eine Frage woran liegt es den genau ersten es gibt keine ausreichenten Arbeitsplaetze, zweitens die jungen Leute haben doch keinen Anstand und respekt gegenüber älternen Bürger. sie schauen doch nur noch darauf das sie von heut auf morgen reich werden. gleichzeitig fehlen die geeignete Infrastruktur auf dem Land. in den Großstädten fgahren die öffentlichen Verkehrsmittel alle 5-10 min. ;auf dem Land wartet man Stunden lang auf die Buse und Züge. und was tut die Politik egal welcher Partei nichts.das ist meine Meinung.

06.04.2015 21:27 Volkmar Koch 20

Die gute Vorstellung: In 50 Jahren wird der Kapitalismus zusammengebrochen sein und ein anderes Wirtschaftssystem herrscht. Es wird ein großes Einsehen geben und alle ehemaligen DDR Bürger, die sich jahrelang in Sachsen Anhalt haben wirtschaftlich ausbeuten lassen, bekommen eine Entschädigung in Form einer Sonderrente. Nur schade, dass die wenigsten davon noch etwas miterleben würden. Die schlechte Vorstellung ist, dass es in Sachsen-Anhalt in 20 Jahren nur noch Hartz4 Empfänger und Studenten gibt, in 30 Jahren niemand mehr dort leben will und in 40 Jahren das vermurkste Sachsen-Anhalt durch einen inszenierten Krieg einfach ausradiert wird. Oder die Russen holen es sich zurück.

06.04.2015 17:48 Hans 19

Auch der in absehbarer Zeit abgeschlossene Autobahnbau (spätestens 2020 lt. Minister Webel) wird die Situation nicht retten können. Aufgrund des Klimawandels, mit der Folge der weiteren "Verwüstung" großer Gebiete im Süden, wird sich wohl die Bevölkerungsdichte hier wieder vergrößern. Prognosen der Bevölkerungsentwicklung bis 2050 abzugeben, finde ich gewagt. Es gibt zu viele unbekannte Größen, z.B. Kriege um Rohstoffe und Wasser, Bevölkerungswanderungen.

06.04.2015 15:50 Ach, der "demografische Wandel" ist's. Einfältiger geht's nicht mehr.. 18

Der "demografische Wandel" ist schuld? Lach. Schuld an diesem Zustand ist einzig und allein die Politik dieses Bundeslandes und des Bundes und niemand sonst. Und da hilft auch keine verordnete "Willkommenskultur" (what a word...). Da hilft einzig und allein eine Politikänderung. Da allerdings die Kälber dieses Bundeslandes, wenn sie denn überhaupt wählen, ihre Metzger selbst in's Amt gewählt haben, besteht da wenig Hoffnung. Der Durchschnitt, der sich in SAH und seinen "Medien" täglich selbst feiert bzw. feiern läßt, wird jedenfalls jeden Rest an politischen Optionen zunichte machen: Ganz einfach, weil jeder halbwegs Begabte, dem dieses elende korrupte Herumwurschteln unter gleichzeitigen Absingen selbstlobender Choräle nur noch auf die Nerven geht, diese Haseloff'sche Mentalwüste verlassen wird.

06.04.2015 15:33 Jugendlicher aus Thüringen 17

Der Osten bleibt das Armenhaus Deutschlands! Eine Schande! Die Bevölkerung sollte sich mal klar werden, was sie denn für Parteien wählen, die sich für Hungerlöhne einsetzen. Niedrigere Lebenshaltungshaltungskosten als im Westen gibt es nicht mehr, wir zahlen alle viel zu viel! Man kann sich die Märchen von der Bürgermeister vom "Fachkräftemangel" nicht mehr hören! Vielleicht sollte ich Thüringen verlassen, menschlich für mich persönlich schade, aber was soll man machen...

06.04.2015 14:58 Kritischer Bürger 16

Politiker wollen oder können den Verfall der Dörfer nicht aufhalten, aber in entsprechender Zeit werden verlassene Ort dann platt gemacht und als Bauland für private Geldbesitzer frei gegeben.Das ist der Kreislauf von Ware gegen Geld und umgekehrt und bringt sicherlich dann dem Bund wieder finanz. Einnahmen wenn heutige Eigentümer zum Ersten für etwas verfallendes kein Geld mehr ausgeben wollen oder zum Zweiten kein Geld und auch wenig Zeit haben Grundstücke und Bauten vor dem Verfall zu retten.Da gibt es nur eine Alternative = Eigentumsumschreibungen auf eine bundes.- oder landeseigene Gesellschaft in betreffenden Grundbüchern.Eine Widerholung der letzten Jahre mit der Bodenverwertungsgesellschaft etc. nur diesmal im Bereich von Privateigentümern.

06.04.2015 14:28 ich selbst 15

@Nr.12: Eine Verantwortung der Landespolitik kann man da sehen, wo Sachsen-Anhalt im Vergleich zu ähnlichen Flächenländern schlechter abschneidet. Aber auch in Sachsen, wo ja mit Leipzig und in geringerem Maße mit Dresden starke Wachstumskerne vorhanden sind, sieht es in der Fläche trübe aus. Und selbstverständlich hängt das mit dem demographischen Wandel zusammen. Dass man diese Probleme mit „Willkommenskultur“ lösen kann glaube ich auch nicht. Aber dann könnte eine gute Politik, bei schrumpfender Bevölkerung, bestenfalls einige wenige Wachstumskerne innerhalb eines Bundeslandes schaffen. Die Abwanderung würde sich dann zu größeren Teilen nicht aus dem Bundesland hinaus, sondern innerhalb desselben vollziehen.

06.04.2015 12:52 Maria 14

(Teil 2)
Es gibt zwar industrialisierte Laender, in denen der demografische Wandel viel kritischer ist (z.B. Suedkorea, Taiwan, Japan, China), aber ich gebe Ihnen sicherlich Recht, dass die Abwanderung nicht so schnell gestoppt werden kann, wenn kuenftig nicht Strategien entwickelt werden, die das Leben (auf dem Land) in Sachsen-Anhalt wieder attraktiver machen, und zwar fuer eine vielfaeltige Gruppe Menschen, die unterschiedliche Talente und Ausbildungen mit sich bringen koennen (und dafuer auch akzeptiert und geschaetzt werden in der Gesellschaft).

06.04.2015 12:51 Maria 13

(Teil 1)
Liebe Kommentatoren,
ich finde es sehr interessant ihre Kommentare als Ergaenzung zu diesem Arikel zu lesen. Ich stimme Ihnen in vielen der genannten Punkten zu, sicher von dem Standpunkt einer Mitt-Zwanzigerin die im Bereich Kultur-/Medienwissenschaften ihren MA Abschluss macht - ich fuehle mich in Sachsen-Anhalt weder gewollt noch gebraucht. Es gibt kaum Zukunftsperspektiven um in der Kulturbranche eine vernuenftige Arbeit zu finden, die es einem moeglich machen koennte, sich ein eigenes Leben aufzubauen und/oder vielleicht an Familienplanung zu denken.

06.04.2015 12:21 Ach, der "demografische Wandel" ist's. Einfältiger geht's nicht mehr.. 12

Der "demografische Wandel" ist schuld? Lach. Schuld an diesem Zustand ist einzig und allein die Politik dieses Bundeslandes und des Bundes und niemand sonst. Und da hilft auch keine verordnete "Willkommenskultur" (what a word...). Da hilft einzig und allein eine Politikänderung. Da allerdings die Kälber dieses Bundeslandes, wenn sie denn überhaupt wählen, ihre Metzger selbst in's Amt gewählt haben, besteht da wenig Hoffnung. Der Durchschnitt, der sich in SAH und seinen "Medien" täglich selbst feiert bzw. feiern läßt, wird jedenfalls jeden Rest an politischen Optionen zunichte machen: Ganz einfach, weil jeder halbwegs Begabte, dem dieses elende korrupte Herumwurschteln unter gleichzeitigen Absingen selbstlobender Choräle nur noch auf die Nerven geht, diese Haseloff'sche Mentalwüste verlassen wird.