Gesprächsgäste in einer Talkshow
Bei "FAKT IST!" stand die Frage im Mittelpunkt, ob der Niedriglohnbereich zu groß ist und welche Alternativen es gibt. Bildrechte: MDR/Marc Biskup

"FAKT IST!" aus Magdeburg Man muss von Arbeit leben können

In Sachsen-Anhalt verdient ein Drittel der Arbeitnehmer weniger als 10,50 Euro in der Stunde. Sie gehören damit zum Niedriglohnbereich. Bei "FAKT IST!" wurde deutlich, dass viele Menschen im Alltag kämpfen müssen. Eine Gebäudereinigerin, die zu Gast war, hatte eine einfache Forderung: Sie will von ehrlicher Arbeit leben können.

Gesprächsgäste in einer Talkshow
Bei "FAKT IST!" stand die Frage im Mittelpunkt, ob der Niedriglohnbereich zu groß ist und welche Alternativen es gibt. Bildrechte: MDR/Marc Biskup

Die ostdeutschen Bundesländer gehören zu den Regionen in Europa mit dem größten Niedriglohnbereich. In Sachsen-Anhalt bekommt ein Drittel der Arbeitnehmer einen Stundenlohn von weniger als 10,50 Euro in der Stunde. Diese Menschen müssen oft mit Nettolöhnen von 1.000 Euro im Monat leben.

Dazu zählt Elke Bobles, die als Gebäudereinigerin in Magdeburg arbeitet. In der Sendung "FAKT IST!" forderte sie einen höheren Mindestlohn. Bobles sagte, man müsse von seiner Arbeit in Würde leben können. Sie müsse zwar nicht hungern, aber am öffentlichen Leben könne sie mit ihrem Einkommen nicht teilhaben. Eine Lobby in der Politik hätten Menschen mit Niedriglohn nicht.

Einmal Niedriglohn, immer Niedriglohn

Wenn man einmal im Niedriglohnbereich arbeite, dann komme man da auch nur schwer wieder heraus, so die Gebäudereinigerin. Sie fühle sich oft abgestempelt und bekomme von anderen Arbeitgebern keine Chance.

Die Gäste im Fakt-ist-Studio
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das DBG-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach sagte in der Sendung, in Ostdeutschland gebe es viele Menschen, die kaum über die Runden kommen würden. Betroffen seien das Hotel- und Gaststättengewerbe, aber auch das Gesundheitswesen. Der Markt allein werde das Problem nicht lösen. Vielen Betroffenen drohe auch Altersarmut.

Widerspruch von Arbeitgebern

Matthias Menger, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände Sachsen-Anhalt meinte, für ihn sei ein Problem die fehlende Qualifikation von vielen Beschäftigten. Es müsse deshalb viel mehr in Bildung investiert werden. Die Hälfte der Beschäftigten im Niedriglohnbereich habe keine oder keine ausreichende Qualifikation. "Eine solide Berufsausbildung verbunden mit lebenslangem Lernen sind das Fundament für eine erfolgreiche berufliche Zukunft."

Menger verwies auch darauf, dass der Niedriglohn dazu beigetragen habe, dass im Osten Deutschlands viele Menschen überhaupt eine Arbeit gefunden hätten. Er habe nichts gegen einen Mindestlohn von 14 Euro, dafür müssten aber die Firmen dieses Geld erwirtschaften können.

Der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Reint Gropp, fügte hinzu, der Niedriglohnbereich in Sachsen-Anhalt sei zwar groß, dafür aber die Arbeitslosigkeit niedrig. Man müsse sich fragen, ob man es anders herum wolle, wie etwa in Italien.

Im Osten fehlten außerdem innovative Unternehmen, die gut bezahlte Arbeitsplätze anbieten könnten. Und dafür wiederum brauche man gut ausgebildete Arbeitskräfte, so der Wirtschaftsforscher.

Grafik zum Anteil der Niedriglohn-Empfänger in Deutschland
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR FAKT IST! | 03.04.2017 | 22:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. April 2017, 23:06 Uhr

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7 Kommentare

04.04.2017 12:07 Taube 7

Wenn man nach 45 Arbeitsjahren Grundsicherung beantragen muss und sich im Sozialkaufhaus Kleidung , Kühlschrank, Waschmaschine etc. zusammen sparen muss, sagt das schon alles. Dank unserer Politiker vor allem der SPD ( Schröder und Konsorten_ jetzt Schulz) die nur an sich denken ( Dicke Pensionen etc) und nicht wofür diese Herren mal gewählt worden sind , und nicht an ihr Volk denken. Die vielen Widersprüche der beiden Herren und das es nur an mangelner Bildung liegt ist zum Kotzen. Sie blenden die Realität einfach aus und verkaufen das einfache Volk auch noch für dumm. Wenn man von seiner Hände Arbeit nicht leben kann, in den 90ziger konnte man dies, müsste es diesen Herrn Politiker zu denken geben, das in Deutschland was schief läuft. Aber wie in Ihrer Sendung und auch in anderen Sendungen dieser Art, interessiert es den Herrn Politikern herzlich wenig , ob du nach so vielen Arbeitsjahren zur Tafel oder zum Sozialkaufhaus musst oder auf der Strasse liegst.

04.04.2017 11:09 Die Diktatur des Kleinbürgertums 6

@03.04.2017 00:25 Birgit Hans (Die SPD hat das verbrochen und keiner nennt es beim Namen! Schröder, der Verräter (haben wir schon in der roten Schule gelernt, dass die SPD im Ernstfall die kleinen Leute verrät und mit der Macht mauschelt), hat Deutschland dem Billiglohnsektor geöffnet. Was den "kranken Mann Europas"vor dem Kollabieren retten sollte, sichert den Mächtigen höchste Profite und Millionen das Elend. An der Bildung liegt es jedenfalls nicht.)

Ich unterschreibe JEDES Wort. Und: Es liegt natürlich NICHT an der "Bildung" (gemeint ist ja "AUSbildung") - es liegt daran, dass die Schröderlinge (nicht nur in der SPD) jede marktordnende Politik für 30 Silberlinge an das Kapital und dessen Lobbyisten verkauft haben und das auch weiterhin tun. Es liegt, abstrakt formuliert an der intellektuellen Korruption, die sich als "Wirtschaftswissenschaft" verkleidet und den Homo Oeconomicus und seine angeblichen Existentialien beschwört und die Abzocker bedient.

04.04.2017 10:30 Di 5

Die Regierung von Sachsen Anhalt hatt doch gerufen kommt hier her ist Billiglohnland und Steueroase für Betriebe . Zum Beispiel die Betriebe aus Bremen und Braunschweig mehr braucht man nicht sagen

04.04.2017 10:20 Anne Wand 4

Irgendwie muessen die Menschen ja im Hamsterrad und unter Dauerstress gehalten werden, sonst kaemen sie noch auf die verrueckte Idee, dass sie in diesem Land der "Souveraen" sind! XD

04.04.2017 07:27 SRF 3

Also von 10,50€ in der Stunde kann man in vielen Branchen nur träumen. Ich habe 2 (Zwei) abgeschlossene Berufsausbildungen die 2. als Steuerfachangestellte , und verdiene Brutto in der Stunde 8,66€ das reicht zum Leben und für eine angemessene Rente niemals aus. Das heißt ich bekomme später mal Grundsicherung so wie andere Leute die im Leben nur wenig oder gar nicht gearbeitet haben. Und das soll gerecht sein? Da reichen solche Sprüche wie Arbeit muss sich wieder lohnen oder die Rente ist sicher schon lange nicht mehr aus. Von solchen Phrasen kann man leider nicht leben. Aber es hört sich gut an.

04.04.2017 07:13 Möwe 2

Menger: "Er habe nichts gegen einen Mindestlohn von 14 Euro, dafür müssten aber die Firmen dieses Geld erwirtschaften können. " Das ist der Punkt. Es gibt sicher Unternehmer, die den Gewinn mit Mindestlohn maximieren. Aber im Osten sind auch viele Firmen, die sind bei der Einführung des Mindestlohn fast krepiert und knappern immer noch daran. Viele Geringverdiener haben bei Einführung des Mindestlohnes 20% mehr in der Lohntüte. Es reicht trotzdem nicht viel weiter. Weil die vielen kleinen Dienstleistungen des Alltags eben auch gestiegen sind, da der Mindestlohn auf die Produkte umgelegt wurden. Das ist das Karussell, dass man mit Mindestlöhnen in Gang setzt. Man macht den Leuten was vor.

03.04.2017 00:25 Birgit Hans 1

Es ist arrogant, das Problem auf angeblich zu geringe Bildung zu reduzieren. In DDR Zeiten machte die Stasi Hochschulprofessoren zu Friedhosgärtnern und alle wissen, das war Unrecht. Heute wird man (trotz Hochschulabschluss) aus dem öffentlichen Leben weggespart , die Arge zwingt einen, sich im Billiglohnsektor als Putzfrau oder Küchenhilfe zu verdingen. Dem muss man sich als allein Erziehende dann beugen, sonst verliert man auch noch die Wohnung, schließlich hat man ( Frau) ja Verantwortung für ein Kind. Das ist auch eine Form von Unrecht und sehr erniedrigend. Die SPD hat das verbrochen und keiner nennt es beim Namen! Schröder, der Verräter (haben wir schon in der roten Schule gelernt, dass die SPD im Ernstfall die kleinen Leute verrät und mit der Macht mauschelt), hat Deutschland dem Billiglohnsektor geöffnet. Was den "kranken Mann Europas"vor dem Kollabieren retten sollte, sichert den Mächtigen höchste Profite und Millionen das Elend. An der Bildung liegt es jedenfalls nicht.