Gäste der Sendung Fakt ist stehen um einen Tisch herum.
Der Straßen- und Schienenverkehr stand bei "FAKT IST" aus Magdeburg im Mittelpunkt. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

"FAKT IST" aus Magdeburg Warum es im Verkehr hakt

Immer wieder kommt es auf den Autobahnen zu Staus – was sind die Gründe dafür und was sollte dagegen getan werden? Darum ging es am Montagabend bei "FAKT IST" aus Magdeburg. Bau- und Verkehrsexperten sehen die Politik in der Pflicht.

Gäste der Sendung Fakt ist stehen um einen Tisch herum.
Der Straßen- und Schienenverkehr stand bei "FAKT IST" aus Magdeburg im Mittelpunkt. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Investitionen in die Infrastruktur sollten schneller umgesetzt werden – das fordert der Bauindustrieverband Hessen-Thüringen. Geschäftsführerin Bettina Haase sagte am Montag in der MDR-Fernsehsendung "FAKT IST!", die öffentliche Hand habe wegen eines Personalnotstands erhebliche Probleme, vorhandenes Geld in die Straßen zu investieren. Es seien zu wenig Mitarbeiter da, um die Bauvorhaben zu planen. Allein Thüringen hat demnach im vergangenen Jahr 13 Millionen Euro Bundesmittel zurückgegeben, die nicht verbaut worden seien.

Großer Nachholbedarf

Gleichzeitig werde zudem mehr Geld benötigt, da der aktuelle Bundesverkehrswegeplan den Investitionsbedarf nicht abdecke. Aktuell seien pro Jahr 15 Milliarden Euro für Autobahnen und Bundesstraßen eingeplant. Gebraucht werden nach Ansicht von Haase aber jährlich 20 Milliarden. Der Nachholbedarf sei wegen der fehlenden Investitionen in den letzten Jahren enorm.

Die vielen Staus auf den Straßen führt Haase nicht unbedingt auf Baustellen zurück. Es gebe die Staus auch oft auf Straßen, auf denen nicht gebaut werde. Denn die Straßen seien für weniger Fahrzeuge ausgelegt, als tatsächlich unterwegs seien.

Probleme bestehen seit Jahren

Der Investitionsstau ist nach Angaben von Verkehrspolitik-Referent Phillip Kosok vom Verkehrsclub Deutschland Jahrzehnte alt. Das Problem gebe es nicht nur auf der Straße, sondern auch auf der Schiene. Der Güterverkehr sei kontinuierlich gewachsen, während das Schienennetz geschrumpft sei. Es sei viel Geld zum investieren da, man brauche aber eine klare politische Entscheidung, ob man mehr Verkehr auf der Schiene wolle. Ein Großteil des LKW-Verkehrs könne dann auf die Schiene verlagert werden.

Auch Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Speditions- und Logistikverbands äußerte sich für einen Ausbau des Güterverkehrs auf der Schiene. Dennoch habe die Schiene Schwächen. Was man im Supermarkt haben wolle, sei nicht mit schienengebundenen Transporten zu erreichen, sondern müsse mit dem LKW befördert werden. Dennoch müsse die Straße dringend entlastet werden. Die Infrastruktur kommt Huster zufolge vor allem durch die boomende Konjunktur an ihre Grenzen. Als einen weiteren Grund nannte er den Trend zu kleinteiligen Sendungen, auch durch Konsumenten-Bestellungen.

Verkehrsprognose Grafik
Der Bund geht davon aus, dass es im Güterverkehr künftig weiterhin große Zuwächse gibt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Verkehrswissenschaftler Geog Hirte von der TU Dresden sagte, die Schiene sei unterfinanziert. Darüber hinaus seien die Güterzüge viel zu kurz, weil man zu wenig Ausweichstrecken habe. Zudem brauche man europaweit einheitliche Standards. Das erfordere Zeit und Investitionen.

Phillip Kosok vom Verkehrsclub Deutschland ergänzte dazu, die Schweiz habe bereits vor über 20 Jahren begonnen, sieben Mal mehr pro Einwohner in das Schienennetz zu investieren als Deutschland. Heute profitiere sie davon. In der Schweiz fände doppelt so viel Güter- und Personenverkehr auf der Schiene statt. Die deutsche Politik aber wolle niemandem auf die Füße treten und es allen recht machen: Den Spediteuren auf der Straße genauso wie den Spediteuren auf der Schiene. Das habe zuletzt dazu geführt, dass der Güterverkehr überall gewachsen sei.

Künftig kein eigenes Auto mehr?

Für die Zukunft erwartet Kosok, dass sich der Individualverkehr deutlich wandelt. Viele Menschen seien flexibler. 2030 habe das eigene Auto womöglich für viele ausgedient. Für eine lange Strecke nähmen sie dann etwa den ICE. Um spontan in der Stadt unterwegs zu sein, buchten sie sich per App ein Car-Sharing-Auto. Da gebe es viel Potential.

In der Sendung kamen auch Mitarbeiter der Spedition Hövelmann aus Haldensleben zu Wort, die vor allem Lebensmittel für die großen Discounter transportiert. Sie sagten, auf fast allen deutschen Autobahnen gebe es katastrophale Zustände. Sie berichteten auch von Termindruck. Pünktlich sein sei wegen der Baustellen und Staus schwierig geworden.

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Dieses Thema im Programm: FAKT IST! aus Magdeburg | MDR Fernsehen | 18.09.2017 | 22.05 Uhr

Quelle: MDR/kb

Zuletzt aktualisiert: 19. September 2017, 10:59 Uhr

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6 Kommentare

20.09.2017 04:02 Enrico Pelocke 6

"Es gebe die Staus auch oft auf Straßen, auf denen nicht gebaut werde. Denn die Straßen seien für weniger Fahrzeuge ausgelegt, als tatsächlich unterwegs seien. " Damit ist die Lösung extrem einfach: Weniger Fahrzeuge müssen die Autobahnen und Straßen nutzen. In den Zügen sind oft genug Plätze frei.
Daß die Supermärkte keinen Gleisanschlüsse haben, ist nur eine faule Ausrede. Mit dem Zug können die Container bis zum nächsten Bahnhof fahren und dort abgeladen werden. Es gibt Lkw, die sich neben den Zug stellen und sich den Container auf ihre Ladefläche rüber ziehen. Das geht ohne großen Kran und egal ob elektrische Oberleitung oder nicht. Warum wird dieses System in D fast nicht genutzt? Ich bin mir sicher, das liegt an der starken Lkw-Lobby, der schwachen Schienen-Lobby und der korrupten Politik, die sich der Lkw-Lobby unterwirft.

19.09.2017 12:16 Augenwischerei 5

Wer nur ab und an auf der A2 unterwegs ist, dem wird das gestiegene Aufkommen am Lkw-Verkehr besonders deutlich vor Augen geführt. Deshalb können alle diskutieren wie und was sie wollen, nicht der Individualverkehr ist das Problem, sondern der vermeintlich billigere Warentransport auf der Straße gegenüber der Bahn. Laut einem Bericht wurde unter der jetzigen Regierung "die Schiene" teurer und die Maut gesenkt. In Österreich muß alles außer verderbliche Ware per Bahn transportiert werden. Wer dagegen verstößt zahlt ein Bußgeld. In Deutschland transportieren wir halb gefüllt Tüten und Kartons. Es ist einfach nur krank: Wirtschaftswachstum ./. Sterben auf der Autobahn.

19.09.2017 12:00 Werner 4

"Hoher Investitionsbedarf...beschädigte Brücken - Von den rund 36.000 Brücken im Netz der Bundesfernstraßen befinden sich mehr als 14.000 in einem gerade noch ausreichenden, kritischen oder sogar ungenügenden Zustand. Das berichtet die Bild"-Zeitung unter Berufung auf eine Vorlage des Bundesverkehrsministeriums für den Rechnungsprüfungsausschuss.. ..noch 68 Prozent aller Brücken ohne jede Einschränkung von üblichen Fahrzeugen befahrbar... Das Finanzministerium beziffert den Investitionsbedarf auf 34,4 Mrd. Euro bis 2015.. um den STANDARD der Brücken auf Bundesstraßen wenigstens zu HALTEN.. so die "Bild"-Zeitung.
Das Bundesverkehrsministerium wies den Bericht zurück. Lediglich bei 4.500(*) Brücken müssten in absehbarer Zeit Maßnahmen ergriffen werden, um sie dauerhaft zu erhalten." N-TV 22.10.2003 -->
"SZ" 12.02.2015 "Dem Bundesverkehrsministerium zufolge sind 6000(*) von insgesamt 39 000 Fernverkehrsbrücken in Deutschland marode..."
(*) Meine Hochachtung. Gute Arbeit! Absicht??

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT
Was ist genau die Frage? Sie zitieren Zahlen aus dem Jahr 2003 und 2015.

19.09.2017 11:49 Ich schlage vor: 3

Wenn die Auto- und Baulobby schon die MDR-Sendung zur freien Verfügung hat, soll sie sie auch bezahlen. Ich bin es stockleid, wie ein Volldepp auch noch zu finanzieren, was mir Interessennehmer und als "Experten" verkaufte Lobbyisten und Funktionäre als "Journalismus" zu verkaufen versuchen. Mitsamt der tatsächlich überaus überraschenden Erkenntnis, die "Politik sei in der Pflicht".

Die Politik ist in der Tat in der Pflicht. Der Pflicht nämlich, einen seit Jahrzehnten überfälligen Paradigmenwechsel in der Verkehrs-, Raumordnungs-, Bau-, Ordnungs- und Verkehrsrechtspolitik endlich konkret, nachhaltig und konsequent einzuleiten. Und dieser Paradigemenwechsel kann ganz sicher nicht so aussehen, wie sich ein Lobbyistenstosstrupp der Herrschenden Verhältnisse das in einem öffentlichrechtlichen Sendeformat "vorstellt".
Und ich darf hinzufügen: Auch der "Qualitätsjournalismus" der Zukunft wird ganz sicher nicht so aussehen, wie die Sendung "Fakt ist" (sic!).

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:

Niemand hat bei uns Sendungen zur freien Verfügung, wenn das Ihr Eindruck ist, dann tut uns das leid. Unsere Haltung ist eine andere.

19.09.2017 11:02 Transport kostet nichts 2

Ha, ha, ha,
der ALDI hat keinen Gleisanschluss und deshalb müssen einzelne Container auf der Straße von Malmö nach Madrid kutschiert werden. Selten so gelacht.
Das LKW-Gewerbe muss sich langsam mal was anderes ausdenken, um die eigene Existenz zu begründen.

19.09.2017 10:08 Elfriede 1

Als ersten Schritt ein LKW Überholverbot auf der Autobahn festlegen.
Als Pendler sieht man ständig, das durch ein Elefantenrennen der Verkehr wie ein Pfropfen ausgebremst wird.
Wenn dann noch ein Fernbus dazu kommt und dann auf der linken Spur den Verkehr mit Tempo 108Km/h ausbremst, werden die ersten Aggressiv.

Wenn die LKW nicht mehr überholen können / dürfen, müssen die LKW sich auch nicht mehr so dicht im Windschatten des Vorderman ransaugen um dann ohne Rücksicht per Blinker und gleichzeitigen Spurwechsel in die Mitte den anderen Verkehr zu gefährden.

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