Stadionansicht in Magdeburg
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Fußball | 3. Liga FCM erwägt Ausschluss von Hansa-Fans

Normalerweise stehen Gastvereinen in der 3. Liga zehn Prozent des Kartenkontingents für ihre Fans zur Verfügung. Der 1. FC Magdeburg will nun offenbar überhaupt keine Gästefans beim Spiel gegen Hansa Rostock zulassen und einen Ausschluss der Gästefans beantragt. Die Rostocker Anhänger laufen Sturm und bekommen Unterstützung von ihrem Verein. Auch die Magdeburger Ultras bieten Hilfe an.

Stadionansicht in Magdeburg
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Die Fans von Hansa Rostock müssen beim Traditionsduell gegen den 1. FC Magdeburg am 5. März wohl draußen bleiben. Polizeisprecher Mike von Hoff sagte MDR SACHSEN-ANHALT, der FCM erwäge einen Ausschluss der Gästefans. Zuvor hatten sich Verein, Polizei und die Stadt Magdeburg auf diesen Schritt geeinigt. FCM-Sprecher Norman Seidler betonte, es handele sich lediglich um eine Empfehlung der Polizei. Endgültig entschieden sei noch nichts. Man befinde sich noch in Gesprächen. Wann es eine verbindliche Entscheidung gibt, konnte Seidler nicht sagen.

Begründet wurde der Schritt mit Sicherheitsbedenken und Gefahrenprognosen. Übersetzt heißt das wohl: Im Hinspiel gab es Ausschreitungen. Während FCM- und BFC-Dynamo-Hooligans vor dem Stadion eine Schlägerei anzettelten, flogen während des Spiels Feuerwerkskörper aus der Rostocker Kurve in den Gästeblock. Nun befürchten die Sicherheitsinstitutionen offenbar, dass sich diese Szenen wiederholen könnten.

Hansa
Während des Hinspiels kam es in Rostock zu Ausschreitungen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bereits am Montag hatte Matthias Kahl, Sicherheitsbeauftragter des FCM, den Fanbeauftragten von Hansa Rostock über einen möglichen Ausschluss informiert. Dieser gab die Info offenbar an Fanvertreter weiter, die einen Sonderzug zum Auswärtsspiel nach Magdeburg organisieren wollten. Die Hansa-Anhänger laufen im Internet Sturm gegen diese Entscheidung. Der Verein "Fanszene Rostock e.V." kündigte an, am Spieltag in Magdeburg demonstrieren zu wollen, sollte die Entscheidung tatsächlich bestand haben.

2.000 Hansafans bei Demo auf Sankt Pauli

Dabei werden Erinnerungen an ein Hansa-Gastspiel in Hamburg wach. Im April 2012 musste der FCH beim FC Sankt Pauli antreten. Auch hier durften auf Polizeigeheiß keine Gästetickets verkauft werden. In der Folge versammelten sich am Spieltag etwa 2.000 Hansafans und demonstrierten friedlich in der Nähe des Millerntorstadions für Fanrechte und das ihnen laut DFB-Statuten zustehende Kartenkontingent. Ähnliches ist am 5. März auch in Magdeburg zu erwarten.

Hansa will sich wehren

Hansa Rostock Fußballfans halten am Sonntag (22.04.2012) in Hamburg Transparente, Fahnen und Schilder hoch. Anlass ihrer Demonstration ist ein Kartenverkaufsverbot für FC Hansa Anhänger für das heutige Zweitliga Fußballspiel gegen den FC St.Pauli.
Vor vier Jahren demonstrierten Hansa-Fans auf Sankt Pauli gegen einen Gästeausschluss. Bildrechte: dpa

Hansa Rostock hat ebenfalls angekündigt, sich die Entscheidung nicht gefallen zu lassen und will seinen Fans zur Seite stehen, sollte sich das Gerücht bestätigen. Offiziell informiert worden waren die Hanseaten am Montag zumindest noch nicht.

Auf seiner offiziellen Facebookseite erklärte der Verein: "Uns liegen keine offiziellen schriftlichen Informationen zur Kartenvergabe vor - weder durch den 1. FC Magdeburg noch durch die Sicherheitsbehörden. [...] Sollte es tatsächlich der Fall sein, dass uns keine Karten zur Verfügung gestellt werden, wäre dies ein ungeheuerlicher und inakzeptabler Vorgang und spräche nicht für einen professionellen partnerschaftlichen und fairen Umgang unter den Vereinen. Wir werden im Fall der Fälle alle Möglichkeiten ergreifen, uns gegen diese nicht nachvollziehbare Entscheidung zu wehren."

Magdeburger Fans solidarisch

Fans des 1. FC Magdeburg
Die Magdeburger Ultras rufen zu Solidarität auf. Bildrechte: IMAGO

Unterstützung bekommen die Hansafans auch von unerwarteter Seite. Die "Blue Generation", Haupt-Ultra-Gruppierung des FCM, kündigte an, den Rostockern eigenmächtig Karten zur Verfügung stellen zu wollen, sollte Hansa tatsächlich keine Gästetickets bekommen. Das ist besonders pikant, da der Heimbereich im Magdeburger Stadion für das Spiel bereist ausverkauft ist. Eine Fantrennung wäre dann nicht mehr möglich.

Auf ihrer Internetseite erklären die Ultras ihr Vorgehen: "Macht dieses Beispiel Schule, können wir uns auch für das Heimspiel gegen Dynamo Dresden und darüber hinaus auf diese Vorgehensweise einstellen. Zudem kann auch die Fanszene des 1. FC Magdeburg zukünftig von Gästeausschlüssen betroffen sein." Um das zu verhindern, seien alle Clubfans zu Solidarität aufgerufen.

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2016, 11:09 Uhr

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43 Kommentare

17.02.2016 11:34 HRO73 43

Ich bin absolut dafür, das lächerliche Angebot von 700 Karten abzulehnen! Entweder das volle Kontingent, oder nichts. MD hatte bei uns auch den Block voll und konnte die Mannschaft in voller Stärke supporten. Das Verhalten seitens des Vereins FCM ist das Allerletzte. Aber irgendwie durfte man nach so einigen Aussagen von dort nach dem Auftritt bei uns in Rostock wohl auch nicht mehr erwarten. Respekt für die Anhänger des FCM, die es auch nicht akzeptieren und hinnehmen. Das kann der Beziehung zwischen den Fanlagern nur guttun.

17.02.2016 08:22 sissi 42

39. BWGWBG:
Na bitte, es werden doch 700 Karten für die Hansafans! Ich freue mich auf den Besuch aus Rostock und eine geile Stimmung im HKS! Viele Grüße aus MD an die Küste!---------------------
guter Wille aber falsches Zeichen!!!!!!!!!!!!!
Was ist mit den 10% für Gästefans???????????
Gehen in Magdeburg nur 7000 Zuschauer rein???? Eine Posse dieses Vorgehen des 1.FCM, Keine Karten annehmen sondern Demonstrieren!!! Das Friedlich und zusammen!!!

16.02.2016 23:36 Frank.g. 41

Mit der Entscheidung auf verzicht der GästeFans kapituliert der Verein und die Polizei. Wegen ein paar Idioten müssen zigtausend Fans auf eine geile atmosphäre verzichten.vielleicht sollten die Fans mal das ein oder andere Spiel boykottieren. Wenn durch die verkauften Karten nichts mehr rein kommt denkt der Verein sehr schnell um..Denn ohne Moos nichts los.

16.02.2016 21:56 BWGWBG 40

Jetzt fehlt noch die Verbrüderung beider Fanlager am 5.3., eine 4-Tribünenchoreo mit den Hansaanhängern und ein gemeinsamer Fanschal als Erinnerung, dann ist der Fussballhimmel blau-weiß und die Kritiker der Ultraszene sind stumm! Nee, ehrlich friedliche Partys mit ordentlicher und fairer Rivalität sind das Beste was sich der Fußballfan wünschen kann. Ich musste fast 40 werden, um zu erfahren, dass es zwischen Hansa und dem FCM eine angebliche Feindschaft gibt. Ist nur merkwürdig, dass sich die 80er Jahre Althools und Jungs, die 1991 nicht mal geboren waren bei solch einem Quatsch zusammenfinden. Als Liebhaber des Ostfussballs der 90er und 2000er Jahre, waren wir doch alle in meiner Generation irgendwie Hansaanhänger, so wie es unter den heutigen FCM Fans auch Bayern-, Dortmund- oder HSV-Anhänger für das Oberhaus gibt!

16.02.2016 20:53 BWGWBG 39

Na bitte, es werden doch 700 Karten für die Hansafans! Ich freue mich auf den Besuch aus Rostock und eine geile Stimmung im HKS! Viele Grüße aus MD an die Küste!

16.02.2016 20:43 Andreas Finzelberg 38

Ich bin seit 1972 großer 1.FCM Fan, aber so etwas wie heute habe ich noch nie erlebt. Kabbeleien gab es immer schon. Ein Ausschluss von Gästefans ist nicht zu akzeptieren, dass schürt immer mehr Haß und Gewalt unter den Fans. Es sollte unsere große FCM Fangemeinschaft mal ein Zeichen setzen, der DFB würde abkotzen (die Strafen gerechter verteilen): Hansa-Fans inmitten der FCM-Fans (Vorschlag der Ultras, find ich prima) und alle singen im Wechselgesang, wie wir das jetzt schon prima hin bekommen, nur dann eben mit Gästefans.

16.02.2016 20:30 Cornelia Müller 37

Nochmals zu 29: Korrektur: statt Überfall war natürlich überall gemeint. Sorry

16.02.2016 19:54 Cornelia Müller 36

Zu 29: Im Prinzip gebe ich Dir Recht, zu jedem Spiel gehören Gäste-Fans. Die Betonung liegt eindeutig auf Fans hüben wie drüben. Aber leider gibt es eben viel zu oft und Überfall einige Unverbesserliche. Da man diese aber fast nie ausfindig machen kann, wen wundert es da, dass man nun zu solch drastischen Maßnahmen greift?! Mit dem Zwangsabstieg schießt Du allerdings übers Ziel hinaus. Es dürfte doch wohl auch Dir bekannt sein, dass das "letzte Wort" immer die Polizei hat. Sie bestimmt schließlich auch, an welchen Tagen manche Spiele ausgetragen werden. Die Vereine müssen das dann so hinnehmen. Traurig genug, dass Fußballspiele nur mit Polizeieinsätzen möglich sind! Also, warum sollen am Ende hier die Vereine bestraft werden? Bestraft werden sollten die, die uns das Ganze eingebrockt haben, aber die lachen uns am Ende noch aus und machen vielleicht immer so weiter...

16.02.2016 16:15 jürgen sevecke 35

Beim Spiel in Rostock haben Magdeburger mit dem anzünden einer Hansafahne begonnen. Warum,sowas ist das aller letzte.Warum sollen also keine Gästefans ins Station.

16.02.2016 15:31 wwdd 34

PROPYRO!!!