Portraitfoto von Mohammed Camara
Bildrechte: MDR/Holger Lühmann

Flüchtling Camara "Ich bin jung, habe studiert, aber darf nicht arbeiten"

In Deutschland leben aktuell so viele Flüchtlinge wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Die Krisen in Westafrika und in Nahost treiben Asylsuchende auch nach Sachsen-Anhalt. Doch wie diese Menschen während ihres Asylverfahrens leben, wissen die wenigsten. Mohamed Camara kommt aus Mali. Trotz eines Arbeitsverbots engagiert er sich sozial.

von Holger Lühmann, MDR SACHSEN-ANHALT

Portraitfoto von Mohammed Camara
Bildrechte: MDR/Holger Lühmann

Ich treffe Mohamed Camara in Magdeburg bei seiner deutschen Verlobten. Sie wohnt als Studentin in einem autonomen Zentrum. Mohamed Camara ist nicht oft hier, er lebt eigentlich in Harbke. Die ehemalige NVA-Kaserne dort bietet Platz für über 300 Asylsuchende. "Ich habe dort zehn Monate verbracht. Das Heim ist sehr isoliert und weit weg. Das war sehr schwierig für mich."

Mohamed Camara ist seit zwei Jahren in Deutschland. Doch nun droht dem 26-Jährigen die Abschiebung. Dabei hält er seinen Antrag auf Asyl für absolut notwendig.

Ich darf nur im Heim bleiben, dabei bin ich jung. ich kann arbeiten, ich habe drei Jahre Jura studiert. Wieso muss ich immer im Heim sein ohne gar nichts zu machen. Und im Gesetz steht: Wenn Du schon neun Monate in Deutschland bist, darfst Du arbeiten.

Mohamed Camara

Ein moderner Muslim, der sich Deutschland und der Kultur hier nicht verschließt, doch gerade am Anfang Probleme mit der Sprache hatte: "Ich war im Büro in Harbke und ich fragte, 'ist jemand da, mit dem ich auf Englisch reden kann oder auf Französisch?' Und sie sagten: 'Nein, wir sind hier in Deutschland.' Ok, ich sagte, dass ich verstehe. Jetzt will ich einen Deutschkurs besuchen. Und sie sagten, 'nein das geht nicht.' Was ist das? Ich darf keinen Deutschkurs machen, aber wie soll ich dann Deutsch lernen?"

"Ich wollte Deutsch lernen, aber einen Sprachkurs gab es nicht"

Dies ist ein gesetzliches Problem: Ausländerbehörden haben keine Geldmittel, um Asylsuchenden Deutschkurse zu bezahlen. Mohamed Camara musste sich die Sprache selbst beibringen: "Ich habe ein Buch gekauft und ich habe selber versucht, zuhause Deutsch zu lernen - ohne Hilfe von außen, von der Ausländerbehörde oder dem Sozialamt. Und nach acht Monaten konnte ich sprechen und schreiben. Also habe ich selber meine Integration gemacht."

Doch schnell spürte er die Grenzen seiner Bemühungen. Wie alle Asylsuchenden erhält er nur ein kleines Taschengeld, ein eigener Verdienst wird ihm verboten.

Ich darf nur im Heim bleiben, dabei bin ich jung. ich kann arbeiten, ich habe drei Jahre Jura studiert. Wieso muss ich immer im Heim sein ohne gar nichts zu machen. Und im Gesetz steht: Wenn Du schon neun Monate in Deutschland bist, darfst Du arbeiten.

Mohamed Camara

Dieses Gesetz gibt es zwar, doch Ausländerbehörden finden immer wieder Schlupflöcher. Unbezahlte Arbeit hingegen kann Mohamed Camara annehmen. Darum bringt er Schulkindern Afrika nahe. Alles ehrenamtlich. "Ich habe gefragt, was wisst Ihr über Afrika? Und sie sagten: Das ist ein warmer Kontinent, es gibt Elefanten und Giraffen. Und ich: Ja natürlich. Aber es gibt eine andere Seite von Afrika. Und nach dem Projekt konnten die Kinder 15 Länder in Afrika nennen und zeigen. Mit meinem Projekt versuche ich, Vorurteile zu verändern."

Für dieses Engagement wurde Mohamed Camara in Halle mit dem Freistil-Jugendpreis ausgezeichnet. Sein Beispiel zeigt, wie Asylsuchende unser Land bereichern können. Es zeigt aber auch den Verlust für Mali. Denn oft ist es die Jugend, die ihr Heimatland verlässt, weil sie dort verfolgt wird oder keine Zukunft für sich sieht.

Zuletzt aktualisiert: 07. Oktober 2015, 14:13 Uhr

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21 Kommentare

18.09.2014 06:59 James 21

@17 Alle über einen Kamm zu scheren, ist auch keine Lösung. Ich kenne genug Ämter und deren Mitarbeiter die bürgerfreundlich und Bürgern arbeiten. Dafür bekommen diese dann von der über ihnen stehenden Stelle einen Rüffel, weil sie alles richtig gemacht haben. Andererseits gibt es auch Ämter, die sich auf den Grundsatz:"Amtssprache ist deutsch." zurückziehen.Dies hilft niemanden. Ich frage mich mittletweile, ob einige Kommentatoren hier, die Diskussion auch öffentlich führen würden, ohne die Anonymität des Netzes...

17.09.2014 20:05 Su 20

Es ist ganz gut so, das die Asylbewerber hier nicht arbeiten dürfen! Man darf und sollte niemals vergessen, das auch Deutsche Bürger in äußerster Armut leben müssen und diese nicht einfach so auswandern können!!! Siehe Hartz IV und co.

17.09.2014 18:29 reiner 19

Hätten wir Einwanderungsgesetze wie Kanada oder Neuseeland wäre das Problem schon längst gelöst. Deutsche, welche auswandern, müssen sich an die Gesetze der jeweiligen Einwanderungsländer halten.

17.09.2014 17:45 Sebastian 18

Jetzt mal wieder auf die Sachebene bitte! Der Mann spricht allem Anschein nach Deutsch, Französisch und Englisch! Er arbeitet in einem Projekt mit Schulkindern!! WIR SUCHEN LEHRER IN DEUTSCHLAND!! Vor allem für Naturwissenschaften und FREMDSPRACHEN!! Aufgrund des Lehrermangels fördern wir Quereinsteiger! Also was gibt es noch groß zu reden?! Stückweise Eingliederung als Lehrer für Englisch und Französisch! Das nennt man dann eine win-win-Situation!

17.09.2014 17:31 jane Doe 17

In Deutschland gibt es mehr Bürokratie als Demokratie. Dei Ämter sind ein Staat im Staat.

17.09.2014 16:33 barca 16

An die Redaktion: Danke das Mattotaupa sich hier über alles und vor allem an jeden wenden kann. Dies auch oft unterhalb der berühmten Gürtell.......Nur umgedreht ihm oder ihr zu antworten, lassen sie nicht zu. Das ist gelebte Demokratie in Deutschland, sowie ihre Toleranz in den Medien.

17.09.2014 16:18 steffen 15

Es ist schon interessant, dass die Kommentare einer Susan offensichtlich immer durch eine Kontrolle des MDR gelangen, während Gegenkommentare einfach gestrichen werden.

17.09.2014 15:36 Klaus Weber 14

7. Susan: Mir und sicher vielen anderen geht kaum jemand so auf die Nerven wie Sie und der Unsinn den Sie hier verbreiten. Ich fühle mich durch Sie belästigt!!!

17.09.2014 12:11 Nein. 13

@7. Susan: "@Nico: Sie hauen hier mit billigen Stammtischparolen um sich. [...] 3. ist der Westen nicht unschuldig an den desaströsen Zuständen in Afrika." Das ist nicht minder eine Stammtischparole: Jemand VERkauft diese Ressourcen, jemand sorgt vor Ort für die Durchsetzung der "westlichen Interessen" usf.. Das Problem liegt nicht (mehr) in der Kolonialvorgeschichte - die Probleme liegen durchaus vor allem vor Ort. Tribalistische Ordnungsvorstellungen, eine fest institutionaliserte Korruption, eine grossenteils vormoderne Weltsicht, starke Religiösität mit entsprechenden politischen Vorstellungen undundund. Daß diese Sachverhalte skrupellos ausgenutzt werden, versteht sich von selbst. Und von den Ursachen ganz abgesehen: Die Vorstellung, "wir" (sic!) könnten durch globale Migration an bestimmte Zivilisations-Hot-Spots diese Problemlagen lösen ist eine sehr schlichte quasireligiöse Illusion.

17.09.2014 12:04 steffen 12

In Deutschland werden in diesem Jahr ca. 200 000 Flüchtlinge (Asylbewerber) erwartet. In der Mehrzahl sind das junge Männer ohne jeglichen Beruf. Was sollen diese Leute in Deutschland machen? Auf dem Arbeitsmarkt wird es für deutsche Arbeitssuchende in diesem Bereich schon eng.