Sachsen-Anhalt

MDR INFO | Exklusiv : Pro & Contra zum Genweizen-Versuch

Im Bördekreis ist die bislang größte Anpflanzung von gentechnisch manipuliertem Weizen auf freiem Feld in Deutschland geplant. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit genehmigte dazu einen Antrag des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung. Demnach darf bis 2014 auf 10.000 Quadratmetern gentechnisch veränderter Weizen angebaut werden. Der Versuchsweizen soll deutlich höhere Erträge liefern. Die Aussaat könnte beginnen, sobald der Boden frostfrei ist.

Ein zerstörtes Versuchsfeld mit gentechnisch verändertem Weizen

Pro

Das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben verteidigt den Gen-Weizenversuch in Üplingen in Sachsen-Anhalt. Sprecher Roland Schnee sagte MDR INFO: "Wir bauen dort Winterweizen mit einer gentechnischen Veränderung aus der Gerste an. Versuche in Gewächshäusern haben Kornertragsersteigerungen um bis zu 30 Prozent gezeigt." Das sei ein gewaltiger Sprung. Bei herkömmlicher Züchtung lägen die Ertragssteigerungen im niedrigen einstelligen Bereich.

Das Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben
Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben

Schnee erläutert: "Wir wollen diese Steigerungen in verschiedenen Kreuzungslinien überprüfen. Für uns als Forschungsinstitut ist natürlich besonders interessant, worin die Ursache für diesen Ertragssprung liegt." Es gehe vor allem um das Verständnis der Wirkungsmechanismen, sagte Schnee. "Wir zielen nicht unbedingt auf einen Brotweizen höherer Qualität ab." Vielmehr sei das Grundlagenforschung, ob dieses gentechnische Konstrukt aus der Gerste in vielen verschiedenen Weizenlinien funktioniere.

Schnee ist sich der Vorbehalte in Deutschland und Europa gegen Gentechnik bewusst. Dennoch müssten Möglichkeiten für Ertragssteigerungen erforscht werden, weil sie für die Zukunft und Ernährung der Menschheit von Belang sein könnten. "Wir sollten nicht nur kurzfristig sehen, dass wir in einem Land leben, wo wir uns ausreichend ernähren können."

Contra

Die Arbeitsgemeinschaft Bäuerische Landwirtschaft e.V. lehnt den geplanten Gen-Weizenversuch im Bördekreis ab. Sprecherin Annemarie Volling sagte MDR INFO, das Bundesamt für Verbraucherschutz verstoße mit der Genehmigung gegen seine eigentliche Aufgabe - den Schutz der Bürger. "Wir glauben, dass das Bundesamt eher im Sinne der Gentechnik-Industrie oder von Instituten entscheidet."

Volling warnt, es gehe nicht um Futtergetreide, sondern um Lebensmittelweizen. "In diesem Fall ist es so, dass der Weizen in seinen Inhaltsstoffen erheblich verändert wurde - nämlich die Aminosäurezusammensetzung. Was aber genau mit dieser Pflanze passiert, das hat uns das IPK noch nicht verraten." Volling zufolge wurde das auch noch nicht untersucht, dazu gebe es keine Daten. "Und bevor man das nicht weiß, gehört es nicht in die freie Natur." Die Vereinssprecherin betonte, dass es auf dem Acker trotz der Abschirmungsmaßnahmen immer die Möglichkeit der Auskreuzung auf nicht genveränderte Pflanzen gebe. Das lasse sich letztlich nicht verhindern.

Außerdem hält Volling den Versuch für überflüssig. In Deutschland gebe es ausreichend gute Weizensorten. Den Hungernden helfe der Gen-Weizen auch nicht, weil die Konzerne den Bauern dort keine Nachnutzung des Saatgutes erlaubten. Gentechnisch verändertes Getreide sei für die Entwicklungsländer vielmehr ein großes Problem. "Wenn man ihnen Industriesorten aufzwingt und sie nicht ihre regional angepassten Sorten weiterverwenden können, hilft das nicht, um den Welthunger in den Griff zu bekommen."

Zuletzt aktualisiert: 08. Dezember 2012, 11:35 Uhr

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