Ein Mann sitzt in einer Küche mit dem Rücken zur Kamera – er will nicht erkannt werden.
Bildrechte: MDR/Anja Walczak

Krankhaftes Übergewicht Mit Operation gegen Fettsucht

Wer fettsüchtig ist, ist krank. Viele Übergewichtige sehen eine Magenverkleinerung als einzigen Ausweg. Doch ist eine Operation die Lösung? Ein Betroffener hat seine Geschichte erzählt.

von Anja Walczak, MDR SACHSEN-ANHALT

Ein Mann sitzt in einer Küche mit dem Rücken zur Kamera – er will nicht erkannt werden.
Bildrechte: MDR/Anja Walczak

Nennen wir ihn Peter S. Er will anonym bleiben. Denn mit Fettsucht offen umzugehen, ist für Betroffene schwer. Als Kind war er dick. Als Erwachsener stark übergewichtig. Er litt unter Vereinsamung. "Die Leute gucken einen schief an auf der Straße, man traut sich nicht mehr raus, weil man eigentlich nur auf Ablehnung stößt", erzählt er MDR SACHSEN-ANHALT.

Peter S. ging nur noch zur Arbeit, dann einkaufen und wieder nach Hause. Sein Essverhalten steuerte einer Katastrophe entgegen, meint er rückblickend. Zwei Döner hintereinander seien keine Seltenheit gewesen. Das Gefühl, abgelehnt zu werden, habe viel Frust verursacht. Und der habe sich wieder beim Essen entladen. Wer sich so zurückzieht, hat kaum noch Sozialkontakte.

Übergewichtiger
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Übergewichtiger
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Ausweg Operation?

Zwei Millionen Menschen in Deutschland geht es ähnlich wie Peter S. Sie leiden an Fettsucht, "Adipositas" ist der Fachbegriff dafür. Doch wie kommt man aus dieser Spirale wieder heraus? Das können Betroffene, Angehörige und Interessenten in Halle an diesem Sonnabend erfahren – beim europaweiten Aktionstag zu Adipositas. Fachärzte und Selbsthilfegruppen informieren im Diakoniekrankenhaus Halle, zum Beispiel über Behandlungsmöglichkeiten wie die Magenverkleinerung.

Auch Chirurg Dr. Frank Weigmann, der seit vielen Jahren Operationen am Magen durchführt, ist dabei. Seiner Ansicht nach lässt sich durch Magenverkleinerungen das Grundproblem durchaus lösen. Ohne Operation sei es schwierig: "Wenn die Magenverkleinerung nicht da ist, dann ist es so, dass das Sättigungsgefühl nicht einsetzt, und das führt dann immer wieder dazu, dass die Betroffenen nicht aufhören können zu essen."

Operationen allein könne das Problem nicht lösen

Eine Magenverkleinerung wirke wie eine natürliche Bremse. Doch bevor Krankenkassen so eine Operation finanzieren, müssen Betroffene nachweisen, dass sie tatsächlich krankhaft fettsüchtig sind. Ärztliche Atteste müssen bestätigen, dass keine Diäten mehr helfen und man mit Sport das Problem nicht in den Griff bekommt.

Ein Arzt sitz an einem PC und arbeitet.
Dr. Frank Weigmann führt seit vielen Jahren Magenverkleinerungen durch. Bildrechte: MDR/Anja Walczak

Doch eine Operation allein könne das Problem nicht vollständig lösen. Denn Adipositas habe verschiedene Ursachen, kann zum Beispiel mit Diabetis zusammenhängen. Inzwischen ist klar, dass es sich bei Adipositas um eine chronische Erkrankung handelt. Veränderungen in der Ernährung, das Essverhalten, aber auch genetische Veranlagungen spielen eine Rolle. Natürlich habe nicht jeder Übergewichtige eine Fettsucht. Doch spätestens bei Begleiterkrankungen sollte man hellhörig werden, sagt Facharzt Dr. Frank Weigmann: "Warnsignale sind zum Beispiel Diabetes, Fettwerte, die im Blut nachgewiesen werden, Gelenkschmerzen."

"Du darfst nicht so viel fressen, dann bist du nicht so fett"

Peter S. hat jahrelang um so eine Operation gekämpft. Vorausgegangen war ein Schlüsselerlebnis: "Vor dem Supermarkt kam mir ein älterer Mann entgegen, schaute mich an und sagte mir ins Gesicht, du darfst nicht so viel fressen, dann bist du nicht so fett." Ein Schock für Peter S. Er wog 200 Kilo und litt unter Gelenkschmerzen. Bei ihm wurden Diabetes und hohe Fettwerte im Blut nachgewiesen. Die Krankenkasse zahlte die Operation.

Ein Mann sitzt auf einer Parkbank mit dem Rücken zur Kamera – er will nicht erkannt werden.
Peter S. ist auch nach der Magenverkleinerung noch übergewichtig. Bildrechte: MDR/Anja Walczak

Nach der OP musste der 50-Jährige sein Essverhalten komplett umstellen. Denn sein Magen ist nun so klein, dass gerade noch eine Banane hineinpasst. Ein Döner reicht jetzt für vier Mahlzeiten. In Restaurants bestellt er sich mittlerweile nur noch Vorspeisen – und ist satt.

Peter S. hat 70 Kilo abgenommen. Seine Beschwerden haben sich nun alle gebessert.

Zwar gilt er Peter S. immer noch als übergewichtig. Doch er traut sich wieder unter Menschen: "Man lebt besser, man fühlt sich besser." Klar ist aber auch, dass so eine Operation kein Problemlöser für die Seele ist. Doch Peter S. hat Gleichgesinnte bei der Paritätischen Selbsthilfekontaktstelle Halle-Saalekreis gefunden. Langsam aber sicher kehrt sein Selbstbewusstsein zurück.

Dieses Thema im Programm: MDR um 11 | 19.05.2017 | 11:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 19.05.2017 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 20.05.2017 | 10:40 Uhr

Quelle: MDR/lk/kn

Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2017, 12:06 Uhr

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3 Kommentare

20.05.2017 17:10 A. 3

@Aus Erfahrung in der Familie kann ich sagen, dass eine Magenverkleinerung zu einer drastischen Gewichtsabnahme führt, aber nach 3 Jahren kann man schon wieder 15 Kilo drauf haben und der Appetit wächst, weil der Schlauchmagen sich wieder dehnt und eine ansehnliche Portion hineinpasst. Also, da muss man hinterher sehr eisern sein, denn so ganz ohne ist die OP nicht. Esssucht hört nicht einfach auf...Der Kopf ist wichtig, da kann man noch so schlau sein, es ist eine Sucht sie jede andere stoffliche.Z.B. Nikotinsucht, Alkoholsucht.

19.05.2017 14:31 simone rohde 2

der bericht spiegelt mein leben wieder,ich habe 220 kg vor der ob auf der wage gebracht .mein op war 2006 ich wiege jetzt 107 kg ,arbeite wieder und bin jeden artz und schwester dankbar das ich dieses leben wieder habe.ein möchte ich noch sagen,geht auf den menschen zu die übergewichtig sind und fragt warum und beleidigt sie nicht.liebe grüsse aus rostock

19.05.2017 13:41 Oma Gitte 1

Dennoch ist das Essverhalten Kopfsache.