Carolin Schulze
Carolin Schulze studiert an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. Bildrechte: Carolin Schulze

Auszeichnung für Studentin in Halle Falscher Hase soll Ernährungsprobleme lösen

Carolin Schulze, Studentin an der Burg Giebichenstein in Halle, macht Falschen Hasen aus Mehlwürmern. Sie will damit den Hunger der Welt bekämpfen und bekommt dafür eine Auszeichnung nach der anderen.

Carolin Schulze
Carolin Schulze studiert an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. Bildrechte: Carolin Schulze

Eigentlich ist Falscher Hase ein Hackbraten aus dem Ofen, der überhaupt nicht aussieht wie ein Hase. Anders bei dem von Carolin Schulze. Die Studentin von der Burg Giebichenstein Kunsthochschule hat ein Gericht entwickelt, das in Gestalt eines kleinen frittierten Häschens auf dem Teller sitzt. Sie nennt es "Falscher Hase/Bugs Bunny" und es könnte die Ernährungsprobleme der Welt lösen. Am Montag wird Carolin Schulze dafür beim bundesweiten Wettbewerb "Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen" geehrt. Das Projekt der Bundesregierung soll zeigen, wie ideenreich Deutschland ist.

Insekten als Fleischersatz von morgen

Falscher Hase
Frisch vom Drucker auf den Teller – der Falsche Hase von Carolin Schulze. Bildrechte: Carolin Schulze

Die Idee zum Falschen Hasen kam Carolin Schulze an der Burg Giebichenstein, als es um 3-D-Drucker ging. Sie wollte aber nicht, wie sonst üblich, Kunststoff verarbeiten, sondern Insekten als Lebensmittel. Denn sie sieht in Insekten die Lösung für die Hungersnöte auf der Welt. Schließlich seien Insekten nahrhaft, lieferten viel Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe.  

Für Carolin Schulze war der Falsche Hase zunächst eher ein Kunstprojekt, ein Experiment. Sie sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Mit dem Design-Preis, den ich erhalten habe, wurde das dann ein Selbstläufer und es entstand ein Medienhype. Aber natürlich freue ich mich über die Auszeichnung und es ist eine Ehre."

Falscher Hase aus dem 3-D-Drucker

Der Falsche Hase von Carolin Schulze ist ein Brei aus Mehlwürmen, Kartoffeln und Gewürzen. Sie zerkleinert die Mehlwürmer zunächst in einem Mixer. Damit die Masse eine bessere Konsistenz bekommt, kommen noch gekochte Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch und Salz dazu. Die ersten Verkoster waren Freunde und Bekannte. Und die seien begeistert gewesen, sagte Carolin Schulze. Der Brei schmecke nussig-mild. Beim Würzen habe sie sich an Falafel-Rezepten orientiert.

Ein 3-D-Drucker druckt einen falschen Hasen.
Der Drucker produziert den Hasen aus einem Brei aus Mehlwürmern. Bildrechte: Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

Mit einem 3D-Drucker wird die Masse dann in Bratenform gebracht und fritiert. Der Mehlwurmbrei kann aber auch ganz einfach in der Pfanne gebraten werden. Carolin Schulze hofft, dass sich durch die Hasenform auch Europäer dazu entschließen, Insekten zu essen.

Der Grund für den Erfolg des Projektes liegt, glaube ich, in der Kombination von Technik und dem Thema Essen. Der 3-D-Drucker ist eine boomende kommende Technik und auch Essen interessiert jeden. Deswegen hat das Projekt so eine Aufmerksamkeit erhalten.

Bereits viele Auszeichnungen für den Falschen Hasen

Carolin Schulze ist für ihre Idee bereits mit dem Bundespreis Ecodesign 2015 in der Kategorie Nachwuchs ausgezeichnet worden. Außerdem erhielt sie für ihre Arbeit den Future Award 2015 in der Kategorie Nachhaltigkeit, sowie den dritten Preis im Rahmen des Bestform Award 2015. Darüber hinaus wurde ihr Projekt 2014 zweifach mit dem GiebichenStein Designpreis ausgezeichnet,  sowohl in der Kategorie "Interessantestes Experiment", als auch mit dem GiebichenStein der Freunde, der vom Freundes- und Förderkreis der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle e.V. verliehen wird.

Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2016, 11:19 Uhr

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11 Kommentare

11.10.2016 22:48 goffman 11

@ Nordharzer 10: Ja, es ist Stuss, genauso wie die Gleichsetzung von Überbevölkerung mit Bevölkerungswachstum und dem Versuch, damit Hunger erklären zu wollen. 1. "Überbevölkerung" bezeichnet den Zustand, wenn mehr Menschen in einer Region leben, als von dieser versorgt werden können. Der dazugehörige statistische Wert ist die Bevölkerungsdichte, nicht das Bevölkerungswachstum. Gerade die Länder mit den größten Hungerproblemen haben eine für ihre Region relativ kleine Bevölkerungsdichte. 2. Wie Sie richtig erkannt haben führt Armut (in manchen Regionen) zu erhöhter Fertilität, aber eben nicht andersrum. Wenn wir die Fertilität (durch Zwang) senken haben wir nicht weniger Armut (vermutlich sogar mehr), senken wir die Armut haben wir aber (meistens) eine niedrigere Fertilität.

11.10.2016 21:39 Nordharzer 10

@9, was für ein Stuß. In der Bevölkerungsdichte liegen wir weltweit auf Rang 26, in der Geburtenrate sind wir sogar Schlußlicht! Es gibt aber, besonders in Afrika und Asien, viele Länder, die keine Altersversorgungssysteme haben. Da ist noch immer eine große Anzahl von Nachkommen die beste Chance im Alter zu überleben. Und das potenziert sich eben. Das produziert neben Hunger auch den Drang in andere Regionen der Welt. Die jetzigen Flüchtlingsströme sind erst der Anfang.

11.10.2016 16:00 goffman 9

@ Maria A. 7: Dann sollten wir Geburtenkontrollen in Deutschland einführen. Was die Bevölkerungsdichte angeht sind wir im weltweiten Vergleich ziemlich weit vorne.

11.10.2016 10:26 Nordharzer 8

@2+7, volle Zustimmung. Überbevölkerung der Erde ist das Problem, nicht mangelnde Nahrung. Wie soll das funktionieren, immer mehr Menschen, stetiges Wachstumsstreben und immer weniger Resourcen? Ich denke, in Zukunft wird man sich eher mit unpopulären Themen, wie Geburtenkontrolle u.ä. beschäftigen müssen. Wieviele Menschen mit welchem Lebensstandard verträgt die Erde? Ich denke Hunger ist nicht das größte Problem der Zukunft.

10.10.2016 23:19 Maria A. 7

Die Ernährungsprobleme können nur nachhaltig gelöst werden durch eine Geburtenkontrolle auf den heillos übervölkerten Kontinenten. Alles andere ist nur Herumdoktern, aber nicht eine Bekämpfung der Krankheit an sich.

10.10.2016 19:54 Morchelchen 6

Der Hunger muss dort bekämpft werden, wo er vorhanden ist. Es wird ungern davon gesprochen, aber selbst in Europa waren schreckliche Lebensverhältnisse an der Tagesordnung, als Familienstärken von 15 Personen aufwärts die Regel waren. Selbst heutzutage wäre erneut eine Verelendung in den EU-Staaten die Folge, wenn mehrheitlich über zwei Generationen solche Großfamilien dominieren würden.
Die "Erfindung" zusätzlicher Lebensmittel für den steigenden Bedarf ist nur ein "Laborieren an der Krankheit", aber bekämpft nicht die Ursache.

10.10.2016 15:52 frank 5

Den Hunger in der Welt bekämpfen, das ist auch so eine Phrase, die ich schon nicht mehr hören kann. Das ist eigentlich nur ein Aufruf um mehr produzieren zu müssen, oder sich etwas einfallen zu lassen, um noch ein weiteres Produkt auf den Markt zu bringen, was wirklich keiner braucht.

10.10.2016 13:48 Luftikus 4

Na ja, ob Mehlwürmer gegenüber Formkäse oder anderen Ersatzstoffen aus den Laboren der Chemieindustrie eine Alternative sind, darüber läßt sich streiten.
Die Ernährungsprobleme der Welt werden damit m. M. nach nicht gelöst. Solange Großkonzerne wie Coca Cola oder Neslė den Bauern weltweit das Wasser abgraben und die ausgetrockneten Felder mit Glyphosat aus dem Hause Monsanto/ Bayer vergiftet werden, hungern Menschen weiter und flüchten. Solange wir z.B. mit Billighühnchenexporten die traditionellen Märkte in Afrika kaputt machen, steigt deren Armut und Arbeitslosigkeit. Das Thema Geburtenkontrolle ist zudem eng mit dem Problem der Verfügbarkeit ausreichender Lebensmittel zu verknüpfen.

10.10.2016 12:06 Normalo 3

Ist das ein Oktoberscherz? Man sollte sich besser darum kümmern, dass unser billigst produziertes Antibiotikafleisch nicht nach Afrika exportiert wird und dort die einheimische Landwirtschaft ruiniert. Wäre ein Thema für Frau Merkels Afrikareise. Mhm? Und die Mehlwürmer lassen wir den Krähen, ok?

10.10.2016 11:57 Wir sind einfach zu viele auf diesem Globus 2

und daran ändert auch der großtechnische Anbau von Mehlwurmfood oder, vor einigen Jahren noch groß in Mode bei den staatsaffinen Futurologen vom Dienst, die Anlage von Algenkulturen. Das Problem lautet in voller Einfachheit: Überbevölkerung und zwar in einem katastrophalen Ausmaß und mit, global gesehen, katastrophalen Zuwachsraten. Eine erste und in ihren Ausmaßen noch (noch!) im Großen und Ganzen noch (noch!) harmlose Folge können wir gerade in Europa besichtigen. Es ist reine Zeitverschwendung, sich nicht dem Kern der Problematik zuzuwenden, sondern auf irgendetwas zu hoffen, das bei gleichbleibender Entwicklung den "Hunger in der Welt" beseitigt. Und bis hierhin habe ich von Kapitalismus, Agrarimperialismus, religiösem Wahn, Demagogie und Verteilungskämpfen und deren Folgen noch gar nicht gesprochen...