Eine Menschenmenge steht hinter einem Banner mit der Aufschrift Wir wollen unsere Molkerei behalten.
Etwa 250 Menschen demonstrierten gegen die Schließung der Molkerei Bad Bibra. Bildrechte: MDR/Marie-Luise Luther

Nach Krisengespräch Molkerei Bad Bibra wird geschlossen

Trotz der Proteste von 250 Menschen wird die Molkerei in Bad Bibra geschlossen. Das ist das Ergebnis des Krisengipfels am Mittwoch. Über 100 Mitarbeiter könnten im kommenden Jahr ihren Job verlieren.

Eine Menschenmenge steht hinter einem Banner mit der Aufschrift Wir wollen unsere Molkerei behalten.
Etwa 250 Menschen demonstrierten gegen die Schließung der Molkerei Bad Bibra. Bildrechte: MDR/Marie-Luise Luther

Nach fast hundertjährigem Bestehen ist das Aus der Molkerei und Käserei Bad Bibra im Burgenlandkreis beschlossen. Das sagte der Sprecher des Landrates, Ronny Just, MDR SACHSEN-ANHALT. Ein Krisengespräch zwischen dem Betreiber und Vertretern des Burgenlandkreis, des Wirtschaftsministerium sowie sowie den Bauern der Region konnte keinen Kompromiss erzielen.

Das Deutsche Milchkontor (DMK) betreibt das Werk und will es nun schließen, weil nicht mehr genug Bauern Milch dorthin liefern. Gegen diesen Beschluss gingen am Mittwoch etwa 250 Menschen auf die Straße. Von der Käserei zogen sie durch die Stadt zur Sekundarschule Bad Bibra.

Ein Mann mit Warnweste hält ein Megaphon, in das ein weiterer Mann spricht.
Laut Betriebsratsleiter Peter Künne (rechts) muss mit den Milchbauern geredet werden. Bildrechte: MDR/Marie-Luise Luther

Staatsekretär Thomas Wünsch kritisierte die DMK-Gruppe: "Die DMK-Gruppe vernichtet grundlos Arbeitsplätze. Aus meiner Sicht ist das unverantwortlich."

Auch Betriebsratsleiter Peter Künne sieht keinen Grund, das Werk zu schließen: Genügend Milch könnte innerhalb kürzester Zeit im Burgenlandkreis besorgt werden, man müsse nur einmal mit den Milchbauern reden, sagte er MDR SACHSEN-ANHALT.

Schwerwiegende Auswirkungen für ganzen Ort

Der Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich, sagte MDR SACHSEN-ANHALT über die Kundgebung: "Wir dokumentieren, wie sehr die Bevölkerung mit diesem Werk verhaftet ist, wie lange diese Tradition des Werkes ist." Er weist außerdem darauf hin, dass die Werksschließung nicht nur für die Mitarbeiter Folgen hätte. Die gesamte Bevölkerung würde finanzielle Auswirkungen spüren. Beispielsweise würden die Abwassergebühren steigen.

Betroffene wehren sich auch mit einer Online-Petition gegen die für 2018 geplante Schließung. Ein ehemaliger Auszubildender des Betriebs, Kevin Pänzer, hat die Petition gestartet, die den Standort retten soll. Fast 4.500 Unterschriften hat er bisher gesammelt.

Runder Tisch zur Zukunft der Molkerei

Bereits am 10. Juli hatte es ein erstes Krisentreffen gegeben. Der Burgenlandkreis und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hatten zu dem Gespräch eingeladen. Beteiligt waren Landwirte, der Betriebsrat der Käserei, Politiker und das DMK als Besitzer. Im Vordergrund stand die Frage, wie man Arbeitsplätze erhalten kann und welche Möglichkeiten es abgesehen von der Schließung gibt. Konkrete Ergebnisse gab es zunächst nicht.

Das DMK, Deutschlands größte Molkerei, hatte Ende Juni bekannt gegeben, mehrere Standorte in Deutschland zu schließen. Diese Molkereien werden laut DMK mit zu wenig Milch beliefert.

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Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT heute | 13.09.2017 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13.09.2017 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2017, 20:37 Uhr

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7 Kommentare

15.09.2017 11:19 Uwe Liebig 7

am 16.09.17 ab 17Uhr Käsefest als Protest gegen Schließung im OT Saubach, ein moderner Betrieb mit schwarzen Zahlen (offentsichtlich nicht hoch genug), abgehobene Manager aus 500km Entfernung, immer mehr Marktkonzentration, längere Transportwege, das keine Milch geliefert wird ist/war eine pure Ausrede (für die Bauern ist es eine Frage der schwarzen Zahl), super Blockkäse (bin jedes Jahr mindestens zweimal dort mit Sammelbestellung von 4 Familien auf der Fahrt nach Freyburg), Bad Bibra stand schon mal auf der Kippe, nun sitzt aber DMK leider sprichwörtlich am längeren Hebel,
Geld regiert die Welt, die Arbeitsplätze in der Region sind in diesen System unwichtig

14.09.2017 14:40 Marion 6

Als selbständige kann ich es zwar nicht befürworten aber verstehen kann ich es schon auch ich muß meinen Gewinn optimieren !

14.09.2017 13:42 böse-zunge 5

Ja was solln se denn machen die armen Arbeiter ... weitermachen mit dem was sie (augenscheinlich wohl gut) können, wollen sie ja.
Wie in Nordwest- oder Südeuropa - den Laden besetzen und genossenschaftlich mit Nischenprodukten in Eigenregie weiterarbeiten?
Ginge, nur würde DMK da wohl nach Staat, Recht und sonstnochwas rufen - um keinen Konkurrenten hochkommen zu lassen.
Und? Wieviele wären da für welche Seite?
Legaler: Das Land übernimmt das Objekt (symb. Preis - soll doch kein Aufgeber "gefüttert" werden), gründet einen Übergangsbetrieb in welchem weitergearbeitet wird mit Produkten bei denen DMK schwächelt - Nischenprodukte.
Aber, wo leben wir denn?

14.09.2017 13:09 Carsten Klatt 4

Normalerweise schließt man Unternehmen, wenn sie sich nicht am Markt behaupten. Hier sucht man eine fadenscheinige Ausrede, um den Konzentrationsprozess des Konzerns zu optimieren. Dies geschieht auf dem Rücken einer ganzen Region.

14.09.2017 11:43 Papa 3

Da ist man einfach nur sprachlos. Wieder ein Betrieb im Osten geschlossen. Dem Burgenlandkreis und den Menschen in der Region geht es schon nicht so gut.
Die Verantwortlichen sollten sich mal ein Beispiel an Baden-Württemberg nehmen. In manchen Regionen entsteht dort ein neuer Betrieb nach dem anderen und es gibt quasi Vollbeschäftigung. Irgendwas läuft da nicht richtig in unserem Bundesland.

14.09.2017 09:53 Christine 2

Ohne jede Rücksicht , immer größer, immer mehr, immer schneller. Was wird jetzt aus dem Ort und den Menschen dort?Sie bieten doch eine Lösung an...mehr Milchbauern liefern ihre Milch nach Bad Bibra.

14.09.2017 08:16 andreas 1

Solche Beispiele zeigen immer wieder, dass man Regionale Wirtschaftskreisläufe systembedingt immer wieder zerstören kann.