Landwirt Gerald Krämer am Schreibtisch
Gerald Krämer könnte einen der wichtigsten Landwirtschaftspreise Deutschlands gewinnen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ungewöhnliche Landwirtschaft Ein Bauer im Anzug

Gerald Krämer arbeitet in der Landwirtschaft – allerdings vom Schreibtisch aus. Der Diplom-Landwirt managt von Halle aus mehrere Betriebe. Jetzt ist er für den Preis "Landwirt des Jahres" nominiert.

Landwirt Gerald Krämer am Schreibtisch
Gerald Krämer könnte einen der wichtigsten Landwirtschaftspreise Deutschlands gewinnen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

2.250 Hektar Land, hunderte Rinder und 17 Mitarbeiter – um all das kümmert sich Gerald Krämer. Doch der 44-Jährige macht sich im Vergleich zu "richtigen" Landwirten nie schmutzig: Er arbeitet vom Schreibtisch aus, die Betriebe, die er managt, liegen teils mehrere Autostunden entfernt. "Wir können Kosten sparen, indem wir nicht auf jedem Betrieb einen Manager haben", sagte der studierte Diplom-Landwirt MDR SACHSEN-ANHALT. Was die Tiere für Futter bekommen, wie technische Probleme zu lösen sind – all das gibt er aus Halle per Telefon durch.

Ein Mann und eine Frau blättern in einem Fotoalbum.
Krämer und seine Frau Anja haben ihr berufliches Glück einst in Rumänien gesucht, sind aber gescheitert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Diese Version der Landwirtschaft scheint zu funktionieren: 2013 kaufte Gerald Krämer einen Hof in Thüringen und rettete ihn vor dem drohenden Verfall. 2016 kam ein Konkurs-Biohof dazu. Außerdem bewirtschaftet Krämer einen weiteren Betrieb im Auftrag des Besitzers. Überbetrieblicher Maschineneinsatz ist eines seiner Geheimnisse. Doch bis zum Erfolg war es ein steiniger Weg, wie Krämer und seine Familie erfahren mussten.

Konzept des "Schreibtischbauern"

Der gebürtige Niedersachse war nach der Wende nach Halle gekommen, hatte hier geheiratet und mit seiner Frau Anja zuerst einen eigenen Betrieb aufgebaut – und zwar in Rumänien. Dort habe es aber ständig Schwierigkeiten gegeben, erzählte Krämers Frau Anja MDR SACHSEN-ANHALT. "Aber ich glaube, die Fähigkeit, dass man sich durchbeißt und dass es gehen muss, das hat einem Rumänien wirklich gelehrt." Die günstigen Bodenpreise hatten sie angelockt, doch ihr Projekt scheiterte letztendlich auch an der schwachen Infrastruktur. Was blieb, war die Idee für ein modernes Bewirtschaftungskonzept.

Ein Fotoalbum mit Bildern aus Rumänien
Eindrücke aus der lehrreichen Zeit in Rumänien. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Mitarbeiter des "Schreibtischbauern" haben sich daran gewöhnt, dass ihr Chef nur selten vor Ort ist. Einer erzählt: "Der Herr Krämer und ich halten sehr oft Kontakt, die täglichen Arbeiten werden miteinander besprochen. Ich bin dann quasi sein verlängerter Arm." Durch das tägliche Telefonieren sei es, als ob der Chef nebenan sei und nicht mehr als 100 Kilometer entfernt.

Auch Krämers Frau Anja arbeitet mit. Sie macht für die Betriebe die Buchführung. Alle zusammen seien ein eingespieltes Team, so der "Schreibtischbauer". "Wie bei einer Fußballmannschaft ist entscheidend: Man braucht einen guten Trainer, man braucht einen guten Kapitän und man braucht natürlich gute Spieler." Er ist nun für den Titel "Landwirt des Jahres" in der Kategorie "Manager" nominiert. Aus Ostdeutschland sind neben ihm nur noch drei andere Landwirte für den wichtigen Landwirtschaftspreis vorgeschlagen, der außergewöhnliche Leistungen von Landwirten ehrt. Am Mittwochabend entscheidet sich in Berlin, wer die Gewinner in diesem Jahr sind.

Ein Mann steht auf einer Weide.
Nur selten fährt Gerald Krämer zu den drei Höfen, um die er sich kümmert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | Studio Halle | 11.10.2017 | 12:30 Uhr

Quelle: MDR/lk

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2017, 14:22 Uhr

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