Der ehemalige Mister Germany Adrian Ursache (l.) spricht am 09.10.2017 im Landgericht in Halle/Saale (Sachsen-Anhalt) vor Prozessbeginn im Gerichtssaal mit dem Grundgesetz in der Hand mit Journalisten.
Der ehemalige Mister Germany Adrian Ursache steht in Halle wegen versuchten Mordes vor Gericht. Bildrechte: dpa

Reportage aus Gerichtssaal "Reichsbürger" sieht sich als Opfer

Wegen versuchten Mordes steht der "Reichsbürger" Adrian Ursache seit Montag vor dem Landgericht Halle. Der ehemalige "Mister Germany" soll im August 2015 auf einen SEK-Beamten geschossen haben. Bei der Auseinandersetzung war auch Ursache niedergeschossen worden. Eine Reportage vom ersten Prozesstag.

von Mathias Kessel, MDR SACHSEN-ANHALT

Der ehemalige Mister Germany Adrian Ursache (l.) spricht am 09.10.2017 im Landgericht in Halle/Saale (Sachsen-Anhalt) vor Prozessbeginn im Gerichtssaal mit dem Grundgesetz in der Hand mit Journalisten.
Der ehemalige Mister Germany Adrian Ursache steht in Halle wegen versuchten Mordes vor Gericht. Bildrechte: dpa

Ein nobler Auftritt für den ehemaligen Mister Germany: Anzug, Hemd und Krawatte in Anthrazit. Doch große Schritte sind für Adrian Ursache nicht drin; die massive silberne Kette zwischen seinen Fußgelenken will nicht recht zum Gesamtbild passen. Auch nicht, dass allein im Gerichtssaal sechs schwarz vermummte SEK-Leute mit Maschinenpistolen Posten bezogen haben, weitere vor dem Gerichtsgebäude und an den Sicherheitsschleusen.

Zwei Mal werden Besucher des Prozesses wie am Flughafen kontrolliert. In den Gerichtssaal schaffen es aber nur drei oder vier Beobachter. Dafür sind 15 Stühle für Journalisten reserviert. Beim SEK-Einsatz in Reuden war Ursache von zahlreichen Reichsbürgern unterstützt worden. Die haben bei den Kontrollen ein Problem: Viele haben keinen Personalausweis. Aber ohne Ausweis dürfen sie nicht in den Gerichtssaal. Und so sitzen etwa zehn Männer und Frauen mit der Ehefrau des Angeklagten, die heute eigentlich als Zeugin vernommen werden sollte, an einem Tisch in der Caféteria.

Angeklagter will sich nicht setzen

Der ehemalige Mister Germany Adrian Ursache (l.) spricht am 09.10.2017 im Landgericht in Halle/Saale (Sachsen-Anhalt) vor Prozessbeginn im Gerichtssaal mit dem Grundgesetz in der Hand mit Journalisten.
Adrian Ursache sprach zum Prozessauftakt im Landgericht Halle mit Journalisten. Bildrechte: dpa

Im Gerichtssaal zeigt der Angeklagte dann Stehvermögen. Hinsetzen will er sich nicht, also bleibt er neben seinem Stuhl stehen. Wahrscheinlich ist es für ihn wichtig, nicht auf der Anklagebank zu sitzen und besser in der Pose des Redners Statements abzugeben. Noch bevor die Verhandlung beginnt, schwadroniert er auf Fragen von Journalisten über verfassungsmäßige Rechte.

Er bestreitet auch, ein Reichsbürger zu sein. Er zitiert dafür gern aus dem Grundgesetz der Bundesrepublik. Die Anklage aber ist für ihn rechtswidrig. Das alles wiederholt er auch später, als er einen Antrag begründet. Er will, dass die gesamte Verhandlung aufgezeichnet wird. Dafür gibt es im deutschen Recht aber keine Grundlage.

Redeschwall, den niemand stoppen kann

Ursache sieht sich als Opfer eines Mordkomplotts, weil er Widerstand gegen Beamtenwillkür geleistet habe. Dafür sei er seit über einem Jahr in Geiselhaft im KZ, lamentiert er. Waren diese Ausflüge in Verfassungs- und Bürgerrecht schon absurd, setzt er dem Ganzen die Krone auf, als er sich neben dem Grundgesetz auch auf die Menschenrechtskonvention und die Genfer Konvention berief.

Es ist offensichtlich, dass sich der noble Adrian Ursache ständig mit seinen beiden Anwälten streitet. Auch die können seinen Redeschwall nicht stoppen. Der Richter versucht es gar nicht erst, sondern ignoriert ihn. Das bringt den Angeklagten offenbar erst richtig in Rage. Der Höhepunkt ist erreicht, als er die Richter als Spinner bezeichnet.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Bis Ende November sind vorerst noch elf Verhandlungstage geplant.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 09.10.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/lk

Zuletzt aktualisiert: 09. Oktober 2017, 21:23 Uhr

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23 Kommentare

11.10.2017 20:35 Andreas 23

Das Hauptproblem das diese Reichsbürger jeden der etwas von ihnen möchte im Internet zum Abschuss freigeben. Da dieser Typ sehr Aggressiv ist und sich natürlich auch erhofft hat das seine Anhänger richtig Radau machen ist der Sicherheitsaufwand auch berechtigt. Achso. Wo lassen sich eigentlich Reichsbürger behandeln wenn sie mal krank sind und warum betreten sie einfach Deutschland, das ist doch Illegal. Wir dürfen doch auch nicht in Ihr Land. Ach das sind für mich nur Spinner. Da ich in Zerbst wohne und diesen Typen kenne. Als Mister Germany schon ein Kotzbrocken gewesen. Total über seine verhältnisse gelebt und nun das. Heute nur noch Wahnsinnig . Ich hoffe auf Gefängnis und das sehr lange. Der Typ wird sich nicht mehr Ändern. Der Typ hat nicht sein Haus verteidigt, das war schon lange nicht mehr seins.

11.10.2017 16:09 @20 22

"aber ein halbes Dutzend mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten im Gerichtssaal erscheinen mir jedenfalls massiv unverhältnismäßig, zumal wenn der Gefangene mit Fußfesseln fixiert ist"

Es geht ja um die Unterstützer von Ursache. Wenn die nicht ihre Personalausweise vergessen bzw. aufgegessen hätten, hätte der Gerichtssaal ja durchaus voll mit diesen Wirren sein können. Ursache hatte bei seiner Verhaftung, bei der er um sich ballerte, ja diverse Unterstützer um sich geschart, die auch handgreiflich gegenüber den Polizisten waren. Maschinenpistolen würde man geg. diese im Gerichtssaal ganz bestimmt nicht einsetzen. Ich würde das eher als show of force ansehen.

11.10.2017 15:58 @19 21

"Schauprozess"? Geht's noch? Sie spucken hier auf das Grab der Opfer wahrer Schauprozesse wie unter Stalin, Hitler oder Mao.

In einem Schauprozess wird der bereits Verurteilte zum öffentlichen Eingeständnis seiner "Tat" gezwungen. Er ist nur ein Statist und die Verurteilung längst beschlossen. Bei Ursache kann man natürlich den Ausgang bereits erahnen - versuchter Totschlag oder Mord - aber das ist nun mal die Tat, die er vor den Augen von 200 Polizisten begangen hat. Mit Vorankündigung.

Nein, das ist kein Schauprozess. Hier versucht der gemeingefährliche Angeklagte im Stil von Hitler oder Breivik ja sogar das Gericht als Bühne für seine Grütze zu benutzen. "Er will, dass die gesamte Verhandlung aufgezeichnet wird."

Und lesen Sie mal richtig: die Unterstützer Ursaches kamen nicht im den Gerichtssaal, weil sie keinen Personalausweis dabei hatten. Peinlich.

11.10.2017 15:34 rüdiger oppermann 20

@ullrich: aber ein halbes Dutzend mit Maschinenpistolen bewaffnete Polizisten im Gerichtssaal erscheinen mir jedenfalls massiv unverhältnismäßig, zumal wenn der Gefangene mit Fußfesseln fixiert ist. Um das noch klar zu stellen: Ich sympathisiere in keiner Weise mit dem Herrn Ursach oder den Reichsbürgern oder irgendwelchen rechten Idioten! Aber so schafft man Märtyrer in der Szene der Bekloppten und Bescheuerten... Sehen Sie ja bei manchen Kommentaren hier.

11.10.2017 15:21 Guckstdu 19

In den Gerichtssaal schaffen es aber nur drei oder vier Beobachter. Dafür sind 15 Stühle für Journalisten reserviert.

Mit einer öffentlichen Verhandlung hat das wohl wenig zu tun. Erinenrt eher an einen Schauprozess.

11.10.2017 13:07 Ullrich 18

@rüdiger oppermann
Ich zitiere einmal aus der Chronik beim MDR zum Fall Ursache:
"...Der "Reichsbürger" beginnt, den Gerichtsvollzieher zu bedrohen: Wer seinen Staat betrete, müsse mit Selbstverteidigung rechnen – Waffengewalt eingeschlossen. ..."
Erklärt ganz gut den Einsatz der Polizei.

10.10.2017 22:57 Andreas 17

Ich würde solchen Reichsbürgern erst mal die Energieversorgung aus Deutschland kappen. Staatliche Hilfen jeder Art. Und wenn Sie ihr Grundstück oder Reich verlassen sofort verhaften wegen illegalem Grenzübertritt. Darf ja auch keiner in Ihr kleines Reich. Würden ganz schön dämlich Schauen wenn man mal den Spieß umdrehen würde. Ich mich sind das alles nur Kriminelle.

10.10.2017 15:19 Albrecht der Bär 16

@"Baldur": Die MDR Redaktion hat doch versucht Ihnen zu erklären, was eine Reportage ist.

Es gibt leider keinen Wikipedia-Artikel in einfacher Sprache, daher nochmals für Sie in der komplizierten normalen Variante: "Während Nachricht und Bericht Distanz wahren, geht die Reportage nah heran und gewährt auch Beobachtungen und weiteren Sinneswahrnehmungen ihrer Protagonisten Raum."

Ich frag mich ja v.a. weshalb Sie die vermeintliche Subjektivität des MDR nur bei den Themen "Reichsbürger" und Rechtsextremismus so obsessiv in Frage stellen. Welches Presseerzeugnis ist denn i.E. absolut "objektiv"? Der "Deutsche Reichsanzeiger"?

10.10.2017 10:52 rüdiger oppermann 15

Wenn Herr Ursach so schlau wie Herr Poggenburg wäre, hätte er sich in den Landtag wählen lassen. Von den Diäten lässt es sich dann als wirtschaftlich Gescheiterter einigermaßen erträglich leben. Wir erinnern uns, gegen Poggenburg gab es mehrere Haftbefehle zur Abgabe einer Vermögensauskunft, früher nannte man das Offenbarungseid... .
Offensichtlich ist Herr Ursache schwer gestört und mutmaßlich ein Verbrecher. Ob es gleichwohl notwendig ist, ihn mit Fußfesseln und unter Bewachung von mit Maschinenpistolen bewaffneten, SEK-Beamten vorzuführen, sei mal dahingestellt. Wenn der mdr das damit begründet, es hätte die Gefahr gegeben, dass Sympthisanten die Verhandlung stören würden, Nun ja, auf Störer schießt man nicht mit MPs.

09.10.2017 22:01 Baldur von Ascanien 14

mediator: Es ist schon klar, dass gerade sie sich vom MDR nicht "belehren" lassen wollen, wenn es ihnen anscheinend ideologisch nahe stehenden Menschen ans Leder geht. Was will man von jemandem erwarten, der jedesmal kommentiert, wenn es gilt Rechtsextremisten oder verfassungsfeindliche Organisationen zu verharmlosen."

Leider kann ich nicht nachvollziehen was sie mir unterstellen wollen, zumal ich mich von dem Herrn distanziert habe. Da sie aber zu allen Themen ihre rot grüne Ansicht zum Ausdruck bringen wäre es müßig auf ihre Verbalinjurien einzugehen. Wer nicht in ihr Weltbild passt ist halt ein Nazi. Schlimm so wenig Unterstützer zu haben. Den Niedergang der AFD hatten sie ja auch schon vorhergesagt, schade, vielleicht beim nächsten Mal. Die Roten waren schon intollerant und belehrungsresistent, sie gehen mit gutem Beispiel voran XD XD