Außenaufnahme der Fachwerkfassade des Graseweghauses in Halle.
Bildrechte: MDR/Andreas Manke

Halle Historisches Fachwerkgebäude gerettet

Es ist eines der ältesten Fachwerkhäuser in Halle – das Graseweghaus mitten in der Innenstadt. Ein Jahr lang wurde es saniert. Jetzt erstrahlt es in neuem Glanz. Zwei Mal stand es kurz vor dem Abriss.

Außenaufnahme der Fachwerkfassade des Graseweghauses in Halle.
Bildrechte: MDR/Andreas Manke

Nach einem Jahr Bauarbeiten ist es so weit: Das um 1600 erbaute Fachwerkhaus ist bezugsfertig. Das denkmalgeschützte Gebäude im Graseweg wurde aufwändig saniert und schmückt wieder Halles Innenstadt.

Altes Foto vom Graseweghaus Halle. Die Fassade des Fachwerkgebäudes ist teils zerstört.
In den 1980er Jahren wurde das Graseweghaus durch Abrissarbeiten an Nebengebäuden beschädigt. Bildrechte: Stadtarchiv Halle

Das war vor einigen Jahrzehnten überhaupt nicht absehbar. 1976 lag eine Abbruchgenehmigung für das Haus vor. Denn der Bauzustand war so schlecht, dass es 1969 geräumt werden musste. Glücklicherweise kam es nicht zum Abriss des Denkmals. Doch in den 1980er Jahren war die Zukunft des Gebäudes erneut ungewiss. Nachbarhäuser wurden von der Denkmalliste gestrichen – und abgerissen. Das Grasweghaus blieb davon zwar verschont. Aber durch Fehler beim Abtragen der Nebengebäude rutschten Teile seiner Fassade ab. Bis 1988 musste das Haus rekonstruiert werden. Es erhielt dabei unter anderem eine neue Wendeltreppe und eine Dachterrasse.

Denkmalschutz für zwei Baustile

Doch nach diesen Maßnahmen verfiel das Gebäude wieder. Daher wurde im vergangenen Jahr die erneute Sanierung fällig. Bei den Arbeiten mussten Baustile aus zwei Epochen berücksichtigt werden. Es gibt einen Fachwerkteil, der 400 Jahre alt ist, sowie einen Verbindungsbau aus DDR-Zeiten, der erst vor 30 Jahren entstanden ist. Beide Gebäudebereiche stünden unter Denkmalschutz, sagte der Abteilungsleiter Technik von der Halleschen Wohnungsgesellschaft HWG, Christian Zeigermann, zu MDR SACHSEN-ANHALT.

Der Geschäftsführer der HWG, Jürgen Marx, ist mit dem Umbauergebnis zufrieden. "Ich finde es fantastisch", sagte er. Das historische Gebäude wurde mit moderner Technik zum sogenannten Smart-Home aufgerüstet. Über ein Wandpanel oder das Smartphone lassen sich beispielsweise Heizung und Licht einschalten.

Zum "Smart-Home" ausgebaut Graseweghaus fertig saniert

Mehr als 400 Jahre ist das Fachwerkhaus im Graseweg 6 alt. Nach einem Jahr Umbau zeigt sich das denkmalgeschützte Gebäude nun aufwändig saniert in neuem Glanz.

Das Fachwerk der oberen drei Etagen des Graseweghauses Halle.
Seit 1600 steht das dreigeschossige Fachwerkhaus im Graseweg in Halles Zentrum. Bildrechte: MDR/Andreas Manke
Das Fachwerk der oberen drei Etagen des Graseweghauses Halle.
Seit 1600 steht das dreigeschossige Fachwerkhaus im Graseweg in Halles Zentrum. Bildrechte: MDR/Andreas Manke
Altes Foto vom Graseweghaus Halle. Die Fassade des Fachwerkgebäudes ist teils zerstört.
Auf Archivbildern ist zu erkennen, dass die Gebäudefassade in den 1980er Jahren beschädigt wurde. Bildrechte: Stadtarchiv Halle
 Schwarz-weiß-Aufnahme des Graseweghauses Halle mit Baugerüst.
Bis 1988 musste das Haus daher rekonstruiert werden. Bildrechte: Stadtarchiv Halle
Außenaufnahme der Fachwerkfassade des Graseweghauses in Halle.
Nun erstrahlt das Fachwerkhaus wieder in neuem Glanz. Bildrechte: MDR/Andreas Manke
 Neben dem Fachwerkteil gehört ein Verbindungsanbau im typischen DDR-Baustil zum Graseweghaus.
Auch ein Anbau aus DDR-Zeiten wurde stilecht restauriert. Bildrechte: MDR/Andreas Manke
Ein Mann drückt mit dem Finger auf einen Knopf eines Smarthome-Panels.
Der Abteilungsleiter Technik von der Halleschen Wohnungsgesellschaft HWG, Christian Zeigermann, zeigt, wie das Smart-Home per Wandpanel bedient wird. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT
Eisenbeschlagene Türen im Inneren einer Wohnung im Graseweghaus.
Historische Elemente wie Stuck und die eisenbeschlagenen Türen blieben erhalten. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT
Alle (7) Bilder anzeigen

Umbau kostete 1,3 Millionen Euro

Etwa eine Million Euro Baukosten sind entstanden. Für Planungskosten und Gebühren sind weitere 300.000 Euro hinzugekommen, so dass das Projekt insgesamt 1,3 Millionen Euro kostete.

Im Erdgeschoss des Hauses befinden sich Gewerberäume; in den drei Stockwerken darüber Wohnungen. Genau so sei die Flächenaufteilung im Graseweghaus schon vor 400 Jahren gewesen, berichtete Zeigermann. Im Erdgeschoss zieht der Verlag Musikladen ein. Die drei Wohnungen sind je etwa 100 Quadratmeter groß. Alle sind bereits vermietet.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 13.06.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/mh

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2017, 16:01 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

3 Kommentare

14.06.2017 19:04 W. Merseburger 3

@1 Schlimmer gehts nimmer.
Kommentator @ 1, ich empfehle ihnen, falls sie lesen können, bei google unter Grasehausweg Halle mal nachzulesen. Da steht einiges zur Geschichte, dem Bauzustand und den Aktivitäten zur Erhaltung dieses wichtigen Gebäudes etwa seit 1920. Da haben nicht nur Tischler und Dachdecker zerstört. Und übrigens gab es einen großen deutschen Führer, dem waren Städte wie Köln, Hamburg, Berlin, Dresden, Breslau usw. usw. egal. Halle hatte großes Glück, dass keine Bomben in der Innenstadt fielen und es auch nicht zur Festung erklärt wurde. @1 ich würde ihnen empfehlen, sich wegen ihres Beitrags zu entschuldigen. Der Hass, den sie ausgedrückt haben, hat das schöne Haus nicht aufgebaut.

14.06.2017 18:56 Hallenser 2

Schön, dass es wieder so ausschaut! Nur entwickelt sich die Umgebung zum orientalischen Viertel: Schischa-Bar, Dönerladen, afrikanischer Schnellverkauf, Barbierladen... Wenn multikulturell, dann auch mal andere Läden und Kulturen, eventuell auch mal deutsche Läden, Bars und Kneipen zulassen durch das Gewerbeamt! Onsonsten haben wir irgendwann in Marktnähe ein neues Problemgebiet wie die Bürger in Naumburg. Warum keine französische Bar oder ein irisches Pub statt der Schischa-Bar? Warum keinen deutschen oder italienischen Schnellimbiss statt Dönerladen?

14.06.2017 18:09 Es IST fantastisch... 1

... und zeigt sozusagen im Umkehrschluss, was Städten wie Halle von der SED angetan worden ist.
"Ruinen schaffen ohne Waffen" beschreibt es genau, was "Tischler" und "Dachdecker" an den alten Stadtbildern Mitteldeutschlands verbrochen haben.