Region Halle

Bronzefund von Nebra vor zehn Jahren gerettet : Ein Archäologe, ein Hotel und die Scheibe

Die Himmelsscheibe von Nebra wäre ohne die filmreife Rettungsaktion vor zehn Jahren vielleicht weiter auf dem Schwarzmarkt von Hand zu Hand gegangen. Bei einem fingierten Verkauf hatte die Polizei den bronzezeitlichen Schatz vor Hehlern gerettet.

Restaurator Heiko Breuer präsentiert 2002 eine Bronzeschale mit Goldeinlage

Die 3.600 Jahre alte Himmelsscheibe von Nebra ist die älteste konkrete Sternenabbildung der Welt. Auf der grünlich schimmernden, bronzenen Himmelsscheibe mit ihren Goldsymbolen ist neben Sonne, Mond und Sternen auch das Sternbild der Plejaden zu erkennen. Nach Einschätzung von Astronomen verwendeten die Menschen der Bronzezeit die Scheibe als kombinierten Sonnen- und Mondkalender. Eine spannende Rettungsaktion in der Schweiz vor zehn Jahren hat die Himmelsscheibe erst der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Showdown in der Schweiz

Als die Metallsuchgeräte der zwei Raubgräber im Jahr 1999 in einem Wald bei Nebra plötzlich anschlagen, ahnen sie noch nicht, auf welchen Schatz sie gestoßen sind. Prunkvolle Bronzeschwerter, Beile, Armringe und schließlich: die Himmelsscheibe. Den Jahrtausende alten Kalender verkaufen die Raubgräber illegal nach Nordrhein-Westfalen. Drei Jahre später kommt es zum Showdown in der Schweiz. Der Landesarchäologe von Sachsen-Anhalt, Harald Meller, bekommt im Untergeschoss eines Hotels in Basel die wertvolle Himmelsscheibe zu Gesicht. Als Lockvogel der Polizei hatte Meller Kaufinteresse gezeigt - und der Trick gelingt. Meller sagt: "Ich hielt die Scheibe zum ersten Mal in den Händen und war überwältigt von der bildnishaften Qualität. Es war einer der größten Augenblicke in meinem Leben." Wenige Minuten später nimmt die Schweizer Polizei die zwei Hehler fest und rettet damit einen der wichtigsten archäologischen Funde des 20. Jahrhunderts.

Eindeutige Bezüge zu Mitteldeutschland

Die Himmelsscheibe von Nebra ist zwei Kilogramm schwer und fast kreisrund mit einem Durchmesser von etwa 32 Zentimetern. Die Goldauflagen interpretieren die Archäologen als Horizontbögen, Schiff, Mond, Sonne oder vielleicht auch Vollmond und Sterne. Der Astronom Wolfhard Schlosser von der Ruhruniversität Bonn schreibt die Scheibe eindeutig Mitteldeutschland zu: "Es gibt topografische Bezüge zum Brockenmassiv im Harz." Gleichzeitig sei die Scheibe ein Zeugnis uralten Wissens über die Bestimmung der Sommer- und Wintersonnenwende. Landesarchäologe Meller zufolge ist die Himmelsscheibe eines der am besten analysierten archäologischen Objekte. Derzeit seien allerdings keine weiteren Untersuchungen geplant, sagt er.

Kürzlich wurde die Himmelsscheibe in das "Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes" eingetragen. Seit 2008 befindet sich der mittlerweile weltberühmte Fund von Nebra in der Dauerausstellung des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle an der Saale. Dort haben die Scheibe bislang mehr als 750.000 Menschen gesehen.

Zuletzt aktualisiert: 23. Februar 2012, 15:54 Uhr

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