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Mitglieder von "Kontrakultur" demonstrieren in Wien Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Völkische Gruppierung "Kontrakultur" wirbt in Halle um Studenten

Sie machen mobil gegen Muslime, gegen Zuwanderung und gegen die Multi-Kulti-Gesellschaft: Die "Identitäre Bewegung" ist inzwischen europaweit organisiert und sucht auch in Sachsen-Anhalt immer wieder die Öffentlichkeit. In Halle gab es jetzt Versuche, auch in studentischen Kreisen Fuß zu fassen – Einschüchterungen inklusive.

von Jennifer Stange

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Mitglieder von "Kontrakultur" demonstrieren in Wien Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Lucas Wanga vom Studierendenrat Universität Halle
Lucas Wanga vom Studierendenrat Universität Halle Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auf dem Campus der Martin-Luther-Universität Halle. Hier fand vor gut zwei Wochen die feierliche Immatrikulation der neuen Studierenden statt. Dabei versuchte auch die Gruppe "Kontrakultur", ein Ableger der Identitären Bewegung in Halle, in den Kreisen der Erstsemester Fuß zu fassen. Lucas Wanke, Sprecher des Studierendenrats Uni Halle, war dabei: "Die Erstsemester wurden begrüßt und alle studentischen Gruppen konnten sich vorstellen und dann wurde dort am Audimax ein Transparent entrollt, wo drauf stand 'Willkommen auf unserem Campus'."

Die Aktion landet schon wenige Stunde später auf der Facebook-Seite der "Kontrakultur". "Das ist eine Kampfansage an die demokratischen Kräfte dieser Universität", meint Wanke, "sie wollen halt zeigen, sie scheissen mehr oder weniger drauf, was hier sonst passiert."

Werbung und Einschüchterung auf dem Campus

Mitglieder der Gruppe verteilen außerdem Flugblätter und verschenken Stoffbeutel mit Süßigkeiten an die Erstsemester. Doch so nett sind die Indentitären offenbar nicht immer. Linke Studenten wie Marco Pellegrino berichten von Einschüchterungsversuchen: "Ich bin hier am Uni-Campus mehrfach angesprochen worden von Mitgliedern der Identitären Bewegung und da sind unter anderem Sätze gefallen wie 'du wirst schon noch sehen' und 'wir kriegen dich noch'."

Aufmerksamkeit um jeden Preis

Eine zugemauerte Tür
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

2015 stören sie in Halle erstmals eine Bürgersprechstunde zum Thema Asyl in der Marktkirche. Seit etwa zwei Jahren probiert die Gruppe "Kontrakultur" in Halle größt mögliche Aufmerksamkeit zu erregen. Vor der Landtagswahl 2016 versucht sie mit einer Mauer symbolisch die so genannte Probewahl für Migranten zu verhindern. Nach den sexuellen Übergriffen durch Migranten in Köln verteilt sie Pfefferspray und färbt Brunnen rot nach den Terroranschlägen in Frankreich. Ganz bewusst setzt die Gruppe auf Emotionen und Ängste.

"Neue Form des Rassismus"

Torsten Hahnel, Miteinander e.V.
Torsten Hahnel, Miteinander e.V. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Sie propagiert eine neue Form des Rassismus, der sich Enthnopluralismus nennt", ordnet Bildungsreferent Torsten Hahnel von der Arbeitsstelle Rechtsextremismus die "Kontrakultur" ein, "sie sagen von sich selbst, sie sind nicht rassistisch, propagieren aber ganz klar den Ausschluss von Menschen anhand ethnischer Kriterien."

Eine völkische Jugendorganisation, die sich im Aufwind wähnt. Bei einer Demonstration der Identitären in Wien stehen die Mitglieder der "Kontrakultur" aus Halle in der ersten Reihe. In Österreich und in Deutschland wird die Bewegung vom Verfassungsschutz beobachtet, das Innenministerium Sachsen-Anhalt zählt landesweit etwa 50 Mitglieder. Die meisten Aktionen gehen auf das Konto der halleschen Gruppe.

Polizei ermittelt gegen "Kontrakultur"-Mitglieder

Auch die Polizei interessiert sich für die Kontrakultur: "Die Polizeidirektion Sachsen Anhalt Süd hat ermittelt bzw. ermittelt noch wegen Sachbeschädigung, Nötigung und mehrerer Verstöße gegen das Versammlungsgesetz", sagt Polizeisprecherin Antje Hoppen von der Polizeidirektion Süd.

Setzt Kontrakultur bewusst auf Aktionen in rechtlichen Grauzonen? Zweifelsfrei ist Kontrakultur medienaffin und sendungsbewusst, allerdings nicht bereit zu einem Interview. Die Antwort per Mail lautet: "Wir sind der Überzeugung, dass es manchmal nötig ist, die kleine Ordnung zu stören, um die große – unsere Sicherheit, Kultur und Lebensart – zu retten."

Die Universität hat mittlerweile Anzeige wegen Hausfriedensbruchs erstattet. Lucas Wanga vom Studierendenrat Universität Halle begrüßt das: "Es ist natürlich ein starkes Symbol dass die Universität sagt, die haben hier nichts verloren." Das sehen die Mitglieder der Kontrakultur anders. Linke hätten nichts mehr zu sagen an der Uni, schreibt ein Vetreter per Mail.

Campus der Universität Halle
Die Universität Halle hat "Kontrakultur" Hausverbot erteilt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zuletzt aktualisiert: 01. November 2016, 14:51 Uhr

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5 Kommentare

12.07.2017 15:18 nudOSSI 5

Und auch hier: bis 1989 noch gegen den kommunistischen Unrechtsstaat, Herr Hahnel, um und heute auf deren linker Seite zu stehen/kämpfen. Seltsam, finden sie nicht auch? Es sei denn...

12.07.2017 14:48 garick 4

Auch in diesem Fall kann man sehr schön die Doppelmoral der herrschenden Links-"Kultur" beobachten. Links-Chaoten dürfen ander Uni werben, Patrioten werden ausgeschlossen! Wie lange soll das noch so weitergehen? Kommt die ddr-2.0 oder sind wir schon da gelandet?

12.07.2017 11:18 Angesichts der Herrschenden Verhältnisse... 3

... wird man mit einer Zunahme solcher Gruppierungen rechnen müssen. Das ist nur eine kleinbürgerliche Variante der Verteilungskämpfe um Posten, Einfluss und Macht. Das geschieht, wenn Parteifunktionäre die Idee des bürgerlichen Staates an das Kapital verschleudern und glauben, sie könnten einen Staat nach dem Modell eines Konzerns umbauen. Das löst Angst aus gerade bei den Mitläufern aus, die vorher laut Ja gerufen haben, weil sie nun plötzlich selbst verdrängt zu werden befüchten, statt zu den Profiteuren zu gehören. Kleinbürger eben, wo man hingreift. Ohne Diskussion der Ursachen wird sich diese Entwicklung unweigerlich verstärken. Das kennen wir schon aus 1000 und 40 Jahren.

03.11.2016 07:39 Astaman 2

Da hat man ja die richtigen extremistischen Subkulturvertreter zu Wort kommen lassen.
Mehr bringt selbst der mdr nicht gegen diese Studentenbewegung ins Feld. Worthülsen, ideologische Kampfbegriffe und politische Empörung helfen wohl kaum eine Gefährlichkeit der Identitären aufzuzeigen.

01.11.2016 18:56 Altmärker 1

Hier könnte ruhig erwähnt werden, dass es sich dabei nicht um eine hippe Jugendbewegung handelt, sondern um ein Konglomerat von Aktivisten der JN, NPD, rechter Burschenschaften und Neonazis!

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:

Wo steht denn da, dass es sich um hippe Jugendbewegung handelt?