Fallschirmunglück in Halle "Die Trauer ist bis jetzt nicht weniger geworden"

Am 26. September 1997 stürzt vor dem Stadion in Halle ein Fallschirmspringer ab und reißt drei junge Menschen mit in den Tod. Für die Angehörigen der Opfer hatte der Hallesche FC am Dienstagnachmittag zu einer Gedenkveranstaltung am Stadion geladen. Dort erinnert eine Gedenkplakette an die Verstorbenen. Ingmar Leue war damals als Reporter im Stadion und hat sich mit der Mutter eines der Opfer getroffen.

von Ingmar Leue, MDR SACHSEN-ANHALT

Monika Melzer
Monika Melzer: "Ich bin Rentner und noch engagiert. Das hilft, merzt aber die Trauer nicht aus." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Monika Melzer, heute 72 Jahre alt, ist die Mutter eines der Unglücksopfer. Ihr Sohn Holger, damals 28 Jahre alt, starb zusammen mit zwei weiteren jungen Menschen vor dem Kurt-Wabbel-Stadion in Halle. Sein zehn Jahre jüngerer Bruder Andreas war Zeuge der Tragödie.

Wie geht es Ihnen an dem Jahrestag des Unglücks?

Monika Melzer: Die Traurigkeit und Fassungslosigkeit des Unglücks sind allgegenwärtig – die ganzen 20 Jahre. Aber jeweils der 26. September ist für mich ein Tag, den ich nicht haben will. Bei aller Disziplin, die man an sich selber stellt, ist es nach wie vor immer sehr traurig.

Das hat alles so durcheinander gebracht in unserem Leben, sowohl bei mir, als auch bei meinem Sohn und bei seinem Vater. Und das beschäftigt mich an so einem Tag immer besonders. Und dann kommen die Erinnerungen an so einem Tag – und die möchte ich am liebsten weghaben. Aber die sind da und das macht mich nach wie vor traurig.

Vor zehn Jahren haben Sie gesagt: Man kann damit nicht abschließen und auch nicht weiterleben.

Weiterleben möchte ich schon, ich habe ja auch noch den anderen Sohn und selber auch noch Freude am Leben. Aber dass ich einen Sohn verloren habe, das macht mich nach wie vor noch sehr traurig. Und auch in dem Zeitraum von vor zehn Jahren bis jetzt ist das nicht weniger geworden. Es ist noch genauso da. Die Prioritäten sind jetzt etwas anders. Ich bin Rentner und noch engagiert. Das hilft, merzt aber die Trauer nicht aus.

Wie haben Sie damals vor 20 Jahren von dem Unglück erfahren?

Ich hatte im Radio gehört, in den Nachrichten, dass ein schreckliches Unglück in Halle passiert ist und dass vier Menschen ums Leben gekommen sind. Und da haben ich gedacht: Das sind ja hoffentlich nicht die Vier, also der Andreas und der Holger und ein Freund vom Holger und noch die Freundin. Und in der Zeit, wo ich nicht wusste was los ist, das war eine ganz schlimme Zeit an dem Abend.

Vor 20 Jahren: Tragödie beim Halle-Derby

Drei Jungs stehen vor einer Gedenktafel.
Vor 20 Jahren ereignet sich eine Tragödie beim Derby des Halleschen FC und dem VfL Halle 96. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Drei Jungs stehen vor einer Gedenktafel.
Vor 20 Jahren ereignet sich eine Tragödie beim Derby des Halleschen FC und dem VfL Halle 96. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Fallschirmspringer in der Luft
Vor Spielbeginn ist eine außergewöhnliche Show-Einlage geplant. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Fallschirmspringer landet im Fußballstadion
Drei Fallschirmspringer wollen aus über 1.000 Meter Höhe starten und mit dem Spielball ins Stadion gleiten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Gebäude des Flugplatzes Halle/Oppin
Die Fallschirmspringer waren vom nahe gelegenen Flugplatz in Oppin gestartet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Krankenwagen parken auf einem Platz
Doch bei einem Springer öffnete sich der Fallschirm nicht vollständig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Blumen und ein Foto des Verunglückten neben der Gedenktafel
Der 37-Jährige stirbt vor Ort und reißt drei weitere Fans mit in den Tod. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Menschen verlassen ein Fußball-Stadion über das Spielfeld
Das Spiel wird abgesagt. Die Besucher sollen das Stadion geordnet verlassen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Menschen stehen zwischen Polizei-Wagen
Die Besucher sind entsetzt. Die Stadt trauert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Niedergelegte Blumen und Kerzen
Kerzen und Blumen werden in den Tagen nach der Tragödie vor dem Stadion niedergelegt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Gedenktafel zum Fallschirmunglück in Halle
Eine Gedenktafel erinnert noch heute an die Opfer. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Gedenktafel zum Fallschirmunglück in Halle
20 Jahre nach dem Unglück findet vor dem Kurt-Wabbel-Stadion eine Gedenkfeier statt.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 26.09.2017 | 19:00

Quelle: MDR/sp
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Als die Nachricht kam, wie schwer war es in der ersten Zeit für Sie und Ihren überlebenden Sohn?

Das war, als ob es nicht wahr ist, als ob ein Film abläuft. Der Andreas war blass und die Schuhe… Das habe ich noch so vor mir, wie er da kam mit diesen blutverschmierten Schuhen. Und er wusste ja auch noch gar nicht, was alles so los war. Die haben immer noch gedacht: Vielleicht liegt er ja im Krankenhaus. Das war ein schrecklicher Abend.

Wie wichtig ist Ihnen das Gedenken oder sind sie in Ihrer Trauer lieber alleine?

Eigentlich alleine. Ich denke da auch immer noch an die anderen beiden jungen Leute. Es sind ja drei junge Leute mitten aus dem Leben herausgerissen worden. Also nicht nur der Verlust des eigenen Sohnes und die Auswirkungen auf das Leben meines anderen Sohnes – das ist, was mich zusätzlich traurig macht.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 26.09.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/mp

Zuletzt aktualisiert: 26. September 2017, 20:49 Uhr

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