Teilnehmer an einem Computer
Bei "Jugend hackt" können zwölf bis 18-Jährige mitmachen. (Archivbild) Bildrechte: CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Leonard Wolf

Interview zu "Jugend hackt" Zwölfjährige programmieren in Halle

Bei Hackern denken viele an dunkle Gestalten, die mit krimineller Energie Daten stehlen. Doch Hacker – das sind auch Zwölfjährige, die Lust auf Computer haben. Am Wochenende treffen sich junge Programmierer aus ganz Deutschland in Halle. Sie wollen mit ihren Projekten die Welt verbessern. Warum die Teilnehmer so jung sind, erklären die Organisatoren im Interview: Medienpädagogin Lisa Krug (29) und Softwareentwickler Daniel Havlik (38).

Teilnehmer an einem Computer
Bei "Jugend hackt" können zwölf bis 18-Jährige mitmachen. (Archivbild) Bildrechte: CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Leonard Wolf

MDR SACHSEN-ANHALT: Jugendliche, die unter Anleitung hacken. Das klingt in den Ohren vieler Menschen kriminell...

Daniel: Das ist ein Grund, warum das überhaupt "Jugend hackt" heißt. Das ist Absicht, um auch daran zu arbeiten, dass in der Gesellschaft ankommt, dass hacken nichts Kriminelles ist, sondern einfach nur den kreativen Umgang mit Technik beschreibt.

Lisa: Das heißt, Sachen auseinandernehmen und wieder neu zusammen bringen.

Teilnehmer an einem Computer
Bei einer früheren Veranstaltung von "Jugend hackt" Bildrechte: CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Leonard Wolf

Daniel: Genau, oder für etwas anderes verwenden, für das es ursprünglich nicht da war. Man kann zum Beispiel auch Fahrräder hacken, indem man ein Fahrrad nimmt und einen Generator anbaut und damit Strom erzeugt. Bei "Jugend hackt" geht es auch darum, dass man den Jugendlichen, die schon programmieren können – denn das ist die Zielgruppe – den verantwortungsvollen Umgang mit ihren Kenntnissen vermittelt.

Es gibt diese Hacker-Ethik, da stehen Sachen drin wie 'Mülle nicht in den Daten anderer Leute'. Wenn man Zugriff auf Daten von anderen erlangt, wenn man zum Beispiel eine Sicherheitslücke findet, dann verbietet es sich, in diesen Daten rumzustöbern und damit irgendetwas zu tun.

Ist das nicht sehr jung, wenn Kinder schon ab zwölf Jahren mitmachen können?

Daniel: Also zwölf ist überhaupt nicht jung. Ich habe zum Beispiel letztes Jahr einen Programmierkurs in einer vierten Klasse gegeben, das waren Neun- und Zehnjährige. Das ist eigentlich so das Einstiegsalter. Sobald man lesen und schreiben kann, kann man auch programmieren lernen. Ich war damals erst mal vom Computer an sich fasziniert. Und als ich dann gelernt habe, ihm zu sagen, was er machen soll, war das dann noch faszinierender.

Ein Mann und eine Frau mit dunklen T-Shirts.
Die Organisatoren für das Treffen in Halle Bildrechte: MDR/Lisa Krug

"Jugend hackt" 2013 wurde die Veranstaltung ins Leben gerufen. Sie wird vor allem von der "Open Knowledge Foundation Deutschland" finanziert. Die ersten Workshops gab es in Berlin, es kamen weitere Städte dazu und nun treffen sich junge Programmierer auch in Halle. Sie bearbeiten unter Anleitung gesellschaftlich wichtige Themen – wie "Fake News".

"Jugend hackt" in Halle haben Softwareentwickler Daniel Havlik und Medienpädagogin Lisa Krug organisiert.

Warum treffen sich die jungen Programmierer ausgerechnet in Halle?

Daniel: Diese Veranstaltungsreihe gibt es schon mehrere Jahre. Ich habe schon zwei Mal als Mentor ehrenamtlich mitgemacht und habe von Anfang an gedacht: 'Eigentlich müssten wir das in Halle auch mal haben, weil das so cool ist'.

30 Jugendliche zwischen zwölf und 18 Jahren haben sich angemeldet. Wo kommen die her? Und sind da auch Mädchen dabei?

Lisa: Ja, wir haben immerhin drei Mädchen dabei.

Daniel: Ich würde mal grob sagen, ein Drittel kommt aus Halle, ein weiteres Drittel kommt aus Ostdeutschland und ein weiteres Drittel aus ganz Deutschland. Das reicht vom Bodensee bis nach Hamburg.

Ihr gebt den Jugendlichen viele Daten. Was machen sie dann damit?

Brainstormingphase im Jugendhaus Königstadt
Die Kinder und Jugendlichen tüfteln gemeinsam, bevor es ans Programmieren geht. (Archivbild) Bildrechte: CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Leonard Wolf

Lisa: "Jugend hackt" steht immer unter einem bestimmten Thema, das sind gesellschaftlich relevante Themen. Dieses Jahr ist es "Echt oder falsch?", in Anlehnung an die ganze Fake News-Debatte. Das heißt, es geht nicht nur darum, irgendetwas zu programmieren, sondern sich eine Fragestellung oder ein Problem zu nehmen und dafür eine Lösung zu entwickeln.

Ein schönes Beispiel: Da hat ein Teilnehmer letztes Jahr zum Thema Überwachung ein Armband entwickelt, das immer vibriert, wenn man an einer Überwachungskamera im öffentlichen Raum vorbeigeht.

Was macht ihr die drei Tage? Sitzen alle – wie im Klischee – stumm bei schummrigem Licht bis tief in die Nacht vor ihren Laptops?

Mentor hilft Teilnehmerin an einem Computer
Die jungen Hacker werden von sogenannten Mentoren unterstützt. (Archivbild) Bildrechte: CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Leonard Wolf

Daniel: Am Freitag werden Brainstormings gemacht. Da gibt es Themenräume, wo sich die Jugendlichen einen aussuchen können. So etwas wie Umwelt, Bildung und Netzpolitik. Und dann können sie relativ frei da drin sitzen und Ideen haben. Und dann finden sie sich spätestens am nächsten Morgen zu Teams zusammen, in denen sie diese Projekte umsetzen. Allein arbeiten soll keiner. Es gibt dann meistens Teams von drei bis zu zehn Teilnehmenden, die dann an einem Projekt arbeiten.

Lisa: Und das Licht machen wir an, denn wir brauchen auch Licht, damit die Jugendlichen mit Hardware basteln können. Das heißt, das findet gar nicht alles nur am Laptop statt. Manchmal wird auch gelötet oder Elektronik zusammengebaut.

Daniel: Und 3D-Drucker werden auch eingesetzt. Zum Beispiel dieses Armband-Projekt – da hat er dann so ein Armband 3D-gedruckt.

Wer hilft den Nachwuchs-Programmieren bei Fragen?

Lisa: Es kommen Mentoren aus ganz Deutschland, die auch schon bei anderen "Jugend hackt"-Veranstaltungen mitgemacht haben. Einige sind auch direkt hier aus Halle aus dem Umfeld vom Eigenbaukombinat, in dem das Treffen stattfindet.

Daniel: Das sind zwölf oder 13 Leute. Es gibt Mentoren, die gut programmieren können und die Jugendlichen unterstützen. Es gibt aber auch welche, die sich gut mit Elektronik auskennen. Und es gibt einen, der die ganzen 3D-Druck-Sachen macht.

Kann da auch der "normale" Hallenser gucken kommen?

Daniel: Die Abschlussveranstaltung wird am Sonntag um 13 Uhr in der Landsberger Straße 16 stattfinden und nicht im Eigenbaukombinat. Und es wird auch live übertragen im Internet. Da kann jeder hinkommen und es werden alle Projekte durch die Jugendlichen vorgestellt.

Teilnehmer an einem Computer
Ihre Ergebnisse stellen die Jugendlichen am Sonntag in Halle vor. (Archivbild) Bildrechte: CC-BY 4.0 Jugend hackt, Foto: Leonard Wolf

Das Interview führte Luise Kotulla.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 12.11.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/lk

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2017, 17:45 Uhr

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