Pizza Teig im Werk der KATHI Rainer Thiele GmbH in Halle, 2005
Kathi vertraue auf die "Ausdruckskraft und die Schönheit der deutschen Sprache". Deshalb wurde das Unternehmen als "Sprachvorbild" ausgezeichnet. Bildrechte: IMAGO

Ehrung für hallesches Unternehmen Kathi ist "Sprachvorbild"

Das Backmischungs-Unternehmen Kathi wurde am Freitag für die hohe Qualität seiner sprachlichen Außendarstellung geehrt. Der Verein Deutsche Sprache zeichnete die "Familie feiner Backideen" aus.

Pizza Teig im Werk der KATHI Rainer Thiele GmbH in Halle, 2005
Kathi vertraue auf die "Ausdruckskraft und die Schönheit der deutschen Sprache". Deshalb wurde das Unternehmen als "Sprachvorbild" ausgezeichnet. Bildrechte: IMAGO

"Kinderbacken" anstatt "Backen für Kids", "Arbeiten bei Kathi" anstatt "Jobs" – diese und viele weitere sprachliche Besonderheiten haben dem halleschen Unternehmen Kathi den Preis als Sprachvorbild eingebracht. Der Verein für Deutsche Sprache lobte den Hersteller von Backmischungen, Mehl und Backzutaten für seine "natürliche, ehrliche und angenehme Sprache". Am Freitag wurde die Auszeichnung von der Regionalgruppe Sachsen-Anhalt an Geschäftsführer Marco Thiele überreicht.

Zwei Männer und eine Frau lächeln in die Kamera.
Zwei Mitglieder vom Verein Deutsche Sprache überreichen Kathi-Geschäftsführer Marco Thiele (Mitte) die Urkunde. Bildrechte: KATHI Rainer Thiele GmbH

"Wir haben keine Meetings, wir haben Sitzungen", heißt es von Kathi. Was im Unternehmen beginne, höre beim Verbraucher nicht auf. "Wir wollen, dass uns der Verbraucher versteht. Dazu gehört auch die Sprache", sagte Susen Thiele MDR SACHSEN-ANHALT. Und so würde man beispielsweise nicht vom "Cake to go", also dem Kuchen zum Mitnehmen, sprechen, sondern vom "Lieblingskuchen im Glas". Selbst auf Abkürzungen würde wo möglich verzichtet. Das hallesche Familienunternehmen konnte aber mit einer Abkürzung punkten – und zwar mit dem eigenen Firmennamen. Denn "Kathi" steht für Kaethe Thiele, eine der Gründerinnen des Unternehmens. Dies sei ein sympathischer, authentischer deutscher Spitzname.

Sprachvorbilder und Sprachpanscher

Der Verein Deutsche Sprache findet sie alle – die positiven Beispiele und vor allem auch die negativen. Selbst der Duden bekam schon den Negativ-Preis "Sprachpanscher des Jahres".

die ZDF Lichtreklame vor dem Gebäude
Der "Sprachpanscher des Jahres 2016" war nach Meinung des Vereins Deutsche Sprache das ZDF. Erneut, denn 2004 hatte der Sender auch schon die zweifelhafte Ehre. "Das ist die erneute Quittung für den peinlichen Versuch des Senders, mit Kiddie Contests, Webcam Nights oder dem neuen Format "I can do that – die große Promi-Challenge" mit vielen Showacts die Zuschauer vom Weiterschalten abzuhalten", hieß es. Bildrechte: IMAGO
die ZDF Lichtreklame vor dem Gebäude
Der "Sprachpanscher des Jahres 2016" war nach Meinung des Vereins Deutsche Sprache das ZDF. Erneut, denn 2004 hatte der Sender auch schon die zweifelhafte Ehre. "Das ist die erneute Quittung für den peinlichen Versuch des Senders, mit Kiddie Contests, Webcam Nights oder dem neuen Format "I can do that – die große Promi-Challenge" mit vielen Showacts die Zuschauer vom Weiterschalten abzuhalten", hieß es. Bildrechte: IMAGO
Zimmermädchen macht Hotelbett
Positiv-Beispiel: Das hallesche Dorint-Hotel. Es gilt seit 2015 als Sprachvorbild, hat sogar eine Broschüre im halleschen Dialekt für die Gäste parat. Bildrechte: MDR/Luise Kotulla
Präsident der TU-München Prof. Dr. Wolfgang A. Herrmann (GER) am Reaktor-Kühlbecken des neuen Garchinger Forschungsreaktor FRM II
Er wurde im Jahr 2015 "Sprachpanscher des Jahres": Prof. Dr. Wolfgang A. Herrmann, Präsident der Technischen Universität München. Er wollte fast alle Masterstudiengänge nur noch auf Englisch anbieten. Damit fiele er "allen Bestrebungen in den Rücken, das Deutsche als ernstzunehmende Wissenschaftssprache am Leben zu erhalten." Bildrechte: IMAGO
In der Hansestadt Hamburg gibt es 9100 Mülleimer auf öffentlichen Straßen ... und diese sind beklebt mit coolen Sprüchen
Lob gab es dagegen für die Stadtreinigung Hamburg und die kreative Sprache auf ihren Mülleimern. Bildrechte: IMAGO
Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei einem Besuch auf dem Truppenübungsplatz Colbitz-Letzlinger Heide am ‎28. ‎Januar ‎2014
Die Sprachpanscherin des Jahres 2014 heißt Ursula von der Leyen. Die Verteidigungsministerin hatte auf der Sicherheitskonferenz in München trotz Simultandolmetschern ihre Rede auf Englisch gehalten. Bildrechte: MDR/Andreas Müller
Kathi
Kathi sehen die Mitglieder vom Verein Deutsche Sprache dagegen als Vorbild, da das Unternehmen "gegen den Zeitgeist auf die Ausdruckskraft und die Schönheit der deutschen Sprache vertraue". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Frau hält einen Duden in den Händen.
Wer hätte das gedacht – der Sprachpanscher des Jahres 2013 war der Duden. "Wer in
einem Wörterbuch der deutschen Sprache als Ersatz für Fußball den lächerlichen Angeber-Anglizismus 'Soccer' vorschlägt, hat es nicht besser verdient", hieß es. Denn warum nicht "Nachsteller" anstatt Stalker sagen, "Netzhandel" anstatt "E-Business" oder "Klapprechner" anstelle von "Laptop". Ja – warum eigentlich nicht?

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | Studio Halle | 07.07.2017 | 12:30 Uhr

Quelle: MDR/lk
Bildrechte: dpa
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Der Verein für Deutsche Sprache zeichnet jährlich zwischen zehn und 20 Unternehmen oder Einrichtungen aus, die sich um die deutsche Sprache verdient machen. So wurde auch schon ein Zoo zum Vorbild gekürt oder die Hamburger Stadtwerke, die ihre Mülleimer kreativ beschriftet hatten. Mit dem mittelständischen Familienunternehmen Kathi kommt nun wieder ein "Sprachvorbild" aus Halle. Bereits vor zwei Jahren erhielt der hallesche Hoteldirektor Bertram Thieme die Auszeichnung. Der Verein Deutsche Sprache ist mit seinen 36.000 Mitgliedern der mit Abstand größte Sprach- und Kulturverein in Europa.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | Studio Halle | 07.07.2017 | 12:30 Uhr

Quelle: MDR/lk

Zuletzt aktualisiert: 07. Juli 2017, 16:49 Uhr

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7 Kommentare

08.07.2017 17:41 Ex - Thüringerin 7

Empfehlenswert zum Thema - Deutschlandfunk online / Artikel vom 23.08.16: "VDS - Entwicklung zur Sprach-Pegida?" - Fazit: Verein repräsentiert realitätsfernen Sprach-Purismus mit einer guten Portion Antiamerikanismus - daran ändern auch einige prominente Mitglieder nicht viel.

08.07.2017 08:18 Rocky 6

@2 Demokrat: Für Sie sind demnach folgende Mitglieder des VDS Rechtsextreme: Dieter Hallervorden, Reinhard Mey, Ottmar Hitzfeld und Antje Vollmer (Quelle: Wikipedia).
Sie legen die "Nazikeule" wohl auch beim Gang auf die Toilette nicht aus der Hand?

07.07.2017 00:06 Kampfkürbis 5

@Agnostiker: Sie haben den Post (Hilfe, ein Anglizismus!) des Demokraten falsch verstanden.
1. Er hat nicht davon gesprochen, dass die reindeutsche Sprache ihm zuwider sei, sondern lediglich aufgezeigt, dass der VDS in dieser Hinsicht sehr penibel und geradezu reaktionär wirkt.
2. Keiner hat davon gesprochen, möglichst viele deutsche Worte durch englische zu ersetzten, wie Sie ihm ans Herz legen. Aber es ist ein normaler Prozess, dass - aus verschiedenen Gründen - Worte aus anderen Sprachen übernommen werden. Sprache lebt und entwickelt sich. Vieles verschwindet nach einigen Jahren wieder, anderes wird in originaler oder veränderter Form im Sprachgebrauch fest verankert. Im Deutschen gibt es ja zum Beispiel auch viele Begriffe, die aus dem Französischen entlehnt sind.

07.07.2017 23:53 Kampfkürbis 4

Wer "Pizza Teig" in zwei Worten schreibt, sollte m. E. nicht als Sprachvorbild angesehen werden. Diese Trennung von Wortbestandteilen, die eigentlich zusammengeschrieben gehören, ist, by the way, auch aus dem Englischen übernommen. Dieser Trend, zusammen mit dem vollkommen sinnbefreiten Einsatz von Apostrophen, ist für mich viel schlimmer zu beobachten als das Übernehmen einzelner Wörter aus dem Englischen. Von mir aus können sie gerne auch "Cake to go" verkaufen (schon weil diese Bezeichnungen ja doch etwas anderes ausdrückt als "Lieblingskuchen im Glas"), solange sie nicht in ein paar Jahren zum "Sprach Vorbild" gekürt werden. Wobei mir auch das, wenn ich so darüber nachdenke, noch hinreichend egal wäre.

07.07.2017 20:48 Agnostiker 3

@ 2: Wenn Ihnen die reindeutsche Sprache so zuwider ist, warum gehen Sie dann nicht mit gutem Beispiel voran und firmieren im Kommentarbereich von nun an als "Democrat"?
Sonnst koennte es tendenziell passieren, dass Sie mit den Rechtsextremen "in einen Topf" geworfen werden, und das wollen wir doch beide nicht, oder? ;)

07.07.2017 20:12 Demokrat 2

Ob man sich über diesen Preis so freuen sollte? Der VDS ist tendenziell rechtsextrem. Er hat etliche AfD-Politiker in seinen Reihen und betreibt ein absurdes Sprachverständnis. Nach Meinung des VDS hat z.B. das Wort "Stop" nichts in der reindeutschen Sprache zu suchen.

07.07.2017 18:28 Agnostiker 1

Guter Verein!
Zur Strafe sollte "Capri sun" (Capri-Sonne!) von nun an nur noch als "kontrollierte Substanz" gegen Altersnachweis verkauft werden!