Stefan Zubcic, neuer Eigentümer von MIFA
Stefan Zubcic hat dem Unternehmen zwar einen neuen Namen gegeben – Sachsenring Bike Manufaktur – aber er hat es strategisch bisher nicht neu ausgerichtet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mifa-Eigentümer Zubcic Neue alte Geschäftsstrategie bei Mifa

Als der Investor Stefan Zubcic bei Mifa einstieg, war die Erleichterung der verbliebenen Mitarbeiter groß. Doch statt das Unternehmen neu auszurichten, setzt der Geschäftsführer auf alte Karten. Abnehmer für die Mifa-Fahrräder sollen im Großhandel statt im Fachhandel gefunden werden. Auf "Neustart" stehen die Zeichen damit nicht.

Stefan Zubcic, neuer Eigentümer von MIFA
Stefan Zubcic hat dem Unternehmen zwar einen neuen Namen gegeben – Sachsenring Bike Manufaktur – aber er hat es strategisch bisher nicht neu ausgerichtet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Aufatmen war groß, als es vor einigen Wochen hieß, dass der Traditionsbetrieb Mifa in Sangerhausen doch nicht abgewickelt wird. Der Unternehmer Stefan Zubcic hat den insolventen Fahrradhersteller im Juli übernommen. Die alten Produktionsanlagen ließ er provisorisch wieder in Betrieb nehmen. Der Schritt zurück in die alten Hallen steht sinnbildlich für die "Weiter so"-Strategie, mit der er die Firma offenbar führen möchte.

Zubcic deutet gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk an, weiter auf den Großhandel als Hauptabnehmer der Mifa-Räder setzen zu wollen: "Wir werden sicherlich nicht nur im Fachhandel aktiv sein, sondern wir werden jetzt gerade am Anfang unsere Großkunden angehen – also die Großhandelsketten, wo auch Mifa in der Vergangenheit sehr stark war. Wo man auch wirklich Geld verdienen kann." Damit führt Zubcic die bisher verfolgte Unternehmensstrategie fort.

Fachhändler haben sich von Mifa abgewendet

Radhändler Michael Weishaupt
Beim Fahrradhändler Michael Weishaupt hat die Marke Mifa ihren guten Ruf verloren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Problem: Abnehmer für die Fahrräder sind nur schwer zu finden. Bei vielen Fachhändlern hat die Marke ihren guten Ruf verloren, etwa bei dem Händler Michael Weishaupt aus Magdeburg. Er meint, das Konzept, auf Billigräder zu setzen, sei gescheitert: "Kein Fachhändler ist bereit, nachdem ein Produkt auf dem Markt verramscht wurde, dieses Produkt wieder als Fachhandelsprodukt in seinem Laden zu nehmen."

Der Weg, den Mifa vor Jahren eingeschlagen hat, wird nun offenbar auch unter der Führung Zubcics weitergegangen. Der Fahrradbauer setzt mit dem Großhandel als Hauptabnehmer eher auf Quantität, denn auf Hochqualität für den Fachhandel.

Der Lebenslauf des Investors Zubcic

Der 48-jährige Stefan Zubcic aus dem fränkischen Coburg hat sich auf die Übernahme und den Neuaufbau insolventer Unternehmen spezialisiert. Er ist mit seiner Sachsenring-Gruppe in den Bereichen Karosseriebau, Medizintechnik und Flachglasveredelung tätig. Einige der Unternehmen, die er leitete, sind allerdings pleite gegangen. Zubcic ist auch durch seine politische Laufbahn bekannt: 2013 kandidierte er als Direktkandidat der AfD für den Bundestag. Er verließ die Partei 2015.

Mitarbeiter arbeiten an Fahrrädern
In der alten Produktionshalle läuft der Betrieb wieder. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit der Übernahme von Mifa hat Zubcic nun Verantwortung für 130 Mitarbeiter. Geändert hat sich bisher nur der Name: Die Belegschaft arbeitet nun nicht mehr für Mifa, sondern für die "Sachsenring Bike Manufaktur". Einige Neuerungen gibt es aber doch – nämlich weitere Einschnitte für die Arbeitnehmer, die sich bereits andeuten. Zubcic hat einen Antrag auf Kurzarbeit gestellt.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT Heute | 12.08.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/rj

Zuletzt aktualisiert: 12. August 2017, 17:02 Uhr

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9 Kommentare

13.08.2017 18:51 Der Verdacht liegt nahe 9

@13.08.2017 16:36 Susan (7 Den Kapitalbesitzern geht es halt wie eh und je darum, möglichst viel Profit mit möglichst wenig Aufwand aus ihrem Kapitalbesitz zu ziehen. Gelingt das nicht allein durch Ausbeutung der Lohnarbeit, müssen andere Strategien her. Papa Staat springt ein, ist er doch das liebste Kind des Kapitalbesitzer, weil er für dessen Interessen gerne hübsche Sümmchen locker macht, die natürlich zuvor ebenfalls vor allem Lohnabhängigen genommen wurden (Steuern, Abgaben). Wozu gibt es sonst Gesetze, die Gewinne privatisieren und Verluste sozialisisieren?)

Der Verdacht besteht hier jednefalls dringend. Billigproduktion für Billiganbieter ist auf Dauer und solange die Seefrachtrouten frei befahrbar sind, kein Geschäft. Es sei denn, die hilfreichen Lobbyisten und Knechte des Kapitals aka "Unsere Politiker" finanzieren die Verluste. Mit Steuergeld.

Irgendetwas stinkt hier jedenfalls ganz gewaltig - so kurz vor der Bundestagswahl....

13.08.2017 18:42 Die veröffentlichte Wahrnehmung 8

@12.08.2017 18:50 Brennabor 2 (Kann es überhaupt Spaß machen Billigräder herzustellen ? Mir tun die Mitarbeiter leid. Deutschland war mal ein Fahrradland, die Zeiten sind schon lange vorbei.)

Sie irren und Sie irren natürlich, weil die veröffentlichte Meinung der veröffentlichten Wahrnehmung entspricht. Der Branche, soweit mit Qualitätszweirädern(!) beschäftigt, geht es gar nicht mal so übel. Der Anteil der Radfahrer an den Gesamtpersonenkilometern im Bund nimmt stetig zu, in Berlin z. B. "dramatisch". Wem das nicht passt, dürfte klar sein - die Folgen dieses Mißbehagens der Lobby auch: Da muss ich mir nur die "Unfallmeldungen" in den öffrechtlichen Medien ansehen.

Nur: Da in Sangerhausen läuft eindeutig erneut ein schmutziges Spiel ab. Und auch ich wüsste gerne, wieviel Steuergeld jetzt und hier im Spiel ist und wer es ggfs. bewilligt hat - die Namen, wohlgemerkt. Die Sache wird so nicht lange laufen und das scheint einkalkuliert - im September WAREN dann ja Wahlen...

13.08.2017 16:36 Susan 7

Den Kapitalbesitzern geht es halt wie eh und je darum, möglichst viel Profit mit möglichst wenig Aufwand aus ihrem Kapitalbesitz zu ziehen. Gelingt das nicht allein durch Ausbeutung der Lohnarbeit, müssen andere Strategien her. Papa Staat springt ein, ist er doch das liebste Kind des Kapitalbesitzer, weil er für dessen Interessen gerne hübsche Sümmchen locker macht, die natürlich zuvor ebenfalls vor allem Lohnabhängigen genommen wurden (Steuern, Abgaben). Wozu gibt es sonst Gesetze, die Gewinne privatisieren und Verluste sozialisisieren? Der Staatsapparat ist nun mal - und das wissen oft selbst die nicht, die für ihn arbeiten - ein Instrument der Kapitalbesitzer. Aus diesem Grunde sind kapitalistische Staaten in ihrer heutigen Form überhaupt nur entstanden. Tja, die ehemaligen DDR-Bürger haben halt, bei aller Berechtigung und Notwendigkeit staatlicher Reformen, beim Verscherbeln ihres Volkseigentums an Produktionsmitteln gejubelt. Etwas wie das hier ist der Preis.

13.08.2017 11:04 gwm 6

Hat denn der Herr Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) schon die Schatulle geöffnet ?
Darauf wird der Herr Zubcic doch wohl warten oder gäbe es eine anderen Grund für die
MIFA-Übernahme? Wenn man den Lebenslauf dieses Herren so liest....

12.08.2017 21:35 Naja... 5

Einfach nur zu hören....würde ich dort arbeiten,wäre ich ab sofort auf der Suche nach anderer Arbeit!

12.08.2017 20:47 BikeMike 4

Ich kenne viele Radfahrer, aber keine Sau, die Mifa fährt.
Warum soll der Dicke das besser machen, als seine Vorgänger?
Ich drück den Arbeitnehmern trotzdem die Daumen.

12.08.2017 20:41 Nach wie vor... 3

(Händler Michael Weishaupt aus Magdeburg. Er meint, das Konzept, auf Billigräder zu setzen, sei gescheitert: "Kein Fachhändler ist bereit, nachdem ein Produkt auf dem Markt verramscht wurde, dieses Produkt wieder als Fachhandelsprodukt in seinem Laden zu nehmen.")

.... hätte ich gerne genaue und umfassende Informationen über öffentliches Geld und entsprechende geldwerte Vorteile, die in dieser mehr als merkwürdigen "Firma" stecken bzw. noch jetzt fliessen. Weishaupt/MD trifft den Nagel auf den Kopf und was der sog. "Investor" da jetzt betreibt, macht mittel- und langfristig keinerlei Sinn - es sei denn, der Mann "rechnet" mit Steuergeld/Subventionen.

Ich fordere den MDR auf, hier mit Recherchen anzusetzen und zwar am besten vorgestern.
Die Profite dieser Sorte "Unternehmer" zu subventionieren, geht nämlich GAR NICHT.
Sollte sich herausstellen, dass der Berufsfirmenretter Haseloff oder sein "Kabinett" wieder hier die Finger im Spiel hat...

12.08.2017 18:50 Brennabor 2

Kann es überhaupt Spaß machen Billigräder
herzustellen ? Mir tun die Mitarbeiter leid.
Deutschland war mal ein Fahrradland, die Zeiten
sind schon lange vorbei.

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:

Wie meinen Sie das genau? Bevor das Auto erfunden wurde, oder wann genau?

12.08.2017 18:33 Zaehle die Finger nach dem Handschlag 1

Man braucht den nur anzuschauen, um zu wissen, dass man von dem keinen Gebrauchtwagen kaufen wuerde.

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