Ein Verkehrsschild steht vor einem Gebäude der MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke
In den Lagern der Juri-Gagarin-Straße in Sangerhausen findet der Werksverkauf statt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Lagerbestände sollen versilbert werden Mifa startet Werksverkauf in Sangerhausen

Ende März musste der Fahrradhersteller Mifa erneut Beschäftigte entlassen. Es fehlte das Geld, um einen Großauftrag abarbeiten zu können. Jetzt will Mifa seine Lagerbestände verkaufen und lockt mit Rabatten. Bis zu 25 Prozent können gespart werden. Man sei auf eine große Nachfrage eingestellt. Mit dem Verkauf der Lagerbestände will Mifa den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten.

Ein Verkehrsschild steht vor einem Gebäude der MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke
In den Lagern der Juri-Gagarin-Straße in Sangerhausen findet der Werksverkauf statt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auf dem Gelände des insolventen Fahrradherstellers Mifa in Sangerhausen startet der Verkauf von Lagerbeständen. Insolvenzverwalter Lucas Flöther sagte MDR SACHSEN-ANHALT, Einnahmen über Verkäufe seien momentan die Haupteinnahmequelle. Mifa habe große Lager und diese müssten abverkauft werden. "Daraus wollen wir zumindest so viel Liquidität erzielen, um den Geschäftsbetrieb im bisherigen Umfang aufrecht zu erhalten", ergänzte Flöther. Das sei wichtig, um weiterhin mit Investoren verhandeln zu können und um einen laufenden Betrieb irgendwann verkaufen zu können.

Keine ausreichende Liquidität

Insolvenzverwalter Lucas Flöther
Insolvenzverwalter Lucas Flöther Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Erst Ende März war bekannt geworden, dass 109 Beschäftigte ihren Job verlieren. Es fehlte das Geld, um die Materialien und Löhne für einen Großauftrag vorfinanzieren zu können. Die Entlassenen sollten in eine Transfergesellschaft überführt werden. Die Zahl der Mitarbeiter sank damit von 240 auf 130. Mifa war einer der größten Arbeitgeber im Landkreis.

Flöther sagte dazu MDR SACHSEN-ANHALT, die Liquidität des Betriebes habe nicht ausgereicht, um alle Großaufträge abzuarbeiten. Da man in einer Insolvenz gesetzlich keine Verluste erwirtschaften dürfe, habe man die Reißleine ziehen müssen.

Michael Perner, IG Metall Halle-Dessau, Betreuender Gewerkschaftssekretär für die mifa, des Betriebsrats und der Mitglieder
Michael Perner, IG Metall Halle-Dessau Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Michael Perner von der IG Metall Halle-Dessau bewertete die Chancen der Mitarbeiter, einen neuen Job zu finden, als "gar nicht schlecht." Er sagte: "Als IG Metall glauben wir fest daran, dass wir hier in Sangerhausen mit der Mifa eine Zukunft haben." Von der ersten Entlassungswelle seien etwa 40 Leute schon vermittelt worden.

Werksverkauf in der Gagarin-Straße

Für den Lagerverkauf sei man auf eine große Nachfrage eingestellt, betonte der Sprecher der Insolvenzverwaltung, Christoph Möller. Bis zu 25 Prozent könnten bei E-Bikes, Trekking- oder Cityrädern gespart werden. Sogar bereits preisreduzierte Fahrräder würden von den erneuten Abschlägen profitieren.

Der Sonder-Werksverkauf findet in der Juri-Gagarin-Straße in Sangerhausen statt. Die Öffnungszeiten weichen von den üblichen Zeiten ab.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 03.04.2017 | 6:00 Uhr

Quelle: MDR/mp

Zuletzt aktualisiert: 03. April 2017, 05:58 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

13 Kommentare

05.04.2017 07:59 Leute passt auf 13

Leute passt auf und bedenkt, dass ihr bei der bekannten mäßigen Qualität keine Gewährleistungsansprüche bei Insolvenz habt. Das ist es nach meiner Meinung nicht wert. Darauf hätte der MDR eigentlich hinweisen müssen wenn er schon Werbung für den Abverkauf macht... Naja

03.04.2017 21:10 ascanier 12

Ich wusste es doch, die positive Nachricht kommt noch, der WERKS (ab) VERKAUF, danke MDR! Eigentlich wollte ich echt ´nen Tripp nach SGH machen. Aber wenn ich hier über die desolate Qualität selbst für Billigszeugs lese, lass ich es lieber bleiben. Da kommen mir Kindheitserinerungen wieder hoch. Ich fahre DIAMANT!! Boah blöder MIFA Mist! Damals wie heute. Manches ändert sich nie, auch nicht in der Marktwirtschaft.

03.04.2017 16:59 Klauspeter 11

Warum erfolgt der Abverkauf der Altbestände jetzt erst? Sollte der noch verbaut werden? Warum wird das Zeug nicht online verkauft? Alles deutet auf Hartleibigkeit in der Betriebsführung hin!

03.04.2017 16:23 Gerettet in Sachsen-Anhalt... 10

@03.04.2017 14:44 alle haben wohl ähnliche Erfahrungen mit Mifa.... (9 schon komisch, wir haben die gleichen Erfahrungen wie Nr. 1 und 8 gemacht...)

Ich (Radsportler) kenne keine anderen Meinungen über MiFa-Produkte. Die MiFa-Zielgruppe ist schlandtypisch bei Hauptsachebillig-Kunden im Massenmarkt eingenordet. Der faktische Markt hat nun lediglich bewiesen, dass es sich bei diesem Wohlgefühl um ein typisches BWLer-Wahnbild gehandelt hat. Interessant ist eigentlich nur die Frage, wer in der Zwischenzeit die Profite eingesteckt und kein Jota reinvestiert hat. Da dürfen die Betroffenen in MD nachfragen, von wo sie ja mehrfach "gerettet" wurden. Wer und was hier tatsächlich "gerettet" worden ist, steht nämlich eigentlich kaum in Frage. Von konzeptioneller Wirtschaftspolitik in SAH kann zudem gar keine Rede sein - wofür u.a. MiFa ein schönes Beispiel ist. BTW: Im September 2017 wird gewählt in diesem Land....

03.04.2017 14:44 alle haben wohl ähnliche Erfahrungen mit Mifa.... 9

schon komisch, wir haben die gleichen Erfahrungen wie Nr. 1 und 8 gemacht...... Den "Müll" vom Lager (sorry, das ist meine meine Meinung) kann getrost verschenkt oder verschrottet werden. ich will's nicht geschenkt.

03.04.2017 13:56 Mifa ist nur der Indikator für die deutschen Zustände 8

@03.04.2017 06:51 Einnahmen über Verkäufe seien momentan die Haupteinnahmequelle (Ich habe im Werksverkauf 2 Fahrräder in SGH gekauft. Qualität war unterirdisch, nur Ärger. Habe die nach endlosen Diskussionen zurückgegeben uns mir Qualitätsräder - nicht von Mifa - gekauft. Nie wieder!)
Wir haben vor 16 Jahren (sechszehn!) dieselbe Erfahrung im sog. "Werksverkauf" dieses elenden Restes einer schon zu DDR-Zeiten gründlich ruinierten Traditionsfirma machen dürfen. Damals war es schon problematisch, einer der drei "Verkäufer" in der Baracke aka Verkaufsraum für unser bescheidenes Anliegen zu interessieren. Verstädnlich, da er sich gerade angeregt mit seinen Kollegen über irgendeinen Privatfirlefanz austauschen zu müssen glaubte. Es kam kein Verkauf zustande. Und das Thema MiFa war damt erledigt, zumal die Produkte technisch und gestalterisch offenbar den ästhetischen Kriterien der Mitte-Fünfziger folgen müssen und sich stolz als Durchschnitt "präsentieren".

03.04.2017 13:47 "Wirtschaftspolitik" i. A. des Kapitals 7

MiFa hat es in vielen Jahren teils hochsubventionierter Tätigkeit nicht geschafft, Qualität zu liefern, eigenständige Entwicklungen vorzustellen oder auch nur originelles Produktdesign anzubieten. Von den Arbeitsverhältnissen ganz zu schweigen. MiFa ist der künstlich beatmete Beweis für den politisch korrupten Schwachsinn, mittel- und langfristig auf Kosten der Beschäftigten/Bürger Billigproduktion in Europa zu halten. Eine winzige Minderheit macht damit Profite, "Politiker" verschleiern damit ihre Katastrophenbilanzen und "arbeiten" dieser profitierenden Minderheit, sprich: dem Kapital, zu, derweil die bösen Asiaten mittlerweile(!) Qualität liefern und den Markt fest in der Hand haben. Im Sinne der herrschenden Ideologie des angeblich Freien Marktes(sic!) hat es keinerlei Sinn, diese Entwicklung weiter zu fördern. Das hält nur die Herrschenden Verhältnisse am Leben, die ja der kausale Grund für den sukzessiven Zusammenbruch der einstigen Qualitätsindustrien Europas sind.

03.04.2017 11:47 Rasselbock 6

Weg mit der Bude und Ruh iss. Die marke MIFA ist verrufen, damit chancenlos.

03.04.2017 11:00 Brennabor 5

F & S war mal das Herzstück der deutschen
Fahrradindustrie mit weltweiten Exporten.
Seit über 20 Jahren nicht mehr existent.
Man kann nur noch mit dem Kopf schütteln,
was hier in D passiert. Heute wird noch
Billigkram produziert, traurig.

03.04.2017 10:36 Totengräber 4

Alles nur Geschwätz. Habe selbst am Fließband in SGH bei Mifa gestanden. Alles nur Billigmaterial und schnelle mache fix!
Der Insolvenzverwalter wird den Betrieb jetzt abwickeln und mit seiner Beute nach Hause fahren. Das Thema Mifa hat sich erledigt.
Billig aus Fernost läuft wohl besser.