Aktionstag : Von der Müllerei zum Mühlentag
Zum Mühlentag haben sich in diesem Jahr in Mitteldeutschland über 350 Einrichtungen beteiligt. Die Mühlengesellschaft setzt sich seit 25 Jahren dafür ein, die Denkmale zu erhalten. Die historische Müllerei hatte bereits mit der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts an Bedeutung verloren. Doch zum alljährlichen Mühlentag wird die alte Technik wieder für Vorführungen in Gang gesetzt.
Sachsen: Von der Ross- bis zur Sagenmühle
Die zentrale Auftaktveranstaltung fand am Montagvormittag an der Bockwindmühle Kühnitzsch im Landkreis Leipzig statt. Anlass war das 200-jährige Bestehen des Bauwerks in seiner jetzigen Form. Erstmals erwähnt wurde es schon 1588 im Verzeichnis der Windmühlen. 1672 fand sich ein Hinweis im Kühnitzscher Kirchenbuch, 1812 erfolgte der Umbau. Bis 1974 wurde hier Getreide gemahlen, zuletzt mit Elektroantrieb. Die Mühlenflügel wurden erst 1992 wieder an dem technischen Denkmal angebracht.
Sachsenweit beteiligten sich fast 200 Mühlen unterschiedlicher Bauart und Funktion an dem Aktionstag. Dazu gehörten die von Pferden angetriebene Göpelmühle Hohenprießnitz, die Wassermühle im Dresdner Zschonergrund, die höchstgelegene deutsche Windmühle in Reichstädt, die Schiffmühle Höfgen, die Papiermühle Niederzwönitz und die neu errichtete Krabat-Mühle in Schwarzkollm.
Sachsen-Anhalt: Eine Mittelmeermühle in Mitteldeutschland
In Sachsen-Anhalt hatten am Pfingstmontag mehr als 100 Mühlen geöffnet. Mit dabei waren die 1857 erbaute Windmühle von Endorf und die Wassermühle in Meisdorf bei Aschersleben, die vom Selkewasser angetrieben wird. Die Wassermühle in Thießen führte ihren Kupferhammer vor, mit dem einst Badeöfen und Bratpfannen produziert wurden. In Magdeburg gab es ein Stadtteilfest zum Erhalt der Düppler Mühle. Die ehemalige Holländermühle, brannte in den 1970er-Jahren aus und steht seitdem leer. Deutschlandweit einmalig ist die Mühle in Eckartsberga. Sie fängt den Wind statt mit Flügeln mit Hilfe eines zehnspeichigen Windrads ein. Auch sie war am Montag zu besichtigen.
Thüringen: Sturmgeschädigte Mühle in neuem Glanz
In Thüringen öffneten rund 60 historische Mühlen ihre Pforten. Unter anderem präsentierte sich die Krippendorfer Mühle im Gönnatal bei Jena mit einem kleinen Fest zum Abschluss des Wiederaufbaus. Die mehr als 270 Jahre alte Bockwindmühle war 2007 durch den Sturm "Kyrill" fast komplett zerstört worden. Nach Angaben des Landesvereins für Mühlenerhaltung und Mühlenkunde war auch ein Steinbruch in Crawinkel im Kreis Gotha geöffnet. Hier wurden bis 1870 vor allem Mahlsteine für Getreidemühlen hergestellt. Forschungen des Vereins zufolge entstanden über die Jahrhunderte in Thüringen mehr als 3.600 Mühlen, fast alle wurden mit Wasser angetrieben. Zur Erfurter Mühle kamen am Montag statt der erwarteten tausend Besucher nur 80. Als Grund verwies der Thüringer Landesverein für Mühlenerhaltung und Mühlenkunde darauf, dass für das Bauwerk Eintritt erhoben werden musste. Viele Besucher habe das abgeschreckt. Die anderen Mühlen im Freistaat seien hingegen regelrecht von Besuchern gestürmt worden.
Elektrizität löste Wind, Wasser und Pferde ab
In den vergangenen Jahrhunderten entstanden in Deutschland die unterschiedlichsten Mühlen. Zumeist wurden sie zum Mahlen von Getreide oder auch zum Herstellen von Ölen verwendet, aber beispielsweise auch zum Antrieb von Hammerwerken. Die Mühlen nutzten zumeist Wasser- oder Windkraft. Die Deutsche Mühle oder Bockwindmühle entstand bereits im 13. Jahrhundert. Bei ihr ist das gesamte Gebäude drehbar auf einem Bock gelagert. Die Paltrock- oder Eisenbahnmühle hingegen saß drehbar auf Rollen. Die Turmwindmühle wiederum besteht aus einem gemauerten Turm und einer teils drehbaren Kappe. Weitere Arten sind die Kokermühle, die Holländer Windmühle und die Scheunenmühle. Bei der Rossmühle wurde auf Pferdekraft gesetzt. Eine Sonderform der Wassermühle ist die Schiffsmühle. Sie konnte auf Flüssen transportiert werden und damit leicht ihren Standort wechseln. Seit der Industrialisierung werden die meisten Mühlen mit Strom angetrieben.
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