Domplatz, Altstadt, Dom St. Peter und Paul
Der Naumburger Dom. Bildrechte: IMAGO

Unesco-Entscheidung Dritte Chance für Naumburger Dom auf Welterbe-Titel

Die Unesco hat am Sonntag über die Anträge aus Naumburg und Dessau auf den Titel Weltkulturerbe entschieden: Für Naumburg war es ein Wechselbad der Gefühle. Einerseits ist der Traum zerplatzt, dass die hochmittelalterliche Kulturlandschaft an Saale und Unstrut den Titel tragen darf. Zum anderen hat das Komitee den Naumburger Dom weiter im Rennen belassen – und bittet um eine Neueinreichung der Nominierung. Dessau-Roßlau kann schon jubeln: Die Laubenganghäuser gehören jetzt zum Welterbe Bauhaus.

Domplatz, Altstadt, Dom St. Peter und Paul
Der Naumburger Dom. Bildrechte: IMAGO

Naumburg hat "weiter Chancen", dass der Naumburger Dom zum Welterbe erklärt wird. Das teilte die Unesco auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit. Allerdings wird eine Entscheidung in der Sache nicht aktuell getroffen. Eigentlich war ein Urteil des Komitees der UN-Kulturorganisation für Sonntag erwartet worden. So ist das erst einmal ein Rückschlag, zum zweiten Mal nach 2015, als Naumburg den ersten Anlauf gestartet hatte und gescheitert war. Damals hatten die Experten eine Bewerbung für zu lang und zu wissenschaftlich befunden.

Naumburg: Nachbesserungen innerhalb von drei Jahren

In Sachsen-Anhalt sind die Reaktionen auf die Unesco-Entscheidung trotzdem sehr positiv. Kulturstaatsminister Rainer Robra sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Es zeichnete sich seit gestern ab, dass wir auf einem sehr guten Weg sind. Das ist super für Naumburg." Demnach hätten die Gutachter bescheinigt, der Dom sei in "jedweder Hinsicht außergewöhnlich herausragend und erfüllt damit alle Kriterien für die Eintragung".

Die Leiterin der deutschen Delegation in Krakau, Staatsministerin Maria Böhmer, bezeichnete die Entscheidung als "herausragende Ausgangsposition". Demnach müsse der Antrag aus Naumburg auf den Dom fokussiert werden. "Innerhalb von drei Jahren kann er ohne erneute Evaluierung dem Welterbekomitee zur Einschreibung in die Welterbeliste vorgelegt werden."

Was damit bereits fest steht: Die hochmittelalterliche Kulturlandschaft, die ebenfalls Teil des Naumburger Antrags war, wird demnach nicht in die begehrte Welterbeliste aufgenommen.

Dessau: Laubenganghäuser in Törten jetzt Welterbe

Erfolg hatte am Sonntag die Dessauer Bewerbung um eine Erweiterung des Welterbe-Titels. Die Bauhaus-Stätten in Dessau und Weimar gehören bereits seit 1996 zum Unesco-Weltkulturerbe.

Die Rückseite eines Laubenganghauses am 10.05.2017 in Törten, einem Stadtteil von Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt).
Welterbe Bauhaus: Eines der Laubenganghäuser in Dessau-Törten. Bildrechte: dpa

Nun wurden sie mit positivem Votum des Unesco-Komitees um die Laubenganghäuser in Dessau-Roßlau erweitert, außerdem um eine ehemalige Schule in Bernau, nördlich von Berlin.

Die fünf Laubenganghäuser in der Bauhaussiedlung Dessau-Törten entstanden 1929/1930 unter Leitung des Architekten Hannes Meyer. In jedem der dreietagigen Häuser gab es 18 Wohnungen, die über Laubengänge betreten werden konnten. Zum funktionalen und preiswerten Wohnraum gehörte pro Wohnung auch ein Garten und das gemeinsame Waschhaus. Die Häuser wurden zum Teil verändert, sind aber noch immer bewohnt. Eine restaurierte Musterwohnung kann besichtigt werden.

Insgesamt mehr als 30 Nominierungen bei Unesco

In diesem Jahr gab es weltweit mehr als 30 Nominierte für das Unesco-Welterbe. Neben den beiden Kulturstätten aus Sachsen-Anhalt waren für Deutschland auch die sechs Höhlen der ältesten Eiszeitkunst in Baden-Württemberg ins Rennen gegangen und bekamen den Titel Weltkulturerbe zugesprochen.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09.07.2017 | 17.30 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 09.07.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/dpa/lk/mg

Zuletzt aktualisiert: 09. Juli 2017, 19:21 Uhr

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6 Kommentare

10.07.2017 12:23 FSee 6

Eine Twitter-Meldung, tausend Auslegungen - als hätte Donald Trump gepostet, dabei war es die UNESCO. Und die hat gemäß @4 und @2 Naumburg nochmal auf die Schulbank gesetzt: Kleiner und feiner, aber im Kern immer noch Naumburgs Wahrzeichen, der Dom mit den 12 Stifterfiguren - so sehen wir das Welterbe. So erfüllt sich - in drei Jahren - auch der Traum vom Welterbe. Nur dem Wunschdenken wurde gestern eine Abfuhr erteilt. Das war, nach der ersten Ablehnung, vorhersehbar. Wie schön, dass die Kommission am besonderen Wert von Uta & Co. nicht den Hauch eines Zweifels hatte. Ich finde, damit hat Naumburgs Antrag nicht verloren, sondern sogar gewonnen: an Qualität und Aufmerksamkeit. (M)ein "Welterbe der Herzen".

10.07.2017 10:21 Sylvia Heller 5

Die wiederholte Ablehnung der Landschaften in und um Naumburg kann ich einfach nicht nachvollziehen. Der Maler und Bildhauer Max Klinger bezeichnete die Region als Toscana des Ostens. Er hat Recht. Auch wir kommen mehrmals im Jahr in diese Gegend und entdecken immer Neues. Die Herrschaften, die solche Entscheidungen treffen, sollten sich vielleicht Mal vor Ort ein Bild machen. Vom grünen Tisch aus, sind noch nie gute Entscheidungen getroffen worden.

10.07.2017 10:04 Sanna zu Naumburg 4

Liebes MDR team ihr solltet mal lieber besser recherchieren bevor man berichtet und Falschmeldungen verbreitet.
Der Naumburger Dom wurde von der Unesco als referral of nomination anerkannt.das heist das nur der Dom in die Liste einfliessen wird und die Unesco nur um weitere Information bittet.wo wir hier drei jahre zeit haben.es muss kein Neuantrag abgegeben werden und es erfolgt auch keine Aussage von der Icomos.
Bitte vorher besser informieren bevor man Fakenews verbreitet

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT: Abgesehen davon, dass unsere Informationen im Artikel eindeutig sind, würde es sich keinesfalls um Fake News handeln. Der Begriff umfasst bewusst falsche Informationen. Sollten wir falsch liegen, würden wir das korrigieren.

10.07.2017 06:42 Möwe 3

Das ist doch nicht schlimm. So besonders ist die Gegend doch auch nicht. Da können wir endlich die Umgehungsstraße bauen. Die braucht zwar auch keiner, aber was man hat, hat man.

09.07.2017 22:06 Rene 2

Leider berichtet der mdr bewusst falsch. Dem Naumburger Dom wurde der universelle Wert zuerkannt und kann nun in 1, 2 oder 3 Jahren noch von der UNESCO geforderte Informationen einreichen und steht dann zur endgültigen Entscheidung an. Für den Naumburger Dom ist aber kein neuer Antrag gefordert. Dies ist anders als vor 2 Jahren.
Der umliegenden Kulturlandschaft wurde der universelle Wert verwehrt. Da es sich bei dieser Überarbeitung i.d.R. um einen formalen Akt handelt, ist eine Eintragung des Naumburger Doms innerhalb der nächsten 3 Jahre in greifbare Nähe gerückt.
Bitte Entscheidungen richtig veröffentlichen und kommentieren.

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT: Die UNESCO hat selbst geschrieben: "Naumburger Dom hat weiter Chancen auf Welterbetitel. Innerhalb v.3 Jahren erneute Einreichung der Nominierung erbeten." Was anderes haben wir auch nicht geschrieben.

09.07.2017 21:15 Einer aus der Frühschicht 1

So schön wie Naumburg und Umgebung sind, eine Ute am Dom reicht nicht. Außerdem kommi ich auch ohne Welterbetitel gern jedes Jahr dahin.