Eingang der Molkereifiliale der Deutsche Milchkontor in Bad Bibra
Die Molkerei und Käserei Bad Bibra soll gerettet werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Käserei Bad Bibra Online-Petition soll Arbeitsplätze retten

Die Käserei in Bad Bibra ist von der Schließung bedroht. Etwa 120 Beschäftigte könnten ihren Arbeitsplatz verlieren. Ein ehemaliger Auszubildender des Betriebs hat jetzt eine Online-Petition gestartet, um den Standort zu retten.

Eingang der Molkereifiliale der Deutsche Milchkontor in Bad Bibra
Die Molkerei und Käserei Bad Bibra soll gerettet werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Unterschriften, Lösungsideen, Gesprächsrunden – im Burgenlandkreis laufen zahlreiche Initiativen an, um die von der Schließung bedrohte Burgenlandkäserei in Bad Bibra zu retten. Ein ehemaliger Auszubildender der Käserei, Kevin Pänzer, hat eine Internet-Petition gestartet. Er hat bereits mehr als 1.400 Unterschriften gegen die Schließung gesammelt.

Kevin Pänzer, Starter einer Online-Petition zum Erhalt der Käserei Bad Bibra.
Kevin Pänzer ist Initiator der Online-Petition. Bildrechte: Kevin Pänzer

Vom großen Ansturm auf die Unterschriftenliste sei er überwältigt, sagte Pänzer MDR SACHSEN-ANHALT. Er habe sich anfangs zum Ziel gesetzt, 500 Unterschriften zu sammeln. Mit der Aktion wolle er seine früheren Kollegen unterstützen.

Im Text zur Petition schreibt er, dass ganze Familien an dem Standort arbeiten würden. Wenn der Betrieb schließen müsste, würden sie ihre Existenzgrundlage verlieren, so Pänzer. "Ich möchte einfach zusammen mit allen die Arbeitsplätze erhalten und das schafft man nicht allein, sondern nur, wenn alle zusammen halten", erklärte er MDR SACHSEN-ANHALT. 

Unterschriften zur Unterstützung der Gewerkschaft

Ziel der Unterschriftensammlung sei neben dem Erhalt der Arbeitsplätze in Bad Bibra die Unterstützung der Milchbauern, so Pänzer. Sie sollen mehr Geld für ihre Milch bekommen. Da die Schließung für das erste Quartal 2018 angesetzt ist, soll die Petition zunächst bis Ende 2017 laufen. "Sobald wir eine hohe Anzahl an Unterschriften zusammen haben, werden diese an die Gewerkschaft weitergeleitet und zur Verteidigung des Werkes genutzt", erklärte Pänzer.

Kühe in einem Stall
Milchbauern haben wegen der Milchpreiskrise Lieferverträge gekündigt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wann genau das sein werde, stehe noch nicht fest. Er sei aber mit der Gewerkschaft in Kontakt und werde die Listen übermitteln, wenn sie benötigt werden sollten.

Neben der Petition seien weitere Aktionen zur Rettung des Werks im Gange, sagte Pänzer MDR SACHSEN-ANHALT. Dazu könne er aber noch nicht viel sagen oder versprechen.

Landespolitik sucht Lösung

Auch der Landkreis und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) suchen nach Lösungen, um die Käserei zu retten. Der Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich (CDU), will ebenfalls um den Standort kämpfen. Er habe bereits mit Ministerpräsident Reiner Haseloff telefoniert, berichtete Ulrich am Donnerstag. Außerdem wolle er mit dem Landwirtschafts- und dem Wirtschaftsministerium sprechen.

Ulrichs Ziel ist es, dass beide Ministerien am Krisentreffen am 10. Juli in Bad Bibra teilnehmen. Für den Termin seien Vertreter des Deutschen Milchkontors (DMK), Landwirte, Kommunal- und Landespolitiker sowie Betriebsräte nach Bad Bibra eingeladen, um Lösungen zu beraten. "Denkbar wäre es, die Produktion in einem kleineren Rahmen fortzusetzen – oder das Werk an jemanden zu verkaufen, der sich selbst um Milchnachschub kümmert", schlug Ulrich vor.

Landrat Götz Ulrich im Interview
Landrat Götz Ulrich setzt sich ebenfalls für die Käserei ein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zuvor hatte Deutschlands größte Genossenschaftsmolkerei, das DMK, angekündigt, mehrere Werke schließen zu wollen – darunter die Käserei in Bad Bibra. Mehrere unzufriedene Milchbauern hätten ihre Lieferverträge mit dem Deutschen Milchkontor gekündigt. Grund sind sehr niedrige Milchpreise: Die Bauern beklagten, dass sie weit unter ihren eigenen Kosten lägen. Inzwischen bekommen die Landwirte 34 Cent pro Liter. Das ist der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft immer noch zu wenig.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | Studio Halle | 30.06.2017 | 6:30 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 29.06.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/mh

Zuletzt aktualisiert: 01. Juli 2017, 12:44 Uhr

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3 Kommentare

03.07.2017 08:44 Schumann Heidi und Manfred 3

wir möchten auch das Bad Bibra die Käserei und Molkerei bleibt , immer wird einfach alles geschlossen , wir sagen NEIN sie muss und soll bleiben. Es hängen sehr viele Arbeitsplätze daran .

01.07.2017 20:46 Rhönsegler 2

Also, ich habe gehört, dass die eigenen Milchbauern, Genossenschaftler des DMK, diese nicht mehr mit Milch beliefern. Das soll Ursachen in der Bezahlung der gelieferten Milch haben. Der Schnellschuss sagt nun, Kapazitäten schliesen. Das wäre aber zu kurzgesprungen. Korrekter wäre eine faire und den Kosten entsprechende Bezahlung der Milchbauern. Dem entgegen steht aber das Gewinnstreben des DMK und der Geiz des "deutschen Kunden" im Discounter mal etwas mehr für gute Milch und Milchprodukte zubezahlen.
Die "Geiz ist geil" und "Hauptsache billig" Mentalität ist tief verwurzelt im deutschen Kundenverhalten.

01.07.2017 13:43 Peter 1

Ehrlich gesagt verstehe ich nicht ganz, und der MDR-Artikel klärt das auch nicht auf, wie durch Petitionen ein Betrieb gerettet werden soll. Das Unternehmen - in diesem Fall die Genossenschaft DKM - wird doch den Betrieb nicht aus Jux und Dollerei schließen, sondern weil die Einnahmen niedriger sein werden als die Ausgaben. Daran lässt sich ja auch durch eine Petition nichts ändern. Sollte der Betrieb hingegen profitabel wirtschaften, dann würde es auch kein Problem beim Finden eines neuen Eigentümers geben. Warum geht die Bestrebung dann nicht dahin, dass die Beschäftigten das Werk übernehmen? Das will ja offensichtlich auch keiner.