Die Angeklagte sitzt im Landgericht Halle neben ihrem Verteidiger.
Die Angeklagte hat zum Prozessauftakt die Tat gestanden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Prozessauftakt Mutter gesteht Kindstötung

Eine Frau soll in Naumburg ihr vierzehn Monate altes Kind erstochen haben. Jetzt wird der Fall vor dem Landgericht in Halle verhandelt. Die Anklage geht von einer verminderten Schuldfähigkeit der Frau aus.

Die Angeklagte sitzt im Landgericht Halle neben ihrem Verteidiger.
Die Angeklagte hat zum Prozessauftakt die Tat gestanden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eine Frau soll im April 2017 ihr 14 Monate altes Baby erstochen haben. Das hat die 26-Jährige zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Halle gestanden. Erst habe sie versucht, in ihrer Wohnung das schlafende Kind im Bett zu erdrosseln. Als der Junge dann schreiend aufwachte, habe sie zum Brotmesser gegriffen.

Eingangsportal des Landgerichts Halle
Vor dem Landgericht in Halle wird der Fall verhandelt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach Angaben des Landgerichts hatte die Polizei die Frau nach der Tat im verwirrten Zustand am Naumburger Bahnhof aufgegriffen. Als die Beamten wenig später das Kind in der Wohnung in einem Mehrfamilienhaus fanden, war es bereits gestorben.

Der Anklage zufolge hat die 26-Jährige dem Baby mit einem Brotmesser zwei Stiche in den Hals zugefügt und so getötet.

Verminderte Schuldfähigkeit

Die Staatsanwaltschaft geht von einer "erheblich verminderten Schuldfähigkeit" aus, da die Tat aufgrund einer schweren psychischen Krankheit begangen wurde. Angeklagt ist sie wegen Totschlags. Neben einer Strafe komme auch die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus in Betracht, so das Landgericht. Bis Mitte November sind noch drei weitere Verhandlungstermine angesetzt.

Die Frau stammt aus Eritrea. Sie war 2013 über Äthiopien, Sudan, Libyen und Italien nach Deutschland geflohen.

Meistgelesen

Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 17. Oktober 2017 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2017, 12:46 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

4 Kommentare

17.10.2017 19:51 Dann stellt sich allerdings... 4

@ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT: (Woher wissen sie, dass die Krankheit nicht erst im Nachhinein festgestellt wurde?)

Eben DAS hätte ich gerne aus "meinem " Medium erfahren. Deshalb heisst es ja Medium. Und noch immer fehlen die Angaben dazu, was die Angeklagte SELBST vor Gericht als ihr Motiv angegeben hat - ich schlage vor, diese Informationen nachzuliefern. Wer etwas Erfahrungen mit psychatrischen Patienten hat, weiß im übrigen, dass sich dergleichen nicht einfach "über Nacht" manifestiert. Es sei denn, dieser Eindruck kann entstehen, weil sich niemand darum gekümmert hat, in welchem Zustand die Person ist. Da sie sich bereits länger in Schland aufgehalten hat, bleibt diese Frage latent: Wer hat sich um die Person wie und in wessen Auftrag gekümmert?
Auch diesen Hintergrundinformationen hätte ich, wie gesagt, gerne von meinem "Medium".

Der Vorgang erinnert mich nämlich fatal an einen Berliner Fall von 2016...

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Wir werden morgen versuchen, diese Fragen zu klären.

WEITERE ANMERKUNG:
Informationen, die über die bereits veröffentlichten hinausgehen, liegen uns aktuell nicht vor. Es ist wahrscheinlich, dass bis Ende des Prozesses mehr über die Krankheit der Angeklagten bekannt wird. Vielleicht für Sie interessant: Der nächste öffentliche Prozesstag ist am 26.10. um 8:30 Uhr. Ein Reporter von uns wird dann ebenfalls vor Ort sein.

17.10.2017 18:01 Dann stellt sich allerdings... 3

Die Staatsanwaltschaft geht von einer "erheblich verminderten Schuldfähigkeit" aus, da die Tat aufgrund einer schweren psychischen Krankheit begangen wurde.

... die dringende Frage, warum sie weiterhin Umgang mit dem und vermutlich das Sorgerecht für das Kind hatte. Wenn die psychische Krankheit "erheblich" war, wird sie erkannt worden sein. WER bzw. ggfs. welche Behörde also hat in diesen Zusammenhängen Entscheidungen gefällt? was GENAU ist dem Verbrechen vorausgegangen? Welches Motiv hatte die verurteilte Täterin SELBST angegeben?

Darüber hätte ich gerne Information in dem von mir mitfinanzierten Qualitätsmedium. Ich bin nämlich der schlichten Meinung, dass die Entscheider am Prozess "beteiligt" sein hätten müssen; und zwar auf der linken Seite des Saals aus Zuschauersicht.

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Die Angeklagte ist noch nicht verurteilt. Woher wissen sie, dass die Krankheit nicht erst im Nachhinein festgestellt wurde?
Die weiteren Fragen kommen eventuell im Laufe des Prozesses zum Tragen.

17.10.2017 15:17 Heiner 2

Egal welche Nationalität, man sollte schon bei der Geburt die Frauen über Babyklappen informieren. Aber sowas kann u.U. auch falsch verstanden werden.

17.10.2017 13:27 Hannchen 1

Nach so einer Tat muss man doch verwirrt sein. Entscheidend ist der Zustand vor der Tat. Armer Junge. ❤