Der ehemalige Mister Germany Adrian Ursache (l.) spricht am 09.10.2017 im Landgericht in Halle/Saale (Sachsen-Anhalt) vor Prozessbeginn im Gerichtssaal mit dem Grundgesetz in der Hand mit Journalisten.
Adrian Ursache hat noch immer mit der Schussverletzung an seinem Arm zu tun, die ihm vom SEK zugefügt wurde. Als Erster soll er aber geschossen haben. Bildrechte: dpa

Früherer "Mister Germany" Adrian Ursache: "Kann mich nicht an Schüsse erinnern"

Vor dem Landgericht Halle ist am Mittwoch der Prozess gegen den "Reichsbürger" Adrian Ursache fortgesetzt worden. Er wies alle Vorwürfe zurück, seine Frau stützt diese Version. Ursache sagte aus, er könne sich nicht erinnern, auf den Polizisten geschossen zu haben.

Der ehemalige Mister Germany Adrian Ursache (l.) spricht am 09.10.2017 im Landgericht in Halle/Saale (Sachsen-Anhalt) vor Prozessbeginn im Gerichtssaal mit dem Grundgesetz in der Hand mit Journalisten.
Adrian Ursache hat noch immer mit der Schussverletzung an seinem Arm zu tun, die ihm vom SEK zugefügt wurde. Als Erster soll er aber geschossen haben. Bildrechte: dpa

Am zweiten Prozesstag gegen den "Reichsbürger" Adrian Ursache hat am Mittwoch seine Frau ausgesagt. Die 39-Jährige, eine ehemalige "Miss Germany", konnte alle Fragen des Gerichts ausführlich beantworten. Das Erstaunlichste an ihrer Aussage: Sie will von den politischen Aktivitäten ihres Mannes nichts wissen, auch im Interesse ihrer beiden Kinder. Er akzeptiere das. Ihr Mann sei ein wunderbarer Vater, sie liebe ihn und beide führten eine harmonische Ehe.

Der Angeklagte beim Redehalten vor der Verhandlung.
Der Angeklagte im Verhandlungssaal Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Von der Staatsanwaltschaft wird Adrian Ursache als Reichsbürger eingestuft. Er ist wegen versuchten Mordes angeklagt, soll bei einer Zwangsräumung vor gut einem Jahr in Reuden im Burgenlandkreis auf einen SEK-Beamten geschossen haben. Seine Frau hatte die Szene aus ihrem gemeinsamen Haus beobachtet. Sie beantwortete alle Fragen ohne Zögern, nur nicht die, ob ihr Mann oder das SEK zuerst geschossen habe. Sie habe nicht einmal gewusst, dass ihr Mann einen Revolver besitzt.

"Vermummte Verbrecher" haben ihn umbringen wollen

Der Angeklagte sagte aus, er habe den Revolver aus dem hinteren Teil des Grundstücks geholt und ihn geladen. Der 42-Jährige könne sich aber nicht daran erinnern, auch geschossen zu haben. Über das eigentliche Geschehen sprach er wenig, über andere Themen dafür umso mehr. Er bezeichnete die SEK-Leute als "vermummte Verbrecher" und erklärte, dass sie ihn umbringen wollten. Er setzte außerdem seine Beschimpfungen von Richter und Staatsanwalt fort und machte auch vor seinem Verteidiger nicht halt.

Das hallesche Landgericht
Der Prozess findet im Landgericht Halle statt. Elf Verhandlungstage sind geplant. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vor Gericht wurden auch Videos von Body-Cams gezeigt. Darauf sind laut einem Reporter von MDR SACHSEN-ANHALT mehrere Schüsse zu hören, doch es sei nicht klar, was genau passiert. Die Kameras hätten vor allem die schussbereiten Arme der Polizisten gefilmt.

Adrian Ursache steht seit Montag vor dem Landgericht Halle. Der Angeklagte gilt als sogenannter Reichsbürger, lehnt diese Bezeichnung aber ab und wies zum Auftakt des Prozesses alle Anschuldigungen zurück. Er stellte am Mittwoch auch einen Antrag auf Befangenheit des Gerichts, doch der wurde als unzulässig abgelehnt. Am Freitag wird der Prozess mit der Vernehmung von Polizisten fortgesetzt.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11.10.2017 | 17:00 Uhr

Quelle: MDR/lk

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2017, 16:08 Uhr

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1 Kommentar

12.10.2017 09:30 böse-zunge 1

Es ist schon etwas her - da gab es einen Bericht über eine Spezialabteilung beim LKA.
Dort würde Schmauch nachgewiesen und erfasst.
Aus Lang- und Kurzwaffen, fabrikmäßig und selbst laboriert.
Wurde diese Abteilung nicht am "Herrscher von U" tätig? Schließlich sollte die auch an Tätern und Opfern Schmauch sichern können - wurde damals berichtet. Also, so es diese Abteilung gibt, sie tun kann was sie sollte, dann hätte das Gericht jetzt einen forensischen Beweis ob oder nicht, Erinnerungen hin oder her, geschossen wurde oder nicht.