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Wirtschaft : Großschlachterei in Bernburg soll 2.500 Jobs bringen

In Bernburg horcht man derzeit auf. Nach Medienberichten soll dort ein Millionenprojekt entstehen. Ein gigantischer Schlachthof, der 2.500 neue Jobs schaffen soll. Tausende Schweine täglich sollen dort geschlachtet werden. Was ist dran an der Geschichte - unsere Reporterin berichtet.

von Elisabeth Ihme

Schlachthofmitarbeiterinnen nehmen Schweinehälften aus.

Der italienische Fleischkonzern Bresaole Pini möchte 25 Millionen Euro in den neuen Schlachthof im Bernburger Gewerbegebiet investieren. Ganz in der Nähe der A14. Das Unternehmen soll bereits einen Förderantrag beim Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt gestellt haben, schreibt die "Mitteldeutsche Zeitung". Darin heißt es auch, endgültig unterschrieben sei aber noch nichts.

Großbetriebe fürchten Konkurrenz

Aber offenbar hat der italienische Konzern in Bernburg großes vor. Nämlich einen Schlachthof zu bauen, in dem stündlich bis zu 1.000 Schweine geschlachtet werden. In Sachsen-Anhalt gibt es bisher nur zwei große Schlachthöfe. Beim mittelständischen Unternehmen Halberstädter Wurstwaren werden täglich 800 Schweine geschlachtet. Beim Großbetrieb Tönnies in Weißenfels sind es täglich 15.000 Schweine. Mit dem italienischen Konzern würde also eine weitere Großschlachterei entstehen. Die Fleischwaren sollen dann nach Europa und Asien geliefert werden. Der italienische Konzern hat bereits in Polen 2010 einen ähnlich großen Betrieb eröffnet. Betreibt auch Schlachtereien in Ungarn, Rumänien und der Slowakei.

Konzern verspricht Mindestlohn

Überraschen mag, dass Bresaole Pini nach eigenen Angaben am Standort Bernburg Mindestlohn bezahlen möchte. Bisher ist die Fleischindustrie nicht für faire Löhne bekannt. Häufig werden Schlachter und Zerleger aus Osteuropa eingekauft, die für Niedriglöhne arbeiten. Der Mindestlohn wird meist durch so genannte Werksverträge umgangen. Bei der Halberstädter Landwurst GmbH befürchtet man nun, dass der Konkurrenzdruck in der Fleischbranche Sachsen-Anhalts wächst.

Offener Brief: Bewohner in Sorge

Befürchtungen gibt es offenbar auch unter den Bürgern. Ein offener Brief des "Bernburger Montagsforums" an die Stadtverwaltung hat auch MDR INFO erreicht. Die überparteiliche Gruppe möchte unter anderem wissen, wie stark Lärm und Geruchsbelästigung durch den neuen Schlachtbetrieb wären, wer den notwendigen Ausbau der Infrastruktur bezahlt und ob die ortsansässigen Schlachtbetriebe Nachteile von dem neuen Betrieb hätten.

Zuletzt aktualisiert: 11. März 2014, 17:35 Uhr

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