Hände wickeln Käsestücke in Frischhaltefolie.
Der Betrieb in Bad Bibra mit der modernen Käserei ist der größte Molkereibetrieb in Sachsen-Anhalt. Eigentlich läuft der Laden gut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Von Schließung bedroht Bad Bibra will um Molkerei kämpfen

Das Deutsche Milchkontor, Deutschlands größte Molkerei, will mehrere Standorte schließen, weil sie zu wenig Milch bekommen. Davon betroffen ist auch Bad Bibra im Burgelandkreis. Die Zukunft von 120 Beschäftigten steht auf dem Spiel.

Hände wickeln Käsestücke in Frischhaltefolie.
Der Betrieb in Bad Bibra mit der modernen Käserei ist der größte Molkereibetrieb in Sachsen-Anhalt. Eigentlich läuft der Laden gut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Bad Bibra im Burgenlandkreis steht die Zukunft von 120 Beschäftigten der Molkerei und der Käserei auf dem Spiel. Deutschlands größte Genossenschaftsmolkerei, das Deutsche Milchkontor, hat angekündigt, dass es den Standort im kommenden Jahr aufgeben will. Auch Werke in Nordrhein-Westfalen und auf Rügen sollen geschlossen werden. Dem Unternehmen zufolge haben viele Milchbauern ihre Lieferverträge gekündigt. Dadurch würde bis zu einem Viertel der bisherigen Milchmenge wegbrechen.

Der Betrieb mit der modernen Käserei ist der größte Molkereibetrieb in Sachsen-Anhalt. Gerade der Mozzarella aus dem Burgenlandkreis ist ein echter Verkaufsschlager. Der Laden läuft – eigentlich. Aufgrund der gekündigten Lieferverträge wird in Zukunft aber nicht mehr genug Milch ankommen, um sie zu verarbeiten.

Bad Bibra will um Molkerei kämpfen

Das Aus des Standorts will man in Bad Bibra aber nicht einfach so hinnehmen, sondern um die von der Schließung bedrohte Molkerei kämpfen. Das hat der Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich, angekündigt.

Landrat Götz Ulrich im Interview
Götz Ulrich, Landrat des Burgenlandkreises Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der CDU-Politiker war am Donnerstagmorgen im Unternehmen und hat die Stimmung der Mitarbeiter erlebt. "Totenstille, Entsetzen und viele Tränen in den Augen der Mitarbeiter habe ich gesehen", sagte Ulrich MDR SACHSEN-ANHALT. Auf der anderen Seite habe er aber auch Hoffnung auf eine Möglichkeit, auch mit weniger Milch eine Produktion aufrecht zu erhalten.

Weiter sagte Ulrich, er habe bereits mit Ministerpräsident Reiner Haseloff telefoniert. Dieser habe ihm die Unterstützung der Landesregierung zugesagt. Nun werde er das Gespräch mit dem Landwirtschafts- und dem Wirtschaftsministerium suchen. Ziel sei, dass beide Ministerien bei einem für den 10. Juli geplanten Krisentreffen in Bad Bibra dabei seien. Man wolle erreichen, dass wenigstens ein Teil der Produktion in Bad Bibra erhalten bleibe, um mit der Milch aus der Region weiterzumachen. Auch einen Eigentümerwechsel müsse man diskutieren. Für die Mitarbeiter sei der Verkauf eine Option, sagte Ulrich. "Ob es für das Unternehmen eine Option ist, weiß ich nicht. Ich hoffe es."

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28.06.2017 | 18:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 29.06.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/cw

Zuletzt aktualisiert: 29. Juni 2017, 21:21 Uhr

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3 Kommentare

03.07.2017 08:32 Joachim Funk 3

Warum liefern die Bauern keine Milch mehr? Der Bericht verschweigt doch die Wahrheit. Es gibt Milch im Überfluss. Es gibt soviel Milch das man nicht mehr weiss wohin damit. Nein, es liegt am Preis. Die Ausbeutung der kleinen Milchbauern nimmt ungeahnte Ausmasse an. Man schließt Einheimische Standorte und importiert dann billigen, aus Milchpulver hergestellten Chinakäse, der dann hier teuer verkauft wird. Wenn Mineralwasser teurer ist als Milch Brauch man sich über fehlende Lieferanten nicht wundern.

30.06.2017 13:46 Kritischer Bürger 2

+... Man wolle erreichen, dass wenigstens ein Teil der Produktion in Bad Bibra erhalten bleibe, um mit der Milch aus der Region weiterzumachen. Auch einen Eigentümerwechsel müsse man diskutieren....+ Dann wird man aber die Aufkaufpreise für Rohmilch den Gegebenheiten der restlichen noch verbleibenden Molkereien gewaltig anpassen müssen. So etwas nennt sich Wettbewerbswirtschaft, der das meiste Geld bietet bekommt das Rohmaterial auch wenn man dazu durch ganz Deutschland kutschen muss mit der Rohmilch. Am Ende bezahlt das ja der Kunde=Bürger! Warum also nicht regional begrenzen?

30.06.2017 13:39 Kritischer Bürger 1

+... Dem Unternehmen zufolge haben viele Milchbauern ihre Lieferverträge gekündigt. Dadurch würde bis zu einem Viertel der bisherigen Milchmenge wegbrechen....+ und warum wurden viele Verträge gekündigt. Wer kann sich erinnern? Da hieß es doch mal wenig Geld für Milchbauern für Rohmilch, wenige Einnahmen aus Verkauf weil angeblich zu billig und ein Bauer mal gerade ein paar Cent bekam aus dem Umsatz. Ist dafür auch das Milchkontor verantwortlich, das aus den Einnahmen die Bauern nur minimale Erlöse zugestanden wurden. Naja vllt. werden dann Bauern wieder für das eigene und die angrenzenden Dörfer mehr übrig haben und sich neue Wege etablieren wie Hofmolkerei und Hofkäserei da würde ich als Dorfbewohner sogar beim Bauern direkt für Milch bei 10% Fettgehalt bis zu 2 Euro zahlen wenn es dem Bauern allein zukommt und er es für seine Ausgaben verwendet!